İznik (in der Antike und in byzantinischer Zeit altgriechischΝίκαιαNikaia; lateinischNicaea; deutsch Nicäa, Nikäa oder Nizäa) ist eine Stadt im gleichnamigen Landkreis der türkischenProvinz Bursa und gleichzeitig ein Stadtbezirk der 1986 geschaffenen Bursa Büyükşehir Belediyesi (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Sie liegt am İznik-See (türkischİznik Gölü, griechisch Askania Limne), einige Dutzend Kilometer südöstlich von Istanbul.
Die Stadt liegt in Bithynien im westlichen Kleinasien, am Ostufer des İznik-See (griechischΑσκανία λίμνηAskania limne; türkisch İznik Gölü) in einer fruchtbaren Ebene.
İznik soll in der Frühzeit den Namen Elikore oder Ankore getragen haben. Antigonos I. Monophthalmos legte dort eine Stadt Antigoneia an. Nach der Schlacht bei Ipsos, gründete Lysimachos wohl um 301 v. Chr. die Stadt neu und benannte sie nach seiner ersten Frau Nikaia.
Kaiser Augustus erlaubte 29 v.Chr. die Einrichtung eines Heiligtums für Divus Iulius und Roma,[3] damit wurde Nikaia zentraler Ort des Kaiserkults in der Provinz. Nach einem Erdbeben wurde Nikaia unter Hadrian 123 wiederaufgebaut, die Stadtmauer erneuert; die Stadt erhielt den Titel Metropolis sowie die Neokorie. Ihr Ehrentitel seit der Zeit des Claudius war „erste Stadt von Bithynia“. 193 stand die Stadt auf der Seite des Gegenkaisers Pescennius Niger, der Ende 193 oder Anfang 194 in ihrer Nähe entscheidend geschlagen wurde; die Stadt wurde daher von Septimius Severus bestraft und verlor ihre Ehrungen, erhielt diese jedoch bald zurück. 258 wurde sie bei einem Einfall der Goten beschädigt, die Stadtmauern wurden unter Claudius Gothicus 269 erneuert.
Die Stadt prägte seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zu Macrianus († 261) Münzen.
Nikaia war die Hauptstadt des 680 erstmals urkundlich erwähnten Themas Opsikion.
Die Stadt wurde 1077 von den Rum-Seldschuken erobert, welche hier ihre erste Hauptstadt einrichteten. Allerdings fiel die Stadt im Jahr 1097 nach einer Belagerung durch die Kreuzritter im Ersten Kreuzzug an das Byzantinische Reich zurück, das die türkische Besatzung zur Kapitulation bewegen konnte, um auf diese Weise eine Plünderung durch die Kreuzfahrer zu vermeiden. Die Kreuzfahrer empfanden dieses Verhalten als Verrat.
1204, nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzugs, wurde Nikaia von den aus Konstantinopel vertriebenen Byzantinern unter Kaiser Theodor I. Laskaris als provisorische Hauptstadt genutzt. Nikaia wurde der Hauptsitz des exilierten orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel. Das Reich von Nikaia setzte die byzantinische Tradition bis zur Rückeroberung Konstantinopels 1261 fort.
1331 fiel die Stadt unter Sultan Orhan I. nach längerer Belagerung an das Osmanische Reich und erhielt danach ihren heutigen Namen (osmanischازنيق, İznîq). Der türkische Name leitet sich von altgriechischεἰς Νίκαιαeis Níkaia, „nach Nikaia“, ab.[4]
Teller in Unterglasurmalerei im saz-Stil um 1550. Heute im Musée du Louvre, Paris
Unter den Osmanen entwickelte sich İznik, neben Kütahya, zu einem überragenden Zentrum der Keramikproduktion (İznik-Keramik). Die Produktion endete jedoch um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hatte die Stadt ca. 10.000 Einwohner. Kurz danach begann ihr Niedergang. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie nur noch 1500 Einwohner.
Während des Griechisch-Türkischen Krieges wurde die Stadt im September 1920 von den Griechen eingenommen; am Ende des Krieges wurde die Stadt von Türken erobert. Im Zuge des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei mussten alle Griechen die Stadt verlassen, Türken aus Griechenland und Thrakien wurden hier angesiedelt. 1960 hatte die Stadt 6290 Einwohner.
Die gut erhaltene antike Stadtmauer mit ihren Toren, einige Kirchen sowie das römische Theater sind noch zu besichtigen. Es gibt ein großes Archäologisches Museum.
