Mogánit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, allerdings wurden mit bloßem Auge sichtbare nadelige bis haarförmige Kristalle von Mogánit bislang nur aus Achaten eines Vorkommens in der Mongolei beschrieben.[9] Ansonsten bildet Mogánit faserige Aggregate submikroskopischer leistenförmiger Kriställchen.
In älteren Publikationen ist der Mineralname meist in der Schreibweise Moganit (ohne Akut) zu finden, was allerdings nicht den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA entspricht[12], nach der beispielsweise Minerale, die nach einem geographischen Fundort benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens derjenigen an der Typlokalität entspricht. Die bei vielen Mineralen uneinheitliche Schreibweise ihrer Namen wurde mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“[13] bereinigt und der Mogánit wird seitdem international in der Schreibweise mit dem zugehörigen Akut geführt.[14][1]
Das Typmaterial des Minerals wird in der Sammlung des Instituts für Mineralogie, Geologie und Geophysik an der Ruhr-Universität Bochum unter der Inventarnummer 01009 (179) (HT) aufbewahrt.[15] Der IMA-Typmaterial-Katalog führt diesen Aufbewahrungsort allerdings nicht auf.[16]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[14]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mogánit ebenfalls in die Abteilung der „[Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis] Metall:Sauerstoff=1:2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Art der Verknüpfung des Oxidkomplexes. Eine Ausnahme bilden die Minerale der Kieselsäurefamilie mit kleinen Kationen, die eine eigenständige Unterabteilung bilden und zu der auch der Mogánit gehört, der hier als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.DA.20 bildet.
Im Gegensatz zur Strunz’schen Systematik ordnet die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana den Mogánit in die Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate“ ein. Hier ist er zusammen mit Coesit in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 75.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: tetraedrisches Si-Gitter, SiO2 mit [4]-koordiniertem Si“ zu finden.
Die Struktur von Mogánit ist eng verwandt mit derjenigen von Quarz. Silicium ist so von 4 Sauerstoffatomen umgeben, dass die Sauerstoffanionen auf den Ecken eines Tetraeders liegen, in dessen Zentrum sich das Si4+-Kation befindet. Diese SiO4-Tetraeder sind über gemeinsame Sauerstoffe (Tetraederecken) miteinander zu einer Gerüststruktur verbunden.
Die Mogánitstruktur kann aus der Quarzstruktur als periodische Verzwillingung nach dem Brasilianer Gesetz auf Elementarzellebene abgeleitet werden. Die Mogánitstruktur baut sich demnach aus einer periodisch alternierenden Folge von Rechts- und Linksquarz auf, die nur eine Elementarzelle dick und entlang der (101)-Fläche miteinander verwachsen sind.[17]
Mogánit ist eine Modifikation von SiO2. Es ist bei allen Drucken und Temperaturen metastabil und wandelt sich in geologischen Zeiträumen in α-Quarz um.[17]
Bei ca. 570 K wandelt sich der monokline α-Mogánit in den orthorhombischen β-Mogánit um.[17]
Als Lutecin oder auch Lutecit wird eine faserige Varietät des Mogánits bezeichnet, der eng verwachsen mit Chalcedon bzw. Quarz auftritt.[3]
Weißer Mogánit auf braunem Chalcedon, pseudomorph nach Turritella (Gattung mariner Schnecken)
Mogánit findet sich eingewachsen in den meisten mikrokristallinen Kieselgesteinen (Chert bis über 75%, Feuerstein 13–17%, Hornstein usw.) und mikrokristallinen Quarzvarietäten (Achat, Chalcedon 5–20%), die jünger als 100 Millionen Jahre sind.[18] Mogánit scheidet sich bei niedrigen Temperaturen aus basischen Lösungen ab. Konzentrationen von über 20 Gewichtsprozent Mogánit in Kieselsäurekonkretionen deuten auf eine Bildung in evaporitischem Milieu.[17]
Beinahe alle Chalcedone enthalten Mogánit, aber nur in wenigen Vorkommen übersteigt der Anteil 20%. Die Mineralproben aus der Lagerstätte in der Schlucht von Barranco del Medio Almud bei Mogán, welche die namensgebende Lokalität dieses Minerals ist, weisen mit 85% bislang den weltweit höchsten Mogánit-Anteil auf.[19]
Als seltene Mineralbildung konnte Mogánit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher nur rund 50 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[20] Außer an seiner Typlokalität bei Mogán auf Gran Canaria fand sich das Mineral in Spanien noch an einer Fundstelle im Iberischen Becken.
In Deutschland trat das Mineral bisher nur am Pionierweg bei Durbach in Baden-Württemberg, bei Bockenrod (Reichelsheim) in Hessen, am Mühlenberg in der saarländischen Gemeinde Freisen, in der Grube Maximilian bei Niederludwigsdorf (Görlitz) in Sachsen und in der Grube Arme Hilfe bei Ullersreuth in Thüringen auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Csaterberg in der Gemeinde Kohfidisch im Burgenland. In der Schweiz ist mit La Dôle bei Saint-Cergue westnordwestlich von Nyon im Kanton Waadt bisher ebenfalls nur ein Fundort bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, auf King George Island in der Antarktis, in Westaustralien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, auf Grand Manan Island in Kanada, Luxemburg, Myanmar, den Niederlanden, in Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine, in Ungarn, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Colorado, Kalifornien, New Jersey, Pennsylvania).[21]
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12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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↑David Barthelmy:Moganite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 14.April 2023(englisch).
123Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Richard H. Langley, James E. Shigley, Janet A. Zilczer:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band70, 1985, S.871–881;hier:874, Mogánite (minsocam.org[PDF; 1,2MB; abgerufen am 16.September 2025]).
12Mogánite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.September 2025(englisch).
12John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke, Edward S. Grew, Jacek Puziewicz:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band78, 1993, S.677–678 (minsocam.org[PDF; 829kB; abgerufen am 14.April 2023] Moganite, S. 677–678).
12John Leslie Jambor, Edward S. Grew:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band78, 1993, S.236 (minsocam.org[PDF; 734kB; abgerufen am 14.April 2023] Lutecite, S. 236).
↑O. W. Flörke, J. B. Jones, H.-U. Schmincke:A new microcrystalline silica from Gran Canaria. In: Zeitschrift für Kristallographie. 143 Datum= 1976, S.156–165.
↑John Leslie Jambor, Ernst A. J. Burke:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.1435 (minsocam.org[PDF; 844kB; abgerufen am 14.April 2023] Monoclinic polymorph of SiO2, S. 1435).
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↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, März 2008, S.134 (cnmnc.units.it[PDF; 733kB; abgerufen am 16.September 2025]).
1234Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post:Evidence for an I2/a to Imab phase transition in the silica polymorph Mogánite at ~570 K. In: American Mineralogist. Band86, 2001, S.1358–1366 (rruff.info[PDF; 1,6MB; abgerufen am 14.April 2023]).
↑Peter J. Heaney, Jeffrey E. Post:The widespread distribution of a novel silica polymorph in microcrysalline quartz varieties. In: Science. Band255, Nr.5043, 1992, S.441–444, doi:10.1126/science.255.5043.441.
↑Miguel Calvo Rebollar:Cuarzo y otros minerales de la sílice. In: Minerales y Minas de España. Band8. Prames Publicaciones, Madrid 2016, ISBN 978-84-95063-95-3, S.342–344 (spanisch).
↑Mogánite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.September 2025(englisch).
↑
Fundortliste für Mogánit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 16. September 2025.