Merle Hilbk
Merle Hilbk (* 1969 in Düsseldorf) ist eine deutsche Autorin und Schriftstellerin.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Merle Hilbk wuchs in Münster auf. Bei der Schülerzeitung „Schillerglocke“ entdeckte sie ihr Interesse für das Schreiben, mit 15 Jahren wurde sie freie Mitarbeiterin der Münsterschen Zeitung. Im Januar 1990 begann sie ein Praktikum im Verlag Die Wirtschaft in Ost-Berlin. Hilbk studierte Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg. Während des Studiums absolvierte sie Praktika, u. a. bei der Abendzeitung und der Wochenpost. Nach dem Examen volontierte sie bei der Badischen Zeitung und wurde jüngste Redakteurin im Politikressort des Spiegel. Kurz darauf wechselte sie zur Zeit[1], die ihr im Ressort Dossier die Möglichkeit bot, lange Geschichten zu erzählen. Die persönliche Frage von Marion Gräfin Dönhoff, ob sie sich für den Osten interessiere, veränderte ihren Fokus. Hilbk schrieb Reportagen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, darunter „Dossiers“ über die Rückkehr der Seuchen in Kasachstan oder die deutschen Rechtsexporte in die Mongolei.[2] Ein Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung brachte sie 2003 nach Sibirien, wo sie einen der ersten Blogs für den „Spiegel“ schrieb und ihr erstes Buch recherchierte – „Sibirski Punk“[3]. Mit „Chaussee der Enthusiasten“ folgte zwei Jahre später ein zweites, sie begab sich in die Alltagswelten von jüdischen Zuwanderern und Russlanddeutschen. Dafür wurde sie auf Schloss Solitude mit dem russlanddeutschen Kulturpreis ausgezeichnet. Über ein Stipendium der Marion Dönhoff-Stiftung gelangte sie nach Belarus, sie schrieb „Tschernobyl Baby“[4], eine literarische Reportage über die Sperrzone und die Nachwirkungen auf die belarussische und ukrainische Gesellschaft. Im Jahre 2000 verbrachte sie ein paar Monate in Peking als Stipendiatin von „IJP“ und schrieb für die englischsprachige China Daily.
Auf ihren Reisen schrieb sie für GEO, DIE ZEIT und die Neue Zürcher Zeitung. Eine NZZ-Reportage über ein Viertel von Pripjat-Umsiedlern in Kiew wurde mit dem N-ost Recherchepreis ausgezeichnet.
Bei einem Studienaufenthalt in Phoenix/Arizona erwarb sie eine Qualifikation in „Cross-Cultural Communication“, beim ZiF in Crisis Management. Sie wurde als Wahlbeobachterin und Kurzzeit-Expertin nach Aserbaidschan entsandt. Hilbk wirkte als Dozentin an der Hamburg Media School, der Universität Münster und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, sie schrieb Reden für den Bundesrichter Wolfgang Nešković und andere.
2014 brachte eine Writers Residency sie in das Schwarzwalddorf Eisenbach, wo sie fünf Jahre verbrachte und ihr erster Roman entstand. „Das schönste Dorf am schönsten Fluss der Erde“[5], eine fiktionale Erzählung der vergessenen Geschichte ihrer Familie. Mit dem Buch tourte sie auf Einladung des Goethe-Institutes von Moskau bis Saratow. In Deutschland blieb das Buch unveröffentlicht.
Durch Werner Filz entdeckte sie eine ganz andere Form des Erzählens: Das künstlerische Radiofeature. Nach ihrem ersten Stück, „Warum man auf Russisch leichter über Gefühle reden kann“, folgten rund 20 Features für die ARD und den DLF, darunter die Langzeit-Beobachtung „Gummersbach - Glaube, Hoffnung, Liebe“ – die Geschichte einer rheinischen Stadt im Strukturwandel.[6]
Merle Hilbk schrieb dokumentarisches Theater. Ein Auftrag des polnischen Verlages Wydawnictwo Czarne wurde zu ihrem ersten Doku-Theaterstück, „Maria sieht uns“, ein Stück über ein Grenzdorf an der Oder, das sie zusammen mit dem Theaterwissenschaftler Thomas Avenhaus in Warschau aufführte.[7] In Deutschland stieß Joanna Augur dazu, die Sängerin der Band Poems for Laila. Ihr Stück „Das ist es, was mit mir geschieht“ erzählt die Geschichte der Identitätssuche von russlanddeutschen Familien zwischen Kasachstan und Deutschland.[8] Mit ihm tourte Hilbk jahrelang durch Russland und Deutschland. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine entstand eine neue Fassung, die 2024 im Theater Fürth uraufgeführt wurde.
