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Museumsgesellschaft Ulm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Museumsgesellschaft Ulm
Gründung 20. Dezember 1789
Sitz Ulm
Zweck Pflege von Musik, Kunst, Wissenschaft und Geselligkeit
Vorsitz Klaus Rinkel
Mitglieder ca. 320
Website Museumsgesellschaft Ulm
Obere Stube, Sitz der Museumsgesellschaft Ulm (2007)

Die Museumsgesellschaft Ulm ist ein kultureller Verein in Ulm. Sie wurde als Lesegesellschaft im Jahr 1789 gegründet.

Die Gründungsmitglieder der als „Ulmische Lesegesellschaft“ am 20. Dezember 1789 aus der Taufe gehobenen Gesellschaft waren zugleich führende Mitglieder der kurz vorher initiierten Freimaurerloge Asträa zu den drei Ulmen. 1790 hatte die Lesegesellschaft, deren ursprüngliches Signet die Minerva mit der Eule darstellte, bereits etwa 100 Mitglieder, die teils dem Patriziat, teils dem Bürgertum angehörten. Die Aufnahme neuer Mitglieder aus der gebildeten und besitzenden Schicht erfolgte mit Zweidrittelmehrheit. Im ersten Paragraphen der 1790 gedruckten Statuten heißt es: „Die Bequemlichkeit, aus einem grösseren Vorrath an Zeitschriften das Interessanteste auswählen zu können, verbunden mit den Vortheilen eines anständigen und geistvollen Umgangs, ist Zwek dieses Instituts“[1]. Prägend war das Humanitätsideal der Aufklärung. Aufliegende gelehrte und politische Zeitschriften lieferten Gesprächs- bzw. Diskussionsstoff. Versammlungsort war zunächst das Gasthaus zur Krone.

War die Gesellschaft zunächst als Bindeglied zwischen Patriziat und Bürgertum konzipiert, verloren erstere mit dem Verlust der Reichsunmittelbarkeit Ulms und Eingliederung 1802 zunächst in das Kurfürstentum Bayern, 1810 in das Königreich Württemberg, zunehmend an Bedeutung. Die Obere Stube, ein Gebäude mit charakteristischem Doppelgiebel unweit des Ulmer Rathauses und über Jahrhunderte Versammlungsort der Patrizier, beherbergte seit 1815 die Ulmer Lesegesellschaft.[2]

Wie viele andere Lesegesellschaften wandelte sich die Gesellschaft, die 1838 184 Mitglieder zählte, nach 1800 allmählich in einen der Geselligkeit dienenden Verein um. Etwa seit 1817 fanden auch Tanzveranstaltungen statt, zunächst noch ausdrücklich außerhalb des Gesellschaftszwecks. 1841 erfolgte eine Fusion mit der Musik und Tanz pflegenden „Casino-Gesellschaft zum Goldenen Hirsch“ und die Umbenennung in „Museumsgesellschaft“ (als Ort der Musen), in der sich weiterhin ausgeprägtes Bildungsstreben mit kultivierter Geselligkeit verband. Auch Damen konnten nun als Ehrenmitglieder aufgenommen werden. 1846 erwarb die Museumsgesellschaft die Obere Stube.

1897 bis 1909 war der Kaufmann Carl Schwenk Vorstand der Museumsgesellschaft. Hatte die Gesellschaft bis 1914 das öffentliche gesellschaftliche Leben Ulms wesentlich geprägt, verlagerte sie sich nach 1919 mehr in den privaten Bereich. Eine nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Zuge der Gleichschaltung drohende Auflösung der Gesellschaft konnte abgewendet werden.

Beim schweren Luftangriff am 17. Dezember 1944 auf Ulm wurde die Obere Stube an der Langen Straße völlig zerstört, mit ihr verbrannte der größte Teil der wertvollen Gesellschaftsbibliothek. Nach Neugründung der Museumsgesellschaft 1949 wurde die Obere Stube in den Folgejahren am gleichen Standort (nunmehr Neue Straße) als nüchterner Funktionsbau wiederaufgebaut. Nach einem Architekturwettbewerb erfolgte in den 2000er Jahren ein grundlegender Umbau der Oberen Stube, der die ursprüngliche Gebäudegestalt mit einem dem Rathaus zugewandten Doppelgiebel in modernisierter Form mit Lamellenfassade wieder aufnahm.

Seit 1969 erscheinen jährliche Gesellschaftsmitteilungen unter dem Titel „echo“. Die Museumsgesellschaft pflegt weiterhin gesellschaftliche Aktivitäten, veranstaltet Konzerte und vergibt Förderpreise an junge Wissenschaftler.

Einzelnachweise

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  1. Michael Wettengel: Von der Lesegesellschaft zur Museumsgesellschaft. echo 2014, Museumsgesellschaft Ulm e. V., S. 7
  2. Foto Obere Stube vor der Zerstörung 1944
  • Wolf-Dieter Hepach: Die Eule der Minerva im Flug durch zwei Jahrhunderte: zum Jubiläum einer Bürgergesellschaft. Museumsgesellschaft Ulm e. V. (Hrsg.),1989.
  • Wolf-Dieter Hepach: Ulm im Königreich Württemberg 1810–1848. Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 16. W. Kohlhammer, Stuttgart, 1979, ISBN 3-17-002757-3, S. 127–130.

Koordinaten: 48° 23′ 51,4″ N,  59′ 36″ O