Norbert Erdmann
Norbert Erdmann (* 10. März 1937 in Heilsberg in Ostpreußen; † 5. April 2010) war ein deutscher Biochemiker und Hochschullehrer.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Familiärer Hintergrund und frühe Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Norbert Erdmann war das dritte von insgesamt vier Kindern von Karl Erdmann und Hedwig, geb. Roggensack.
Erdmann war geschieden und Vater von zwei Töchtern.
Nach seiner frühen Kindheit in Heilsberg verbrachte er seine Schulzeit in Rostock, wo er die Grundschule von 1944 bis 1952 besuchte. Seine weitere Ausbildung erhielt er von 1952 bis 1956 an der Großen Stadtschule in Rostock, an der er sein Abitur erwarb.
Ausbildung und akademische Laufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seinem Abitur 1956 begann Erdmann sein Chemiestudium an der Universität Rostock, das er fünf Jahre später im Jahr 1961 mit dem Diplom in Chemie abschloss. Bereits während seiner Zeit als Student entwickelte sich sein Interesse für die Biochemie und Physiologie photosynthetischer Organismen.
Die wissenschaftliche Karriere Erdmanns begann unmittelbar nach seinem Diplom. Von 1961 bis 1962 war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Rostock. Allerdings unterbrach der Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) von 1962 bis 1964 seine wissenschaftliche Tätigkeit. Nach seiner Rückkehr nahm er seine Assistentenstelle von 1964 bis 1977 wieder auf.
In seinen frühen Jahren konzentrierte sich Erdmann auf die Synthese von Phytohormonen, hauptsächlich auf die Aufklärung biosynthetischer Wege von Indolderivaten und deren Rolle bei der Auxin-Biosynthese. Seine Promotion erfolgte 1968 mit seiner Dissertation Chemische und physiologische Untersuchungen über Indolglycerin und seine Derivate. Diese Arbeit legte den Grundstein für seine späteren Arbeiten zur Indol-Biosynthese und verwandten biochemischen Prozessen.
Im Jahr 1978 erweiterte Erdmann sein akademisches Profil durch ein postgraduales Studium in Erwachsenenpädagogik.
Im Laufe seiner Karriere erweiterte sich sein Interessengebiet auf die Untersuchung niedermolekularer Schutzsubstanzen, insbesondere auf die Osmoregulation und Stressbewältigung in Cyanobakterien und Algen.
Die Ernennung zur Habilitation erfolgte 1984 mit der Arbeit Salzabhängige 14CO2-Fixierung und Akkumulation osmotisch aktiver Intermediate in Blaualgen. Im selben Jahr erhielt Erdmann die Lehrbefähigung mit der Facultas docendi für das Fachgebiet Biochemie. Eine administrative Anpassung erfolgte 1991, als der Grad Dr. sc. nat. in den akademischen Grad Dr. rer. nat. habil. umgewandelt wurde.
Berufliche Positionen und Verantwortung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während der Jahrzehnte seiner Assistententätigkeit von 1964 bis 1977 baute Erdmann seine Forschungsgruppe auf und etablierte sich als führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie. Ab 1978 wurde er zum Oberassistenten an der damals noch Wilhelm-Pieck-Universität Rostock ernannt, eine Position, die er bis 1989 innehatte.
Von 1989 bis 1992 fungierte Erdmann als außerordentlicher Dozent an der Wilhelm-Pieck-Universität beziehungsweise der 1991 umbenannten Universität Rostock. Seine Expertise führte am 1. Oktober 1992 zu seiner Ernennung zum C3-Professor im Fachbereich Biologie für das Fach Zellphysiologie. Diese Position behielt er bis zu seiner Pensionierung am 31. März 2002.
Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit übernahm Erdmann administrative Aufgaben. Von 1992 bis 1996 war er Sprecher des Fachbereichs Biologie. Während der Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik war er mehrfach als Vertrauensmann des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) tätig und engagierte sich somit auch in der betrieblichen Sozialpolitik.
Ein besonders verdienstvoll zu nennendes Projekt seiner Amtszeit war die Planung und Projektkoordinierung für die neuen Biologiegebäude auf dem Südstadt-Campus, die seit 2001 genutzt werden konnten.
Forschungstätigkeit und internationales Engagement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdmanns Forschungsfokus gliederte sich in zwei Hauptbereiche, die sich in seinen Publikationen widerspiegelten. Erstens beschäftigte er sich intensiv mit der Biosynthese von Indolderivaten, insbesondere der Synthese und physiologischen Funktion von Indol-3-glycerin und Indol-3-glycerinsäure sowie deren Rolle in der Auxin-Biosynthese. Zweitens widmete er sich der Untersuchung osmotischer Prozesse in photosynthetischen Mikroorganismen, namentlich der salzabhängigen Regulation und der Synthese osmotisch aktiver Verbindungen in Algen und Cyanobakterien.
