2024 war Oettinger Getränke die Nummer 25 der weltweit größten Brauereien und die sechstgrößte Brauerei in Deutschland.[3][4] Das inhabergeführte Familienunternehmen produziert eigene Marken wie Oettinger, 5,0 Original, Oe, JoyBräu oder Karmeliter und Handelsmarken für Supermärkte.[5][6]
1731 erhielt die Familie Höhenberger das Braurecht und eröffnete in Fürnheim (rund 10 km nördlich von Oettingen) die „Brauerei von Friedrich Höhenberger“ (heute: Braugasthof Forstquell-Brauerei).[7] Im Gegensatz zu anderen Brauereien, die umfangreichen Immobilienbesitz, also eigene Gaststätten hatten und dadurch ihren Bierabsatz ausweiten konnten, fehlte es der Fürnheimer Brauerfamilie bis Mitte des 20. Jahrhunderts an ausreichend finanziellen Mitteln, um zu wachsen.[8]
1956 erwarben Otto Kollmar und sein Sohn Günther die ehemals fürstliche Genossenschaftsbrauerei.[9] Die vom Adelsgeschlecht von Oettingen im gleichnamigen Ort gegründete Fürstl Oettingen-Spielbergsche Hofbierbrauerei wurde 1333 erstmals urkundlich erwähnt.[10] Zusammen mit acht Mitarbeitern brauten die Kollmars nun 5.000 Hektoliter Bier pro Jahr.
Günther Kollmar übernahm 1970. In der Zeit entstanden großflächige Verbrauchermärkte mit Bierverkauf für den Konsum daheim. Günther Kollmar optimierte alle Betriebsabläufe. Mit modernen Brau- und Abfüllanlagen, durch Skaleneffekte beim Einkauf und den konsequenten Verzicht auf Werbung gelang es der Oettinger Brauerei, günstiger zu produzieren als die Wettbewerber. Um auch die Kosten für Zwischenhändler zu sparen, baute Günther Kollmar für den Direktvertrieb eine eigene Lkw-Flotte auf.
2003 hatte Oettinger einen Wachstumsschub mit der Einführung des Dosenpfands: Als preiswerte Alternative stiegen viele Konsumenten von Bier in der Dose auf Bier in der Mehrweg-Flasche um. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, wurde die zusätzliche Produktionsstätte der Hannen-Brauerei in Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen übernommen.
Ab 2008 wurde Oettinger Bier in Mytischtschi/Russland (Brauerei Moskowskaja Piwowarennaja Kompanija/Московская Пивоваренная Компания) und in den 2010er Jahren auch in anderen Brauereien Osteuropas und Südosteuropas in Lizenz gebraut.
Günther Kollmar starb 2013. Sein Sohn Dirk Kollmar, der seit September 1993 Geschäftsführer war, starb nur ein Jahr nach seinem Vater. Ihm folgte seine Schwester Pia Kollmar, die die Brauerei zum Getränkehersteller entwickelte.[11] Sie holte 2019 die Anteile ihres verstorbenen Bruders Dirk Kollmar zurück.[12]
2024 wurden die Etiketten aller Sorten von Oettinger aktualisiert. Es erfolgte die Umbenennung zu Oettinger Getränke.
Neben dem ursprünglichen Standort nahm 1989 in Oettingen eine zweite Brauerei den Betrieb auf. Über eine Strecke von 3,6 Kilometern verbindet beide Standorte noch heute eine unterirdische Bierpipeline.[13]
1991 expandierte Oettinger mit der Übernahme einer Brauerei in Gotha. Sie wurde Anfang 2023 an die Paulaner Brauerei verkauft.[14]
Während der Ära Dirk Kollmar wurden weitere Brauereien im Nordosten Deutschlands übernommen.
