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Michael Schemann

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Michael Schemann

Michael Schemann (* 12. Januar 1956 in Köln) ist ein deutscher Physiologe. Er war von 2002 bis 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Humanbiologie an der Technischen Universität München (TUM) und ist seitdem Professor Emeritus. Schemann gilt als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Neurogastroenterologie. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Funktion des enterischen Nervensystems sowie der Pathophysiologie gastrointestinaler Erkrankungen.

Schemann wurde in Köln-Lindenthal geboren. Er wuchs zunächst im linksrheinischen Stadtteil Köln-Niehl auf, bevor die Familie nach Köln-Junkersdorf zog. In seiner Jugend war er aktiver Tennisspieler beim Tennis- und Hockeyverein Rot-Weiß-Köln. Nach seinem Abitur am Gymnasium Kreuzgasse absolvierte er seinen Wehrdienst als Sanitäter und schloss diesen als Reserveoffizier ab.

Michael Schemann ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt mit seiner Familie in Kranzberg, nördlich von München. Außerhalb seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er leidenschaftlicher Fan des 1. FC Köln und spielt Klavier[1].

Wissenschaftlicher Werdegang

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Michael Schemann studierte Agrarbiologie an der Universität Hohenheim. Im Jahr 1985 promovierte er dort am Institut für Zoophysiologie bei Professor Hansjörg Ehrlein mit einer Arbeit über die Bedeutung von Motilitätsmustern für den gastrointestinalen Transit zum Dr. rer. nat.

Auf Empfehlung seines Doktorvaters blieb Schemann in der Wissenschaft.[2] Mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ging er 1985 als Postdoktorand an die Ohio State University in Columbus, USA, wo er bei Jackie D. Wood bis 1989 forschte.

Hier lernte er die Bedeutung des enterischen Nervensystems für gastrointestinale Funktionen mittels elektrophysiologischer Methoden kennen. Weitere Forschungsaufenthalte führten ihn an die Columbia University in New York, wo er bei Michael Gershon arbeitete, mit Gary Mawe an der University of Vermont und mit Simon Brookes und Marcello Costa an der Flinders University in Adelaide, Australien.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland habilitierte er an der Universität Hohenheim. Mit einem Heisenberg-Stipendium der DFG wechselte er als Privatdozent an das Max-Planck-Institut für physiologische und klinische Forschung in Bad Nauheim (1990–1992).

1992 erhielt Schemann seine erste Professur für Vegetative Physiologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die er bis 2002 innehatte[3]. Im Jahr 2002 wurde er auf den Lehrstuhl für Humanbiologie an der Technischen Universität München, Standort Weihenstephan, berufen. Diesen Lehrstuhl hatte er bis zu seiner Emeritierung 2022[4] inne.

Michael Schemanns wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der nervalen Regulation gastrointestinaler Funktionen, insbesondere des enterischen Nervensystems (ENS), das auch als „Darmhirn" oder „zweites Gehirn" bezeichnet wird[5].

Pionierleistungen

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  • Schemann war einer der Ersten, der den Kommunikationscode im enterischen Nervensystem entschlüsselte und damit grundlegende Mechanismen der Signalübertragung im Darm aufklärte.
  • Er etablierte als Erster ein umfangreiches Methodenspektrum zur Untersuchung von humanen Darmproben, was bis heute ein Alleinstellungsmerkmal seines Labors darstellt[6].
  • Mit Hilfe bildgebender Verfahren zeichnete er als Erster Aktivität im humanen Darmhirn auf und ebnete damit den Weg für die translationale Neurogastroenterologie.
  • Er erbrachte den ersten neurophysiologischen Nachweis, dass das Reizdarmsyndrom organische Ursachen hat und keine psychosomatische Einbildung ist.
  • In einer abschließenden Publikation seiner aktiven Laufbahn zeigte er, dass der Darm ein Gedächtnis besitzt und lernfähig[7] ist – ein Paradigmenwechsel in der Gastroenterologie.

Forschungsgebiete

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  • Enterisches Nervensystem und Neurogastroenterologie
  • Mastzell-Nerv-Interaktionen
  • Reizdarmsyndrom (IBS)
  • Muskel- und Schleimhautaktivität im Humandarm
  • Neue Zielstrukturen für die Behandlung von Darmerkrankungen

Forschungskooperationen

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Gemeinsam mit Paul Enck initiierte Schemann frühzeitig die regelmäßig stattfindenden Treffen des Netzwerks Little Brain Big Brain (LBBB). Diese informellen Zusammenkünfte richten sich an Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Neurogastroenterologie und dienen dem fachlichen Austausch sowie der wissenschaftlichen Diskussion.

Über viele Jahre pflegte Schemann mehrere Forschungskooperationen mit David Grundy an der University of Sheffield (Vereinigtes Königreich).

Seine gesamte akademische Laufbahn hindurch bestand zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem Mediziner Thomas Frieling. Diese Kooperation mündete in zahlreichen gemeinsamen Publikationen und war wegweisend für den wissenschaftlichen Austausch zwischen klinischer Praxis und Grundlagenforschung im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

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  • Janssen Research Award der International Society of Neurogastroenterology and Motility[8]
  • Martin-Wienbeck-Preis (2012), verliehen von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, für Forschungen zur „Proteasen-vermittelten Nervensensibilisierung bei Reizdarm"[9]
  • Oskar Medizin-Preis, gemeinsam mit Sigrid Elsenbruch[10]
  • Ismar-Boas-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)[11]
  • seit 2006 Mitglied der Accademia delle Scienze dell'Istituto di Bologna

Publikationen (Auswahl)

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  • Mitautor der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011)
  • Thomas Frieling, Michael Schemann, Paul Enck (Hrsg.): 'Neurogastroenterologie.' 2. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2021, ISBN 978-3-11-061099-4.
  • Paul Enck, Thomas Frieling, Michael Schemann und Petra Thorbrietz: Darm an Hirn! Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben. 1. Auflage. Verlag Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-03193-9.[12]
  • Paul Enck, Gunther Mai, Michael Schemann: Die Familie Lüderitz. Geschichte und Geschichten aus drei Jahrhunderten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hayit 2024, ISBN 978-3-87322-296-0.[13]
  • 331 Publikationen auf ResearchGate (Stand: 2024)
  • Über 15.600 Zitierungen, h-Index: 68, i10-Index: 199 (Google Scholar)

Einzelnachweise

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  1. Florian Eßer: Professor Michael Schemann: Darm-Forscher und Football-Fan aus Köln. In: Koeln-Magazin.de. Hayit Medien, 2022, abgerufen am 1. Juni 2026.
  2. Professor Michael Schemann: Mein Weg zum Darmforscher. In: Youtube. 11. März 2022, abgerufen am 1. Juni 2026.
  3. Wolfgang Engelhardt: Die Physiologie der TiHo seit der Gründung 1778. (PDF) In: TiHo-Hannover.de. Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), S. 61, abgerufen am 1. Juni 2026.
  4. Interview Prof. em. Schemann. In: Youtube. TUM School of Life Sciences, 11. März 2022, abgerufen am 1. Juni 2026.
  5. Unser Darmhin: schlauer als man denkt. Grundlagen-Infos mit Professor Michael Schemann. In: Youtube. Hayit Medien, 5. April 2022, abgerufen am 1. Juni 2026.
  6. Pressemitteilung TUM: 7,5 Millionen US-Dollar für Erforschung des Dickdarms. In: TUM.de. Technische Universität München, 2. November 2017, abgerufen am 1. Juni 2026.
  7. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6834869/
  8. Sonja von Brethorst: Deutscher Wissenschaftler erhält internationalen Förderpreis für Erforschung des "Gehirns im Darm". In: idv - Informationsdienst Wissenschaft. Informationsdienst Wissenschaft e. V., 19. November 2001, abgerufen am 1. Juni 2026.
  9. Bilder-Navigation Martin-Wienbeck-Preis 2012. In: Lebensblicke.de. Stiftung LebensBlicke, 8. Januar 2013, abgerufen am 1. Juni 2026.
  10. Verleihung des Oskar-Medizinpreis 2012. In: Stiftung-OHH.de. Stiftung Oskar-Helene-Heim, 2012, abgerufen am 1. Juni 2026.
  11. Ismar Boas-Medaile. In: Thieme-Connect.de. Thieme Verlag, 2022, abgerufen am 1. Juni 2026.
  12. Darm an Hirn! : Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 1. Juni 2026.
  13. Die Familie Lüderitz – Geschichte und Geschichten aus drei Jahrhunderten. In: Hayit.de. Abgerufen am 1. Juni 2026.