Sein internationales Engagement manifestierte sich in einem wichtigen Auslandsaufenthalt. Von Januar bis Juni 1974 und erneut von Mai bis Juli 1977 arbeitete Erdmann als Spezialist in der Demokratischen Republik Vietnam. Dort war er mit dem Aufbau einer Agarproduktion befasst und trug somit zum Technologietransfer und Kapazitätsaufbau in einem Entwicklungsland bei. Diese Tätigkeiten würdigten die vietnamesischen Behörden 1977 durch die Verleihung der Medaille der Freundschaft, eine internationale Auszeichnung für seine Verdienste.
Wissenschaftliche Publikationen und Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdmanns wissenschaftliche Publikationen zeigen ein breites Spektrum biochemischer und physiologischer Forschung. 1969 veröffentlichte er seine Arbeit zur Synthese von Indol-3-glycerin und Indol-3-glycerinsäure" in der Zeitschrift für Chemie. Gemeinsam mit Ulrich Schiewer (1936–2007)[1] publizierte er 1971 eine grundlegende Arbeit zum Thema Tryptophan-dependent indoleacetic acid biosynthesis from indole demonstrated by double-labelling experiments" im Journal Planta, die mittels Doppelmarkierungsexperimenten die biosynthetischen Wege aufklärte.
Im Jahr 1983 erschien seine Übersichtsarbeit zu Organic osmoregulatory solutes in blue-green algae" in der Zeitschrift für Pflanzenphysiologie, die einen Überblick über organische Osmolyten in Cyanobakterien gab. Besonders produktiv war die Zusammenarbeit mit Martin Hagemann (* 1960)[2]. 1994 publizierten Erdmann und Hagemann ihre Arbeit zur Activation and pathway of glucosylglycerol synthesis in the cyanobacterium Synechocystis sp. PCC 6803 in Microbiology. Im Jahr 2001 veröffentlichte Erdmann gemeinsam mit Hagemann einen umfassenden Buchbeitrag zum Thema Salt acclimation of algae and cyanobacteria: A comparison, der eine Synthese jahrzehntelanger Forschung darstellte.
Wissenschaftliche Netzwerke und Mitgliedschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erdmann war aktives Mitglied in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Von 1967 bis 1987 gehörte er der Biologischen Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik an, der führenden biologischen Fachgesellschaft der DDR. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands trat er 1990 dem Deutschen Hochschulverband bei, einer Vereinigung zur Vertretung der Interessen von Hochschullehrern und Forschern.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Chemische und physiologische Untersuchungen über Indolglycerin und seine Derivate. 1968.
- Synthese von Indol-3-glycerin und Indol-3-glycerinsäure. In: Zeitschrift für Chemie, 1969.
- Norbert Erdmann; Ulrich Schiewer: Tryptophan-dependent indoleacetic acid biosynthesis from indole demonstrated by double-labelling experiments. In: Journal Planta.
- Organic osmoregulatory solutes in blue-green algae. In: Zeitschrift für Pflanzenphysiologie, 1983.
- Salzabhängige 14CO2-Fixierung und Akkumulation osmotisch aktiver Intermediate in Blaualgen. 1984.
- Norbert Erdmann; Martin Hagemann: Activation and pathway of glucosylglycerol synthesis in the cyanobacterium Synechocystis sp. PCC 6803. In: Microbiology. 1994.
- Norbert Erdmann; Martin Hagemann: Salt acclimation of algae and cyanobacteria: A comparison. In: Algal Adaptation to Environmental Stresses. 2001. S. 323–361.
Patente
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Norbert Erdmann und Ulrich Schiewer: 1978. Regelung für Turbidostate. Wirtschaftspatent Nr. 130049 (WP C 12 k/197402). 2.
- Norbert Erdmann und Ulrich Schiewer: 1983. Verfahren zur Herstellung von Saccharose und Polyolen (C3, C6 und C9). Wirtschaftspatent Nr. 222 330 (WP C12 P/256 771 2).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- In Memoriam Prof. Dr. sc. nat. Norbert Erdmann (1937–2010). In: Profile. Das Magazin der Universität Rostock, Nr. 3. 2010. S. 27 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur über Norbert Erdmann in der Landesbibliographie MV
- Eintrag im Katalog und Anhang/Dokumente zu Norbert Erdmann im Catalogus Professorum Rostochiensium.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Schiewer, Ulrich. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. 2006, abgerufen am 29. März 2026.
- ↑ Hagemann, Martin. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. 2007, abgerufen am 29. März 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Erdmann, Norbert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Biochemiker und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 10. März 1937 |
| GEBURTSORT | Heilsberg |
| STERBEDATUM | 5. April 2010 |