Nickelskutterudit (auch Arsennickel), bis 2008 auch Nickel-Skutterudit geschrieben,[5] ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung (Ni,Co,Fe)As3[1] und damit chemisch gesehen ein Nickelarsenid. Da Nickelskutterudit allerdings nah mit Skutterudit (CoAs3) verwandt ist und mit diesem eine lückenlose Mischkristall-Reihe bildet, kommt er in der Natur fast immer mit einem gewissen Anteil an Cobalt in der Verbindung vor. Auch Eisen ist aufgrund seines ähnlichen Ionenradius in der Lage, Nickel bzw. Cobalt in der Formel zu ersetzen. Daher wird die Formel für Nickelskutterudit allgemein auch mit (Ni,Co)As2–3[7] oder (Ni,Co,Fe)As3-x[6] angegeben.
Nickelskutterudit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt nur selten idiomorphe Kristalle mit kubischem Habitus oder kubischen Kombinationen. Meist findet er sich in Form von stängeligen, nierigen oder körnigen bis massigen Mineral-Aggregaten. Auch netzartige, skelettförmige Aggregate mit verdrehten (gestrickten) und deformierten Kristallen sind bekannt.[7][8] Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak).
Die Farbe von frischem Nickelskutterudit variiert zwischen Zinnweiß und einem hellen Silber- oder Stahlgrau. Sichtbare Kristallflächen weisen einen metallischen Glanz auf. Nach einiger Zeit läuft das Mineral allerdings grau bis schwärzlich oder auch buntfarbig an. Oftmals sind Nickelskutterudit-Funde auch mit grünem Annabergit (Nickelblüte) oder rotem Erythrin (Kobaltblüte) bedeckt.
Nickelskutterudit auf Quarz aus dem Landkreis Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen (Größe:5cm×4cm×2cm)
Erstmals entdeckt wurde Nickelskutterudit im Grubenrevier Schneeberg im sächsischen Erzgebirge und beschrieben 1845 durch August Breithaupt, der das Mineral allerdings als Nickel-Biarseniet, Weißnickelkies bzw. Chloanthit bezeichnete.[4] Diese Bezeichnungen wurden allerdings 1892 durch E. Waller und Alfred Joseph Moses (1859–1920) verworfen, die bei ihren Analysen einerseits die nahe Verwandtschaft zum Skutterudit und andererseits einen überwiegenden Anteil an Nickel in der Zusammensetzung feststellten. Sie wählten daher die Bezeichnung Nickelskutterudit, die auch von nachfolgenden Forschern übernommen wurde.[9]
1921 beschrieb O. Hackl ein Mineral, das nahe Radstadt in Salzburg gefunden wurde und gab ihm zu Ehren des österreichischen Paläontologen und Finder des Minerals Karl Diener (1862–1928) den Namen Dienerit. Da allerdings nur einziger Kristall gefunden wurde und das Typ-Material zudem verloren ging,[3] konnte die chemische Analyse nicht überprüft werden. Dienerit wurde daher 2006 von der International Mineralogical Association (IMA) als fragwürdiges Mineral diskreditiert und als möglicherweise mit Nickelskutterudit identisch eingestuft.[10] Nachdem 2019 eine genauere Analyse anhand eines Neotyps des Minerals vorlag, wurde dem bei der IMA eingereichten Antrag auf „Revalidierung von Dienerit“ (IMA 19-E) entsprochen und dessen Neudefinition anerkannt.[11] Dienerit seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 2019s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Nickelskutterudit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit M: S < 1: 1“, wo er zusammen mit Skutterudit sowie den inzwischen als Varietäten von Nickelskutterudit diskreditierten Chathamit und Chloanthit die „Skutterudit-Reihe“ mit der Systemnummer II/C.12 bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/D.29-020. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall:S,Se,Te<1:1“, wo Nickelskutterudit zusammen mit Ferroskutterudit, Gaotaiit, Iridisit (diskreditiert), Kieftit und Skutterudit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.29 bildet.[13]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[14]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nickelskutterudit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M:S≤1:2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis bzw. den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:S=1:>2“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ferroskutterudit, Kieftit und Skutterudit die „Skutteruditgruppe“ mit der Systemnummer 2.EC.05 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nickelskutterudit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Skutterudit, Kieftit und Ferroskutterudit in der „Skutteruditreihe“ mit der Systemnummer 02.12.17 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ zu finden.
Chloanthit aus der Region Cobalt-Gowganda, Timiskaming District, Ontario, Kanada (Größe:5,4cm×4,1cm)
Chloanthit ist die Bezeichnung für die arsenarme Varietät des Nickelskutterudit, wird allerdings nach wie vor gelegentlich als Synonym für den Nickelskutterudit selbst verwendet.
Chathamit gilt als eisenhaltige Untervarietät des Chloanthit.[15]
Als eher seltene Mineralbildung kann Nickelskutterudit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher gelten bisher rund 200 Fundorte (Stand 2024).[16] Neben seiner Typlokalität Schneeberg trat das Mineral in Deutschland noch an vielen weiteren Orten im sächsischen Erzgebirge sowie an mehreren Orten im Schwarzwald in Baden-Württemberg; bei Wölsendorf in Bayern; an mehreren Orten im Odenwald und Richelsdorf, der Grube Hilfe Gottes und der Lochborner Kupfergrube bei Bieber in Hessen; an vielen Orten im Harz von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt; bei Iserlohn, Ramsbeck und der Grube Ostwig in Nordrhein-Westfalen; an mehreren Fundstätten bei Imsbach, am Landsberg bei Obermoschel, Rockenhausen, Schutzbach und Bürdenbach in Rheinland-Pfalz und in Thüringen bei Bad Lobenstein, Ronneburg und Kamsdorf auf.
Weitere Fundorte liegen in Argentinien, Australien, Frankreich, Iran, Italien, Japan, Kanada, Marokko, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten (USA).[17]
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.49.
Walter Schumann:Der große BLV Steine- und Mineralienführer. 7. Auflage. BLV Buchverlag, München 2007, ISBN 978-3-8354-0212-6, S.114 (Chloanthit, Weißnickelkies).
Nickelskutterudite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy;abgerufen am 5.Dezember 2022(englisch).
Nickelskutterudite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 5.Dezember 2022(englisch).
12
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123J. F. A. Breithaupt:Ueber das nickel-biarseniet. In: J. C. Poggendorff (Hrsg.): Annalen der Physik und Chemie. Band64. Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1845, S.184–185 (rruff.info[PDF; 176kB; abgerufen am 5.Dezember 2022]).
12Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, März 2008, S.133 (cnmnc.units.it[PDF; 2,8MB; abgerufen am 17.April 2024]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.109 (englisch).
123456
Nickelskutterudite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 204kB; abgerufen am 5.Dezember 2022]).
↑E. Waller, A. J. Moses:A probably new nickel arsenide (preliminary notice). In: The School of Mines Quarterly. Band14, 1893, S.49–51 (englisch, rruff.info[PDF; 179kB; abgerufen am 5.Dezember 2022]).
↑Ernst A. J. Burke:A mass discreditation of GQN Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band44, 2006, S.1557–1560, doi:10.2113/gscanmin.44.6.1557 (englisch, rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 12.Februar 2025]).
↑Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 52. New minerals and nomenclature modifications approved in 2019. In: Mineralogical Magazine. Band83, 2019, S.893 (englisch, rruff.info[PDF; 178kB; abgerufen am 12.Februar 2025]).
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.