Am 6. Juli 2003 übernahm Oettinger von der dänischen Carlsberg-Gruppe die Hannen-Brauerei in Mönchengladbach und führt diese seither als Brauerei Mönchengladbach, Zweigniederlassung der Brauerei Oettinger GmbH weiter.[15]
Am 1. August 2009 übernahm Oettinger von der Carlsberg-Gruppe die größte Braustätte Niedersachsens, die Feldschlößchen-Brauerei in Braunschweig, und führt sie unter dem Namen Brauerei Braunschweig weiter. Die brandenburgischen Standorte Pritzwalk und Dessow wurden 2009 geschlossen, Schwerin 2011.[16] Nach anhaltend schwacher Produktionsauslastung und einem sinkenden Absatz wurde im Juli 2025 die Schließung des Standorts Braunschweig im Frühjahr 2026 bekannt.[17]
Rund 440 Mitarbeiter arbeiten am Stammsitz in Oettingen, 190 in Mönchengladbach, 130 in Braunschweig und 40 am Logistikstandort Walldorf.[18]
Der Marktanteil von Oettinger in Deutschland liegt bei knapp 7%. Die Jahresproduktion lag 2011 bei etwa 6,21 Millionen Hektoliter, dazu kamen 1,6 Millionen Hektoliter Handelsmarken und 1 Million Hektoliter alkoholfreie Getränke (Glorietta). Oettinger war von 2004 bis 2013 das meistverkaufte Bier in Deutschland und liegt seit 2014 hinter Krombacher auf Platz 2.[19]
Die Barth-Haas-Group listete Oettinger 2020 auf Platz 25 der größten Brauereigruppen der Welt.[20]
Die Gruppe bietet ein breites Sortiment von Bieren und Limonaden an, die überwiegend im Niedrigpreisbereich angesiedelt sind. Die meisten Marken werden bundesweit vertrieben. Manche Spezialbiersorte wird regionalen Traditionen entsprechend verstärkt lokal vermarktet. 2023 betrug der Gesamtausstoß rund 7,5 Millionen Hektoliter.[22]
Alle Sorten[23] werden in braunen 0,5-Liter-Glasflaschen mit Kronkorken vertrieben, einige Sorten zusätzlich in 0,33-Liter-Flaschen und in Getränkedosen oder Fässern (20, 30 und 50 Liter)
Die Sorten Weißbier 12 Naturtrüb, Urtyp, Bock, Schwarzbier, Winterbier, Weizen-Grapefruit, Weizen & Zitrone Alkoholfrei und Natur Radler Alkoholfrei Naturtrüb wurden 2023 aus dem Sortiment genommen.[24]
Cola, koffeinhaltig (wird derzeit nur in Süddeutschland vertrieben)
Cola-Orange, koffeinhaltig
Cola-Mate, koffeinhaltig mit Mate-Extrakt
Unter der MarkeGlorietta[25] bietet Oettinger alkoholfreie Erfrischungsgetränke an. Folgende Geschmacksrichtungen sind erhältlich:[26]
Glorietta Cola Mix, koffeinhaltig, Cola- und Orangengeschmack
Glorietta Orange (nur in Süddeutschland)
Glorietta Zitrone (nur in Süddeutschland)
Glorietta A-C-E, kalorienarm mit Frucht- und Gemüseanteil (nur in Süddeutschland)
Glorietta Apfel-Kirsch, Apfelsaft mit Kirsche (nur in Süddeutschland)
Glorietta Apfel-Schorle, Apfelsaft mit Wasser (nur in Süddeutschland)
Iso Sport, kalorienreduziertes Sportgetränk (nur in Süddeutschland)
Zeitweise wurde unter dem Namen Glorietta Aquamarin auch Tafelwasser angeboten, dies war jedoch nicht rentabel. Ebenso wurden die Sorten Holunder, Litschi und Mate-Classic eingestellt.
↑Tradition.Oettinger Brauerei GmbH – Oettingen i. Bay.,25.Februar 2012,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am25.Februar 2012;abgerufen am 1.Juni 2021.