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Bud Powell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Earl "Bud" Powell (* 27. September 1924 in New York, Harlem; † 31. Juli 1966 in New York) war ein amerikanischer Jazz-Pianist. Er gilt als der Begründer des modernen Jazzklaviers und prägte mit seinem Stil Generationen von Jazz-Pianisten.

Biografisches

Powell galt als Wunderkind. Er spielte Bach, Chopin und Debussy und erregte schon früh die Aufmerksamkeit vieler Jazz-Musiker. Mit zehn Jahren konnte Powell Art Tatum, den großen Mann des "Swing-Pianos", fast perfekt imitieren. Sein Vater, selbst ein guter Stride-Pianist und sehr stolz auf seinen Sohn, erlaubte, Bud die Schule mit 15 Jahren zu verlassen und als professioneller Pianist zu arbeiten. Schon bald kam er in "Minton's Playhouse" in New York in Kontakt mit der Bebop-Szene um Charlie Parker und Dizzy Gillespie. Hier traf er auch auf den Pianisten und Mitbegründer des Bebop Thelonious Monk, der ihn unter seine Fittiche nahm und mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Obwohl Powell sieben Jahre jünger als Monk war, besaß er die bessere Technik. Monk dagegen war ein begnadeter Komponist. Powell war der erste Pianist, der sich traute, dessen Kompositionen nachzuspielen.

1944 nahm Powell seine erste Solo-Schallplatte auf, und 1947 machte er seine ersten Aufnahmen als Bandleader. Außerdem geriet er zu dieser Zeit in Auseinandersetzungen mit der Polizei. Soweit man weiß, wurde er von einigen Polizisten, wahrscheinlich aus rassistischen Motiven, zusammengeschlagen und erlitt eine schwerere Kopfverletzung, die wahrscheinlich späteren Problemen von ihm zugrunde lag.

Bud Powells Art, Klavier zu spielen, stellte die bisherige Tradition des Jazz-Pianos auf den Kopf. Er spielte das Piano wie ein Saxophon und lieferte sich mit Charlie Parker, einem dem bekanntesten Bebop-Altsaxophonisten, regelrechte Wettkämpfe. Auf Jam Sessions mit Charlie Parker konterte er mit Bravour und wusste immer noch einige melodische Wendungen und harmonische Finessen mehr einzubauen.

Sein Spiel war virtuos, hatte aber auch etwas bedrückend Nervöses. Als die psychischen Probleme von Powell immer mehr an die Öffentlichkeit kamen, meinten viele, dass das vorauszusehen gewesen sei. Immer häufiger hörte man von Nervenzusammenbrüchen, Drogenexzessen, längeren Klinikaufenthalten und Entziehungskuren; später sogar von epileptischen Anfällen und Elektroschocks.

Mit 30 Jahren hatte Bud Powell seinen Zenit überschritten und war ein kranker, verbrauchter Mann. Die meiste Zeit war er in sich gekehrt und nahm kaum Anteil an seiner Umgebung. Er hatte so gut wie keine Freunde, brauchte aber, wenn er nicht am Klavier saß, ständige Fürsorge. Die bekam er noch lange von seiner Mutter, die ihm bei seinen psychischen Problemen allerdings auch nicht helfen konnte.

Nach dem Tod seines Bruders Richie 1956, ebenfalls ein begabter Jazzpianist, geriet er in eine immer tiefere Verstörung. Nur durch seine Musik war Powell noch in der Lage, sich seinen Mitmenschen mitzuteilen. Am bewegendsten gelang ihm das mit dem Stück "Glass Enclosure". Der Titel lässt vermuten, wie er sich selbst fühlte. Eingeschlossen in einem gläsernen Käfig ohne die Möglichkeit, wirklichen Kontakt zur Welt, die ihn umgab, aufzunehmen.

1959 ging Powell nach Paris. Amerikanischer Rassismus machte das Leben für Schwarze zu keinem angenehmen Land. Bud Powell blühte in Paris merklich auf. Einem französischen Jazzfan, der ihn liebevoll betreute, widmete er das Stück "Una Noche Con Francis." Paris machte Powell für das Naiv-Sentimentale empfänglich, und seine Kompositionen wurden "hörfreundlicher", mal hispanisch gefärbt, mal klassizistisch. Durch eine schwere Tuberkulose musste Powell 1964 seinen Aufenthalt in Paris beenden. Er kehrte nach New York zurück und konnte im "Birdland" ein letztes großes Comeback feiern.

Er starb 1966 im Alter von 41 Jahren.

20 Jahre nach seinem Tod inspirierte die Geschichte von Bud Powell den Regisseur Bertrand Tavernier zu dem Film "Round Midnight" (dt. Titel "Um Mitternacht"), in dem Dexter Gordon die Rolle eines schwierigen und kranken Künstlers spielt. Dexter Gordon war Tenorsaxophonist, was die doppelte Widmung des Filmes (an Bud Powell und Lester Young) erklärt.

Diskografie

  • The Genius of Bud Powell (1949-51 mit Ray Brown, Max Roach, Buddy Rich und Curly Russel) Verve 2-2506IMS(2LP)
  • The Amazing Bud Powel Vol. 2 (1949-51, mit Roy Haynes, Art Taylor u.a.) Blue Note BLP 1504
  • The Scene Changes (1958, mit Paul Chambers und Art Taylor) Blue Note BNJ71004(+CD)
  • The Complete Essen Jazz Festival Concert (1960, mit Kenny Clarke, Colemann Hawkins, Oscar Pettiford) Black Lion BLP 60105 (+CD)
  • Einige CDs davon:
    • Bebop , Bouncing With Bud , und Bud's Bubble
    • Complete 1946-49 bzw. 1947-51
    • Genius Of Modern Piano 1947-57
    • Jazz Giant , Jazz Piano Master und Jazz Profile
    • Parisian Thoroughfares , Paris Sessions
    • Strictly Confidential
    • The Amazing Bud Powell Vol.1, 2 & 3
    • The Essen Jazz Festival Concert

Siehe auch: