Zum Inhalt springen

Modern Metal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Modern Metal
Entstehungsphase: Ab Anfang der 2000er Jahre
Herkunftsort: Europa und USA
Stilistische Vorläufer
Alternative Metal, Nu Metal
Pioniere
Disturbed, In Flames, Trivium, Amaranthe
Genretypische Instrumente
E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Synthesizer, Vocoder
Weitere Einflüsse
Power Metal, Thrash Metal, Death Metal

Modern Metal ist eine Sammelbezeichnung für jüngere Spielarten des Alternative Metal. Etwa seit den 2010er Jahren entwickelte sich unter dem Begriff zunehmend auch ein Genre.

Geschichte und Stil

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sammelbezeichnung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wird seit dem Anfang der 2000er bemüht. Gefasst wurden mit der Bezeichnung ursprünglich Bands, die Metal mit einem stark modernisierten Sound spielen. Eine klare Stilabgrenzung war hierbei nicht gegeben.[1] Der Begriff fasste somit ursprünglich „weniger eine eindeutige Stilrichtung, sondern ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene, moderne Spielarten der harten Musik, die sich nicht eindeutig einer bestimmten Richtung zuordnen lassen.“[2] Michael Rensen vom deutschen Magazin Rock Hard beschrieb Modern Metal im Jahre 2005 als „ein weites, nur sehr vage abgestecktes Feld zeitgemäßer Hard’n’Heavy-Sounds“ und führt Interpreten wie Slipknot, Evanescence, Lacuna Coil, Nevermore und Soilwork als mögliche Vertreter an.[3]

Im Spektrum werden zahlreiche Bands zusammengefasst, die Elemente aus unterschiedlichen Musikstilen kombinieren und den Sound etablierter Metal-Subgenres oftmals um neue Facetten erweitern. So attestiert Rensen, dass Nevermore und Soilwork „ihre Thrash-, Power- und Death-Metal-Wurzeln einer Verjüngungskur unterzogen haben“.[3] Die Breite möglicher Kombinationen führt zu einer großen stilistischen Vielfalt, in der sich oft gegensätzliche Einflüsse finden, die sowohl aus Metalcore, Groove Metal und Nu Metal stammen als auch aus Genres wie Symphonic Metal oder der Neuen Deutschen Härte.[2] Bands, die moderne Elemente in ihren Sound aufnehmen werden dem Feld zugerechnet. Darunter fallen insbesondere elektronische Versatzstücke sowie solche der Popmusik.[1]

Allerdings wurden und werden auch häufig Bands unter dem Sammelbegriff Modern Metal geführt, die plausibler anderen Metal-Subgenres zugeordnet werden. Dazu zählen etwa Pantera (Groove Metal), Tool (Alternative Metal, Progressive Metal) oder Slipknot (Nu Metal, Alternative Metal). Teilweise wird der Begriff so weit gefasst, dass er sich mit anderen Begrifflichkeiten wie Alternative Metal oder auch der New Wave of American Heavy Metal stark überschneidet oder gar synonym für den heutigen „modernen“ Hard-Rock- und Metalbereich verwendet wird.[4]

Das Magazin Rock Hard etwa kategorisierte jedoch Veröffentlichungen bereits seit 2005 unter diesem Begriff, der somit zunehmend die Merkmale eines Genres aufwies und gleichberechtigt neben anderen Subgenres wie Nu Metal, Rap Metal oder Funk Metal erschien.[3] Stilistisch gelten Alternative und Nu Metal als bedeutende Vorläufer des Modern Metal. Charakteristisch sind zudem die teils aus diesen Vorläufern der 1990er-Jahre übernommenen eher steril wirkenden, stark komprimierten und druckvollen Produktionen (siehe auch Loudness War). Unter anderem Produzenten wie Colin Richardson und später Will Putney, Zakk Cervini, Drew Fulk oder Jordan Fish halfen, den Klang des Genres zu definieren.[5][6][7]

Als musikalischer Wegweiser des Genres wird das Album The Sickness der Band Disturbed aus dem Jahr 2000 von Matthias Weckmann für Metal Hammer angeführt.[8] Zwar wird das Album auch oft als Nu Metal eingestuft, doch wurde auch darauf hingewiesen, dass es sich stilistisch davon unterschied: „Der gebotene Stil, der heute wohl am ehesten als Modern Metal bezeichnet würde, war damals wirklich eine erfrischende Alternative zur langsam abebbenden und mitunter wirklich langweiligen New Metal-Welle, auch wenn wir in Disturbed aus der Not heraus als Teil davon sahen. Hier war eine Band am Werk, die mit Leichtigkeit höllische Grooves, schwermetallische Wucht und die ganz großen Melodien und Refrains zu bieten vermochte, ohne die Gitarren bis in den Keller herunterzustimmen und ins Mikro zu schluchzen.“[9] In der Folge entwickelten sich Disturbed zu wichtigen Vertretern des Modern Metal.[10] Allerdings bleiben Skordaturen wie Dropped-D-Stimmung, Dropped-C-Stimmung oder noch tiefere Stimmungen der Saiteninstrumente bis zu Dropped F auch im Modern Metal gebräuchlich, nicht selten werden sie auch als definierendes Merkmal gesehen.[11]