Das älteste byzantinische Bauwerk ist die Kirche der Hagia Sophia aus dem 5./6. Jahrhundert. Hier wurde 787 das Zweites Konzil von Nicäa (Siebte ökumenische Konzil) abgehalten. Orhan I. ließ sie nach 1331 zur Moschee umbauen. Die Moschee war längere Zeit eine Ruine, bis sie nach Gründung der modernen Türkei in ein Museum umgewandelt wurde. Auf Initiative des stellvertretenden türkischen Premierministers – und Mitglieds der Regierungspartei AKP – Bülent Arınç wird die Hagia Sophia seit November 2011 wieder als Moschee genutzt, obwohl die örtliche Stadtverwaltung dagegen protestierte.[5]
Şahin Kılıç, Kutlu Akalın (Hrsg.): UNESCO Dünya mirası olma yolunda İznik/Nicaea. Uluslararası sempozyum bildiri kitabı, 2–4 Ekim 2015 = İznik/Nicaea on its way to become Unesco World heritage. Internatonal symposium proceedings, 2–4 October 2015. Bursa Kültür AŞ, Bursa 2020, ISBN 978-605-9968-97-3.
Louis Robert: La Titulature de Nicée et de Nicomédie: La Gloire et la haine. In: Harvard Studies in Classical Philology 81, 1977, S. 1–39.
Reinhold Merkelbach: Nikaia in der römischen Kaiserzeit (= Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaften. Vorträge, G 289). Opladen 1987, ISBN 3-531-07289-7.
Semavi Eyice: Iznik. Tarihçesi ve eski eserleri – The history and the monuments of İznik-Nicaea. Istanbul 1988 (türkisch-englisch).
Clive Foss: Nicaea, a byzantine capital and its praises. With the speeches of Theodore Laskaris in praise of the great city of Nicaea and Theodore Metochites Nicene Oration. Brookline, Ma. 1996, ISBN 0-917653-48-3.
Şahin Kılıç, Kutlu Akalın (Hrsg.): UNESCO Dünya mirası olma yolunda İznik/Nicaea: uluslararası sempozyum bildiri kitabı, 2–4 Ekim 2015 = İznik/Nicaea on its way to become Unesco World heritage: internatonal symposium proceedings, 2–4 October 2015. Bursa Kültür AŞ, Bursa 2020, ISBN 978-605-9968-97-3.
Alfons Maria Schneider, Walter Karnapp: Die Stadtmauer von İznik (Nicaea) (= Istanbuler Forschungen 9). Berlin 1938.
Clive Foss, David Winfield: Byzantine fortifications. An introduction. Pretoria 1986, ISBN 0-86981-321-8, S. 79–120.
Ayse Dalyanci-Berns: Die Stadtbefestigung von Nikaia (Iznik) Bautechnische Beobachtungen zur Rekonstruktion des Bauablaufs. In: Werkspuren, Materialverarbeitung und handwerkliches Wissen im antiken Bauwesen. Schnell + Steiner, Regensburg 2017, S. 417–426 (Digitalisat).
Ayse Dalyanci-Berns: An exceptional city wall? Re-thinking the fortifications of Nicaea in an empire-wide context. In: City Walls in Late Antiquity. An Empire-wide Perspective. Oxbow, Oxford 2020, ISBN 978-1-78925-364-1, S. 77–85 (Digitalisat).
↑Reinhold Merkelbach: Nikaia in der römischen Kaiserzeit (= Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaften. Vorträge G 289). Opladen 1987, ISBN 3-531-07289-7, S. 7.
↑Godfrey Goodwin:A History of Ottoman Architecture. Thames and Hudson, London 1971, ISBN 0-500-27429-0, S.17.
↑Mustafa Şahin:Neue Forschungen und Ausgrabungen in der Basilika des İznik Sees. In: Asia Minor Studien. Band96. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 2020, S.93–106 (researchgate.net[PDF]).; Mustafa Şahin:Underwater Excavation at the Basilica Church in İznik Lake-2019. In: International Journal of Environment and Geoinformatics. Band9, Nr.2, 2022, S.71–80 (researchgate.net).; Mark R. Fairchild: The underwater basilica of Nicaea. Archaeology in the birthplace of Christian theology. IVP Academic, Downers Grove 2024, ISBN 978-1-5140-1067-9.