Normvariante


Eine Normvariante ist eine geringfügige, physiologische oder anatomische Abweichung von einem in der Medizin als Standard definierten Zustand oder Befund ohne krankhaften Hintergrund, die sich in einer als „normal“ anzusehenden Toleranz befindet.
Dabei stellt die Differenzialdiagnostik einen Prozess zur Identifikation auch von Normvarianten dar. Auch sind die Grenzen zwischen Normvariante und pathologischem Befund nicht immer klar umrissen.[1]
Wortherkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wort setzt sich zusammen aus „Norm“ im Sinne eines vereinbarten oder festgelegten Standards (Normwert). Dabei wird alles als normal bezeichnet, was in einem hohen Prozentsatz bei Gesunden vorliegt oder gefunden wird. Ferner ist enthalten der Begriff „Variante“ im Sinne einer „abweichenden Ausführung“, „Spielart“ oder „Abwandlung“.
Beispiele aus der Augenheilkunde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im weiteren Sinne kann eine Normvariante auch eine regelmäßige, physiologische Abweichung von einer als Standard deklarierten Idealform darstellen. Ein Beispiel hierfür sind die Brechungsverhältnisse des menschlichen Auges. Hierbei gilt der Zustand der Emmetropie und vollkommenen Rechtsichtigkeit als „normal“, wird jedoch lediglich von einem Bruchteil der Menschen tatsächlich erreicht. Marginale Abweichungen mit dem Ergebnis einer gering ausgeprägten Ametropie ohne krankhaften Hintergrund[2] und nachteilige Auswirkungen auf das Individuum sind hier die überwiegende Realität. Gleiches gilt für die Orthophorie und Heterophorie[3] im Zusammenhang mit der Stellung der Augen sowie für eine manifeste, geringfügig unterschiedliche Pupillenweite des rechten und linken Auges.[4] Im Sinne einer statistischen Verteilung wird so die Normvariante zum Standard. Weitere Beispiele finden sich im Bereich des Augenhintergrunds.[5]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks und Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kapitel "Normvarianten" im Reinhard Rossdeutscher: Thorax – Handbuch diagnostische Radiologie, 2003, S. 65-73; SpringerLink.
- Fabian Sommer: Anatomische Varianten der Nasennebenhöhlen, Dissertation 2009.
- Bergener, M. und H. Grobecker: Hypertonie im Alter: Normvariante oder Krankheit ? 10. Rothenburger Gespräch 1984. Schattauer Verlag, Stuttgart. ISBN 3-7945-1017-8.
- Kleinwuchs als Normvariante.
- Normvarianten des EEG in Emedicine (englisch).
- Thieme Connect - Hofmann, Volker et al.: 2005: Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie DOI: 10.1055/b-0033-374 - Normvarianten
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ludger Tebartz van Elst: Autismus und ADHS: Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. 1. Auflage. Kohlhammer Verlag, 2016, ISBN 978-3-17-028687-0.
- ↑ ThomaVision.de: Ametropie
- ↑ netdoktor.de: Heterophorie
- ↑ viamedici.thieme.de: Pupillenstörungen
- ↑ Springerlink: G. Eisner, B. Daicker - Normvarianten in der Fundusperipherie