Seit 2020 lebt sie in Brandenburg.
Bibliographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2006: Sibirski Punk – Eine Reise in das Herz des wilden Ostens (Kiepenheuer)
- 2008: Die Chaussee der Enthusiasten (Aufbau)
- 2011: Tschernobyl Baby – Wie wir lernten, das Atom zu lieben (Eichborn)
- 2015: Mur. 12 kawałków o Berlinie, (Literarische Reportage, Beitrag) (Wydawnictwo Czarne)
- 2015: Nebelkinder – Kriegsenkel treten aus dem Traumaschatten der Geschichte (Literarische Reportage, Beitrag), (Europa Verlag)
Features (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2016: Das ist es, was mit mir geschieht (SWR)
- 2016: Lob der Genügsamkeit – Regie: Iris Drögekamp (SWR)
- 2016: Das ist es, was mit mir geschieht – Eine russische Gefühlssprachlehre – Regie: Maria Ohmer (SWR)
- 2019: Goldene Hochzeit. Eine Ehe in Deutschland – Regie: Felicitas Ott (SWR)
- 2019: Silicon Cities – Der Umbau der Städte durch die Digitalindustrie – Regie: Jörg Schlüter (WDR)
- 2022: Bautagebuch (Vierteilige Serie – Regie: Friederike Wigger (WDR)
- 2024: Liebeserklärung an das Feature – Die Hörbibliothek des Herrn R. – Regie: Andrea Leclerque (SWR)
- 2025: Sprachwanderungen – Heimatsuche in einer Brandenburger Kleinstadt – Regie Johanna Tirnthal (DLF)[9]
- 2025: Gummersbach – Glaube, Hoffnung, Liebe (Vierteilige Serie – Regie: Michael Wehrhan, WDR)[10]
- 2025: Beton und Menschen – Das Chemnitzer Heckertgebiet – Regie: Carina Pesch (MDR)
- Ohne nähere Angaben: Sinkendes Staatsvertrauen – Wie Richter volksnäher werden können
Reportagen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2016: Neues Leben in der Sperrzone. Flüchtlinge in der Tschernobyl-Zone. (NZZ)
- 2020: Eine Seuche kehrt zurück. Tuberkulose in Zentralasien. (Zeit)
- 2026: Keine lebensverlängernden Maßnahmen. Der Tod meiner Mutter (Stern)
Dokumentartheater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2017/2025: Das ist es, was mit mir geschieht. Deutsch-russisches dokumentarisches Theaterstück mit Musik (Uraufführung 2017 in Moskau)
- 2017: Maria sieht uns. Szenische Lesung mit Musik (Uraufführung 2017, Deutsche Parlamentarische Gesellschaft und Goethe-Institut)
Artikel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Merle Hilbk: Liebeserklärung an die Hauptstadt: Big in Berlin. In: spiegel.de. 3. Oktober 2009.
- Merle Hilbk: Die Versöhnung. In: spiegel.de. 5. Mai 2013.
- Merle Hilbk: Meines Vaters Land. In: nemcy.dekoder.org. 2. Oktober 2020.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Merle Hilbk. In: zeit.de. Abgerufen am 12. Oktober 2026.
- ↑ https://www.zeit.de/2000/45/Eine_Seuche_kehrt_zurueck
- ↑ Reinhard Mohr: Reisebuch "Sibirski Punk": Discofox und Baikalgras. In: spiegel.de. 18. April 2006, abgerufen am 12. Oktober 2026.
- ↑ Unterwegs im verstrahlten Land. In: deutschlandfunkkultur.de. 29. Juni 2011, abgerufen am 12. Oktober 2026.
- ↑ Юлия Ларина: Про дедов и прадедов. In: ru.mdz-moskau.eu. 8. April 2015, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. Januar 2026; abgerufen am 12. Oktober 2026 (russisch).
- ↑ https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/tiefenblick/tiefenblick-gummersbach-100.html
- ↑ https://halbewelt.de/2022/07/21/die-kriegskinder-von-halbe/
- ↑ https://www.bpb.de/themen/inklusion-teilhabe/247087/workshop-5-das-ist-es-was-mit-mir-geschieht-wie-es-sich-anfuehlt-russlanddeutsch-zu-sein/
- ↑ Merle Hilbk: Heimatsuche in einer Brandenburger Kleinstadt: Sprachwanderungen. In: hoerspielundfeature.de. 15. September 2026, abgerufen am 12. Oktober 2026.
- ↑ Merle Hilbk: Gummersbach – Glaube, Hoffnung, Liebe. In: wdr.de. 18. Mai 2024, abgerufen am 12. Oktober 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hilbk, Merle |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Autorin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 1969 |
| GEBURTSORT | Düsseldorf |