Die ehemalige Straße 20, Abt. IV des seinerzeitigen Berliner Bebauungsplans vom Nollendorfplatz bis zur damaligen Lutherstraße (dieser Teil wurde erst am 1.März 1963 in Martin-Luther-Straße umbenannt) wurde 1889 und der westlich des Viktoria-Luise-Platzes liegende Straßenabschnitt, die damalige Königshofer Straße in Wilmersdorf, im Jahr 1901 in die Motzstraße einbezogen. Damit gilt der Name für Wilmersdorf erst seit dem 21.Oktober 1901. Ein Abschnitt der Straße gehörte bis 1938 auch zum damaligen Bezirk Charlottenburg.
Im Jahr 1910 wurde unter der Motzstraße die heutige LinieU4 der Berliner U-Bahn angelegt.
Das Wohnhaus Motzstraße 22 steht unter Denkmalschutz,[1] es wurde zusammen mit dem Haus Motzstraße 14 nach Plänen des Architekten Gustav Gebhardt zwischen 1897 und 1899 im Jugendstil errichtet. Zu den repräsentativen Gebäuden am Viktoria-Luise-Platz gehört auch das Wohn- und Geschäftshaus Motzstraße 55, das 1901–1902 von der Bauunternehmung Boswau &Knauer GmbH errichtet wurde und ebenfalls ein Baudenkmal ist. Auch die Wohnhäuser Motzstraße 58 und 61, beide im Jahr 1901 fertiggestellt, stehen auf der Berliner Denkmalliste.[2][3]
Weitere Gebäude wurden nach dem Schinkelwettbewerb von 1980 umgestaltet.[4] Auf dem Grundstück Motzstraße 8 am Nollendorfplatz ist eine Gartenarchitektur mit Statue erwähnenswert, die 1891 nach Entwurf des Architekten Franz Piater entstand und als Kulturdenkmal gilt.[5] Ein weiteres bemerkenswertes Baudenkmal ist das Metropol-Theater am Nollendorfplatz mit den angrenzenden Bauensembles Motzstraße 1–3 und Nollendorfstraße 11/12. Das Theater – ursprünglich Neues Schauspielhaus genannt – ist das einzige historische und heute noch immer dominierende Gebäude an der Südseite des Nollendorfplatzes. Der monumentale Bau mit giebelbekrönter Hauptfassade und kräftigen Seitentürmen gehört zu den erhaltenen Resten eines 1906 errichteten Baukomplexes, der sich mit Theater und Konzertsaal, Konzertgarten sowie Restaurant- und Büroflügel zwischen Motzstraße und Nollendorfstraße erstreckte. Nach Entwurf des aus der Schweiz stammenden Architekten Albert Froelich in Zusammenarbeit mit der Bauunternehmung Boswau &Knauer war die Anlage im Auftrag der Theater- und Saalbau AG ausgeführt worden. In der wechselvollen Nutzungsgeschichte des Gebäudes als populäres kommerzielles Theater der Kaiserzeit, als eines der ersten Lichtspielhäuser um 1910, als politisches Theater Erwin Piscators in den 1920er Jahren und als Diskothek Metropol ab 1978, wurde nach Jahren des Leerstands 2005 mit einem spektakulären Umbau zum Clubgebäude ein neues Kapitel eröffnet.
Während die Motzstraße westlich der Martin-Luther-Straße eher den Charakter einer reinen Wohnstraße hat, ist sie zwischen der Martin-Luther-Straße und dem Nollendorfplatz bekannt für eine Häufung schwuler Kneipen, Bars und Restaurants, deren Vorgängerinnen hier schon vor dem Ersten Weltkrieg und in den 1920er Jahren existierten, als Christopher Isherwood in dieser Gegend wohnte. Unterbrochen von der Zeit des Nationalsozialismus wurde daran nach dem Zweiten Weltkrieg wieder angeknüpft. Seit Beginn des 21.Jahrhunderts findet hier und in den Nebenstraßen alljährlich im Juni das Motzstraßenfest– ein lesbisch-schwules Straßenfest– statt.