Mkrtitsch Armen
Mkrtitsch Armen (armenisch Մկրտիչ Արմեն Mkrtič̕ Armen; * 14. Dezember 1906 in Alexandropol, Russisches Kaiserreich eigentlich Mkrtitsch Grigori Harutyunyan armenisch Մկրտիչ Գրիգորի Հարությունյան, † 22. Dezember 1972 in Jerewan, Armenische Sozialistische Sowjetrepublik) war ein sowjetisch-armenischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist und Übersetzer.[1][2]

Leben und Schaffen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mkrtitsch Armen wuchs unter seinem bürgerlichen Namen Mkrtitsch Grigori Harutyunyan als Sohn einer Handwerkerfamilie in Alexandropol auf. 1923 debütierte Mkrtitsch Armen mit seinem Gedicht Անդրկովկաս (Transkaukasien) in der Zeitschrift Բանվոր (Arbeiter).[3] Von 1923 bis 1925 war er als Lehrerkraft in kommunistischen „Lesehütten“ (Изба-читальня) zur Bekämpfung des bäuerlichen Analphabetismus tätig.[1] 1925 zog er nach Jerewan und arbeitete für die Zeitschriften Գրական դիրքերում (Literarische Position) und Երիտասարդ բոլշևիկ (Jungbolschewisten).[2] In dieser Zeit gründete er in seiner (mittlerweile in Leninakan umbenannten) Heimatstadt den Schriftstellerverband der Arbeiter und Bauern Հոկտեմբեր (Oktober).[3] 1930 bis 1932 studierte er am Fachbereich Filmdrehbuch des Staatlichen All-Unions-Instituts für Kinematographie in Moskau.[4]
Seine ab 1925 veröffentlichten Erzählungen bzw. lyrischen Epen wie Շիրկանալ (Der Schiraki-Kanal) waren Bilder des zeitgenössischen Lebens in narrativer Form, in denen er den Aufbau des Landes glorifizierte.[5] Sie spiegelten den anfänglichen Enthusiasmus von jungen Armeniern und Überlebenden des Armenozids für die infrastrukturellen Projekte der frühen Sowjetunion wider.[6] 1931 erschien sein erster Roman Երևան (Jerewan), den er seit 1927 geschrieben hatte und der die radikale urbane Transformation des alten orientalisch geprägten Jerewan in eine moderne sozialistische Stadt beschreibt.[7][8] Dieses „vielschichtig[e] Porträt der armenischen Hauptstadt zwischen Erinnerung und Umbruch“[9] wurde 1933 von der sowjetischen Zensur verboten, da es angeblich den „lokalen Nationalismus“ fördere.[2][10] Dennoch wurde Mkrtitsch Armen 1934 in den Schriftstellerverband der UdSSR aufgenommen.[3] Während des stalinistischen Großen Terrors wurde er 1937 als „Volksfeind“ deklariert und nach Sibirien deportiert. Dort blieb er bis zu seiner Rehabilitierung im Jahr 1945 in Lagerhaft.[1]
Aus der Verbannung nach Jerewan zurückgekehrt[2] verfasste er zahlreiche Romane, Novellen, Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke, in denen er die soziale Realität Armeniens lebendig und frei vom „Pathos der sowjetischen Übermenschen“ beschrieb.[11][1] 1964 veröffentlichte er den Sammelband Պատվիրեցին հանձնել Ձեզ (Man trug mir auf, davon zu berichten) mit seinen autobiographisch geprägten Texten über das Leben im sibirischen Gulag.[11] Zudem übersetzte er russischsprachige Autoren wie Alexander Fadejew, Wladimir Majakowski, Michail Alexandrowitsch Scholochow und Anton Tschechow ins Armenische.[2] Im Jahr 1971 erschien der Film Հեղնար աղբյուր (Der Brunnen der Heghnar), zu dem er das Drehbuch nach seiner eigenen Romanvorlage geschrieben hatte.[12][13]
1972 starb Mkrtitsch Armen im Alter von 66 Jahren in Jerewan.[1]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Orden des Roten Banners der Arbeit (1956)
- Verdienter Kulturschaffender der Armenischen SSR (1967)[3]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Շիրկանալ (Erzählband, Jerewan: 1926, dt. Der Schiraki-Kanal)
- Քաղաքը բլուրի վրա (Novelle, Jerewan: 1930, dt. Die Stadt auf dem Hügel)
- Երևան. (էպոպեա). (Roman, Jerewan: 1931, dt. Jerewan. Epos)
- Jerewan. Aus dem Armenischen und mit einem Nachwort von Susanna Yeghoyan. Berlin: Guggolz Verlag, 2026, ISBN 978-3-945370-53-7.