Ab den 2010er Jahren wurden zunehmend Bands mit ähnlichen stilistischen Gemeinsamkeiten unter dem Begriff gesammelt. Beispiele für solche Bands, die dem Modern Metal im Sinn eines Genres zugeordnet werden, sind so In Flames, deren Album Sounds of a Playground Fading aus dem Jahr 2011 einen Übergang zum Modern Metal markiert. Ebenso zählen Callejon mit ihrem Werk Wir sind Angst aus dem Jahr 2015 sowie The Agonist, die auf Eye of Providence aus dem gleichen Jahr klassischen Melodic Death Metal mit Symphonic-Metal-Elementen und Metalcore verbanden, zu dieser Kategorie. Als weitere Vertreter des Genres werden Trivium, seit In Waves sowie Five Finger Death Punch und das Debütalbum von Lindemann, das eine Mischung aus Dark Metal und Neuer Deutscher Härte darstellt.[2] Hinzukommend werden das Album The Nexus der schwedischen Band Amaranthe,[12] April Art[13] und Spiritbox als Vertreter geführt.

Ein weiteres wichtiges Album ist Sempiternal von Bring Me the Horizon (2013), das Metalcore mit elektronischen Elementen verbindet und oftmals als einflussreich erwähnt wird.[14][15][16] So wurde das selbstbetitelte Debütalbum (2016) von Bad Omens oft mit Sempiternal verglichen. Der Sänger der Band, Noah Sebastian zählte Sempiternal zusammen mit dessen Nachfolger That’s the Spirit (2015) sowie weiteren gemeinsamen Einflüssen zu seinen Inspirationsquellen.[17][18] In jüngerer Zeit wurden neben Bad Omens auch Bands wie Architects oder Dayseeker, die in ähnlicher Weise Metalcore und elektronische Einflüsse kombinieren, dem Modern Metal zugerechnet.[19][20][21] Hiervon ausgehend entwickeln Bands wie etwa Sleep Token Modern Metal mit Pop- und weiteren, teils ruhigeren, oft progressiven stilistischen Elementen weiter.[22] Auf der härteren Seite des stilistischen Spektrums reichern etwa Lorna Shore ihren Modern Metal mit Extreme-Metal- und Deathcore-Elementen an.[23]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Modern Metal News auf dem Metal Portal der Schweiz. In: Metalinside. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  2. 1 2 3 Modern Metal: Genre. In: Metal Hammer. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  3. 1 2 3 Michael Rensen: Rote Kappe & große Klappe. In: Rock Hard (Hrsg.): Best of Rock & Metal – Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten. Heel Verlag, Königswinter 2005, ISBN 3-89880-517-4, S. 5, 220–221.
  4. The Top 25 Modern Metal Guitarists: The Entire List in One Place, metalsucks.net
  5. Will Putney’s Ultimate Guide to Modern Metal Production, nailthemix.com
  6. How Colin Richardson Defined The Sound of Modern Metal, nailthemix.com
  7. Six producers who define modern metal, themusicuniverse.com
  8. Matthias Weckmann: Disturbed: "Die Typen sahen aus, als würden sie bei Skid Row spielen." In: Metal Hammer. 26. März 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.
  9. Jens Kirsch: Disturbed The Sickness. In: Ox. 5. Februar 2026, abgerufen am 5. Februar 2026.
  10. Ingo Nentwig: Disturbed Divisive. In: Stormbringer. 5. Februar 2026, abgerufen am 5. Februar 2026.
  11. EQing Modern Metal Guitars: The Ultimate Guide, nailthemix.com
  12. Rocktimes – CD Review / Amaranthe – The Nexus. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  13. April Art – Official Website. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  14. Bring Me The Horizon – Sempiternal, metal.de
  15. Bring Me The Horizon – Das meint die Redaktion zu „Sempiternal“, metal.de
  16. Plattenkrach: Bring Me The Horizon – Sempiternal, minutenmusik.de
  17. Camila Brites: Bad Omens: conheça o sucesso por trás do novo fenômeno do metalcore. In: Downstage. 28. Februar 2022, abgerufen am 23. September 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
  18. Bad Omens address constant Bring Me The Horizon comparisons from fans on new album, altpress.com
  19. Architects – The Sky, The Earth & All Between, metal.de
  20. Bad Omens live in Hamburg – präsentiert von Rock Antenne Hamburg!, rockantenne.hamburg
  21. Dayseeker – Dark Sun – Erwartungen aus dem Fenster geworfen – Album Review, rockmagazine.net
  22. Gruppentherapie: Sleep Token – “Even In Arcadia”, powermetal.de
  23. Konzertbericht: Lorna Shore w/ Rivers Of Nihil, Ingested, Distant, metal1.info