Zum Inhalt springen

Oostegit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Weibliche Mauerassel mit aus plattenartigen Oostegiten gebildetem Marsupium zwischen den Beinen

Ein Oostegit, im Plural Oostegite oder auch Brutplatten oder Brutlamellen genannt, ist ein platten- oder blattförmiger Anhang an der Basis der Brustbeine (Pereiopoden) weiblicher Vertreter der Ranzenkrebse (Peracarida), darunter Asseln und Flohkrebse. Mehrere Oostegiten bilden gemeinsam an der Bauchseite des Tieres einen Brutraum, das Marsupium, in dem die Eier und die sich entwickelnden Jungtiere getragen werden.[1] Die Bezeichnung leitet sich von griechisch oon („Ei“) und stegē („Decke“) ab und bezeichnet damit sinngemäß eine „Eidecke“.[1]

Die Oostegite entspringen im Bereich des Basalgliedes eines Brustbeins und sind zur Körpermitte gerichtet. Bei vielen Arten sind voll entwickelte Oostegiten zudem nur bei fortpflanzungsfähigen Weibchen vorhanden. Sie entfalten sich bei einer der Eiablage vorausgehenden Häutung, der sogenannten Parturialhäutung, und können sich nach dem Entlassen der Brut wieder zurückbilden.[2] Diese Platten werden teilweise mit Epipoditen homologisiert, die sekundär nach innen verlagert worden sind.[2]

Ausprägung bei verschiedenen Ranzenkrebsen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahl, Lage und Ausbildung der Oostegiten unterscheiden sich zwischen den Gruppen der Ranzenkrebse. Bei Flohkrebsen (Amphipoda) bilden gewöhnlich vier Paare dicht mit Borsten besetzter Oostegiten die Bruttasche. Bei den Asseln (Isopoda) sind häufig fünf Paare vorhanden, ihre Zahl kann jedoch je nach Verwandtschaftsgruppe deutlich variieren.[3] Bei den Landasseln (Oniscidea) überlappen die fünf Paare der Oostegiten dachziegelartig und bilden eine ventral und seitlich weitgehend geschlossene Brutkammer, um die Brut vor Austrocknung zu schützen.[4] Bei einigen Gruppen sind die Oostegiten teilweise reduziert oder durch zusätzliche Einstülpungen und Falten der Körperwand bei der Bildung des Brutraums ergänzt.[3]

Bei den Schwebegarnelen (Mysida) besteht das Marsupium bei den ursprünglicheren Petalophthalmidae und den Boreomysinae aus sieben Paaren Oostegiten, bei den übrigen Mysidae ist ihre Zahl auf zwei oder drei Paare an den hinteren Brustbeinen reduziert.[5]

  1. 1 2 Oostegite. In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag, abgerufen am 11. September 2026.
  2. 1 2 Peracarida. In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag, abgerufen am 11. September 2026.
  3. 1 2 Richard C. Brusca, George D. F. Wilson: A phylogenetic analysis of the Isopoda with some classificatory recommendations. In: Memoirs of the Queensland Museum. Band 31, 1991, S. 143–204.
  4. ↑ Diána Csonka, Katalin Halasy, Elisabeth Hornung: Histological studies on the marsupium of two terrestrial isopods (Crustacea, Isopoda, Oniscidea). In: ZooKeys. Band 515, 2015, S. 81–92, doi:10.3897/zookeys.515.9401.
  5. ↑ Kenneth Meland, Jørgen Olesen: Taxonomic Review of the Orders Mysida and Stygiomysida (Crustacea, Peracarida). In: PLOS ONE. Band 10, Nr. 4, 2015, S. e0124656, doi:10.1371/journal.pone.0124656.