- Գագաթների Երգը (Erzählband, Jerewan: 1933 dt. Das Lied der Gipfel)
- Առաջին պատկոմներ (Jerewan: 1935, dt. Die ersten Volkskommissare)
- Հեղնար Աղբիւր (Novelle, Jerewan: 1935, dt. Der Brunnen der Heghnar)
- Սկաուտ թիվ 89 (Jugendbuch, Jerewan: 1937, Pfadfinder Nr. 89)
- Գույնզգույն թագավորություն (Jerewan: 1959, dt. Das bunte Königreich)
- Ոսկե հնձան (Novellen, Jerewan: 1959, dt. Die goldene Weinpresse)
- Պատվիրեցին հանձնել Ձեզ (Erinnerungen, Jerewan: 1964 und 2006, dt. Man trug mir auf, davon zu berichten)
- Ժիրայր Գլենց (Jerewan: 1967, dt. Jirair Glenc/Jerry Klenz)
Filme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Melkiset Melkonian, Mkrtich’ Armen : Kyank’n u steghtsagortsut’yuny. Jerewan: Sovetakan Grogh, 1981.
- Gagik M. Khachatryan, Մկրտիչ Արմենի 1920-1930-ական թվականների ստեղծագործությունը / The creative work of M. Armen in the years of 1920-1930 (PDF 8,71 MB), Manuk Abeghian-Institut für Literatur der Armenischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, 2011 (armenische Dissertationsschrift mit russischem und englischem Resüme).
- Thomas Charles Toghramadjian und Albert Makaryan, Yerevan architectural controversies in the early Soviet Armenian novel: Mkrtich Armen and Derenik Demirchyan, Urbis et Orbis 2 (5), 2025, ISSN 2738-2729.
- David Leupold, “"Not Who But What: What Is She?" Disembodied Quests for Utopia and Retrotopia from Mkrtich Armen’s Yerevan (1931) to Thomas Pynchon’s V. (1963)”, Orbit: A Journal of American Literature 12 (1), 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Mkrtitsch Armen, auf: guggolz-verlag.de (2026), abgerufen am: 20. März 2026.
- 1 2 3 4 5 David Leupold, "Not Who But What: What Is She?" Disembodied Quests for Utopia and Retrotopia from Mkrtich Armen’s Yerevan (1931) to Thomas Pynchon’s V. (1963), auf: orbit.openlibhums.org (2025), abgerufen am: 20. März 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 Mkrtich Armen 1906 - 1972, auf: poem.yatuk.am, abgerufen am: 20. März 2026 (armenisch).
- ↑ Мкртич Армен / биография, auf: kino-teatr.ru (13. Juni 2020), abgerufen am: 20. März 2026 (russisch).
- ↑ Gagik M. Khachatryan, Մկրտիչ Արմենի 1920-1930-ական թվականների ստեղծագործությունը / The creative work of M. Armen in the years of 1920-1930, Jerewan: Armenische Nationale Akademie der Wissenschaften, 2011 (S. 26).
- ↑ Eddie Arnavoudian, Worth a read..., auf: groong.org (30. Oktober 2016), abgerufen am: 20. März 2026 (englisch).
- ↑ Writing Against Stalin's Western City: Mkrtich Armen's Yerevan (1931) and the Specter of the "New East" (Nor Arevelk'), auf: international.ucla.edu (2024), abgerufen am: 20. März 2026 (englisch).
- ↑ Tilman Spreckelsen, Was geht verloren, wenn man eine Welt aus dem Boden stampft?, auf: faz.net (12. März 2026), abgerufen am: 20. März 2026.
- ↑ Ein wiederentdeckter Klassiker aus Armenien übersetzt von Susanna Yeghoyan: »Jerewan« von Mkrtitsch Armen, auf: translators.at (2026), abgerufen am: 20. März 2026.
- ↑ Thomas Charles Toghramadjian und Albert Makaryan, Yerevan architectural controversies in the early Soviet Armenian novel: Mkrtich Armen and Derenik Demirchyan, auf: urbisetorbis.rau.am (16. Dezember 2025), abgerufen am: 20. März 2026 (englisch).
- 1 2 Tigran Arutyunyan, Мкртич Армен и его живые рассказы, auf: armmuseum.ru (2. September 2016), abgerufen am: 20. März 2026 (russisch).
- ↑ Heimat in der Fremde - Transnationales armenisches Kino, auf: filmkollektiv-frankfurt.de (2024), abgerufen am: 20. März 2026.
- ↑ Օրվա ֆիլմը. «Հեղնար աղբյուր», auf: kinoversus.com (12. Juli 2017), abgerufen am: 20. März 2026 (armenisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Armen, Mkrtitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Harutyunyan, Mkrtitsch Grigori; Mkrtich Armen; Մկրտիչ Արմեն |
| KURZBESCHREIBUNG | sowjetisch-armenischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist und Übersetzer |
| GEBURTSDATUM | 14. Dezember 1906 |
| GEBURTSORT | Alexandropol, Russisches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 22. Dezember 1972 |
| STERBEORT | Jerewan, Armenische Sozialistische Sowjetrepublik |