Michaelskirche (Heidenheim an der Brenz)

Die evangelische Michaelskirche steht in Heidenheim an der Brenz, einer Stadt im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Sie ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Kulturdenkmal eingetragen. Bis 1898 war die Kirche als Vorgängerin der Pauluskirche die evangelische Stadtpfarrkirche von Heidenheim. Sie gehört zum Kirchenbezirk Heidenheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche steht stadtbildprägend in Hanglage an der Nordwestecke der mittelalterlichen Stadtbefestigung und geht auf eine romanische Nikolauskapelle (aus der Zeit bald nach 1150[1] oder um 1210–1220[2]) zurück. Die um 1490–92 erbaute Saalkirche bestand zunächst aus einem Langhaus, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten und einem Fassadenturm auf quadratischem Grundriss im Westen, der in die Stadtmauer integriert ist. Im oberen Bereich des Turms sind die Uhr und darüber hinter den als Biforien gestalteten Klangarkaden der Glockenstuhl untergebracht. Der Turm wurde 1668 mit einem achteckigen Geschoss aufgestockt und trägt eine Glockenhaube mit farbig glasierten[2] Dachziegeln.
1621 wurde an der Nordseite des Langhauses ein Anbau nach einem Entwurf von Heinrich Schickhardt errichtet. 1767 und 1777 folgten nochmals Erweiterungen des Langhauses nach Nordwesten beziehungsweise des Chors, um Raum für den Einbau von Emporen und einer neuen Orgel zu gewinnen.[1] Heute weist das Langhaus einen annähernd quadratischen Grundriss auf. Der nördliche Anbau ist im Innenraum durch eine Reihe von vier schlanken Holzsäulen toskanischer Ordnung[1] erkennbar.
Die Sonnenuhr außen über dem Eingang stammt vom abgebrochenen Oberen Stadttor.[2]
Ausstattung
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Wesentliche Teile der Ausstattung wurden im 20. Jahrhundert neu geschaffen. Zu den Resten der alten Ausstattung zählt ein Ölgemälde der Anbetung der Heiligen Drei Könige an der nördlichen Seitenwand des Chors (Stand: 2021), das einer Nürnberger Werkstatt um 1620[1] oder der Werkstatt des Anthonis van Dyck[2] zugeschrieben wird.
Die Emporen tragen an den Brüstungen einen langen Zyklus von 27 Holztafelbildern mit biblischen Motiven. Acht weitere zugehörige Tafeln gelangten ins Museum Schloss Hellenstein.[2] Diese 35 frühbarocken Bilder wurden 1629[1] von dem Heidenheimer Maler und Bürgermeister Gottfried Enßlin d. Ä. (1600–1682) gemalt, später übertüncht und bei der Kirchenrenovierung 1965–1967 wiederentdeckt.[2]
Orgel
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Die Orgel steht nach protestantischer Tradition im Chorscheitel und damit im Blickpunkt der Kirchenbesucher. Sie wurde 1969 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link nach Plänen von Helmut Bornefeld an seiner jahrzehntelangen Wirkungsstätte erbaut. Das denkmalgeschützte Mittelteil des Prospekts von Georg Friedrich Schmahl aus dem Jahr 1726 wurde aus Plieningen übernommen. Das heutige Instrument verfügt über 37 Register auf drei Manualen und Pedal. Eine Überholung erfolgte 2006 durch Dirk Banzhaf.[3]
Zukunft
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Um weiterhin Nutzung und Finanzierung zu ermöglichen, ist eine Umnutzung zur Jugendkirche geplant. Unter dem Titel „Auf geht's Michael“ fanden verschiedenartige, auch profane Nutzungen statt.[4] Eines der angedachten Zukunftskonzepte war ein Kulturzentrum.[5] Seit Ende 2025 wird die Kirche zu einer Jugendkirche umgestaltet. Mehrere Sofas wurden in Sitzgruppen aufgestellt und unter der Empore eine Bar eingebaut. Außerdem gibt es einen abgetrennten Gamingbereich. Gebaut wird vieles von den Jugendlichen selbst.[6] Geplant sind auf der Empore eine Kletterwand zum Bouldern und vor der Orgel eine Skater-Halfpipe.[7] Nach dem Konzept von Stefan Hörz[7] stehen die empfindlichen Prospektpfeifen des Rückpositivs der Orgel nur wenige Meter von der Halfpipe entfernt. Die Kirche soll durch die Umgestaltung ein Ort für junge Menschen werden, an dem sie gerne Zeit verbringen und den christlichen Glauben kennenlernen können.[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dagmar Zimdars u. a. (Bearbeiter): Baden-Württemberg I. Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe (= Georg Dehio [Begründer], Dehio-Vereinigung [Hrsg.]: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1993, ISBN 3-422-03024-7, S. 333 (dehio.org).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website der Kirchengemeinde
- Auf geht’s Michael ( vom 11. Januar 2025 im Internet Archive) (Veranstaltungen/Zukunftskonzeptsuche)
- Website der MiKi Jugendkirche[9]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Dagmar Zimdars u. a. (Bearbeiter): Baden-Württemberg I. Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe (= Georg Dehio [Begründer], Dehio-Vereinigung [Hrsg.]: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1993, ISBN 3-422-03024-7, S. 333 (dehio.org).
- 1 2 3 4 5 6 Michaelskirche und Pfarrhaus. In: tourismus-heidenheim.de. Stadt-Information Heidenheim.
- ↑ Information zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 16. Februar 2024.
- ↑ Veranstaltungsreihe in der Michaelskirche: Wie fällt das Fazit aus? In: hz-online.de, abgerufen am 5. April 2024.
- ↑ Kann die Heidenheimer Michaelskirche zum Kulturzentrum werden? In: hz-online.de, abgerufen am 5. April 2024.
- ↑ Tanja Kasischke: Schaffe, schaffe, Kirchle umbaue - BASECAMP. In: BASECAMP – Das Basislager für Kirchenereneuerung. 19. Mai 2026, abgerufen am 21. August 2026.
- 1 2 Karin Fuchs: Halfpipe und Boulderwand. In: Heidenheimer Zeitung vom 13. Januar 2026. Abgerufen am 23. Januar 2026.
- ↑ Jugendkirche statt leerer Gottessaal - erf.de. 15. Mai 2026, abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Evangelisches Jugendwerk Heidenheim: MiKi Heidenheim - Kirche neu erleben. Abgerufen am 21. August 2026.
Koordinaten: 48° 40′ 39,6″ N, 10° 9′ 4,4″ O