Merianbad


Das Merianbad war ein städtisches Badehaus, ein sogenanntes „Volksbrausebad“, im Frankfurter Stadtteil Nordend. In dem achteckigen Gebäude auf dem Merianplatz an der Berger Straße befindet sich heute ein Café.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorbild für das Gebäude war ein Modell des auf Hygiene spezialisierten Mediziners Oskar Lassar aus Berlin. 1886 präsentierte dieser dort ein ähnliches Gebäude in Form eines Oktogons. 1888 schenkte der Frankfurter Bankier Theodor Stern ein solches Duschhaus für die damals schnell wachsenden Wohnviertel rund um die Frankfurter Wallanlagen. Damals war es nicht üblich, in der eigenen Wohnung Duschen einzubauen. Das 1887[2] errichtete und 1888 eröffnete[3] Merianbad war das erste seiner Art in Frankfurt und zugleich das erste öffentliche Bad, das die Stadt selbst betrieb.[4] Später folgten weitere Volksbrausebäder 1903 in Bockenheim, 1904 in Sachsenhausen sowie in Bornheim.[3]
Das Gebäude bot neben einem Kassenbereich Platz für 14 Duschzellen, vier für Frauen und zehn für Männer. In der Gebäudemitte stand eingelassen der Heizkessel zur Warmwasserbereitung. Darüber befanden sich Trockenräume und in der Laterne über dem Zeltdach der Raum für ein Warmwasser-Reservoir.
Die Baukosten betrugen 18.600 Mark, der Eintritt 10 Pfennig pro Brausebad.[5] In den Anfangsjahren besuchten täglich zwischen 150 und 200 Personen das Volksbad, im Jahr 1895 insgesamt 45.756 Personen.[3]
Zwischenzeitlich war das Bad bereits zum Abbruch vorgesehen. Stattdessen ließ die städtische Badedirektion es kurz vor 1927 durch das Hochbauamt umbauen und erheblich erweitern. Aus Rücksicht auf den Stifter blieben dabei der achteckige Grundriss und das historische Erscheinungsbild erhalten. Die Zahl der Duschzellen stieg von 14 auf 30. Zudem erhielt das Bad getrennte Warteräume, einen Windfang, einen neuen Kassenraum sowie größere Kessel- und Koksräume. Heizung und Warmwasserbereitung wurden nun über zwei Niederdruckdampfkessel versorgt.[4]
Selbst 1981 wurden noch 61.000 Besucher gezählt. Da in den meisten Haushalten vermehrt eigene Duschen vorhanden waren, sank die Zahl der Besucher stetig. Im Jahr 2000 waren es nur noch etwa 480, also rund vierzig im Monat. Zu dieser Zeit war das Merianbad die letzte verbliebene Einrichtung dieser Art in Frankfurt.[3]
Nach der Schließung des Bades Anfang der 2000er Jahre wurde der unter Denkmalschutz stehende Bau zum Café umgenutzt, das 2005[6] (nach anderer Angabe 2006[3]) eröffnete. Auflage des Liegenschaftsamtes der Stadt war es, auch weiterhin öffentliche Duschen zur Verfügung zu stellen.[6] Die Nutzung der Duschen und der öffentlichen Toiletten ist im Pachtvertrag festgeschrieben.[7]
Die sieben Duschzellen liegen im hinteren, der Berger Straße abgewandten Gebäudeteil. Den Schlüssel gibt das Personal des Cafés gegen eine Gebühr von 2,50 Euro aus, Inhaber des Frankfurt-Passes zahlen nichts.[3][7] Die Duschen werden allerdings kaum genutzt. 2019 kamen nach Angaben des Pächters im Schnitt zwei Personen pro Woche.[6][7] Im selben Jahr erwog eine Arbeitsgruppe des Ortsbeirats 3, fünf Duschen abzubauen und die Räume dem Café als Lager zu überlassen. Der Caritasverband Frankfurt und die benachbarte Gemeinde der Christuskirche setzten sich dagegen für eine stärkere Nutzung durch Obdachlose und Zuwanderer ein. Der Ortsbeirat wollte daraufhin den Bedarf prüfen und dabei auch die Einrichtung eines Stadtteilbüros im Gebäude untersuchen lassen.[7]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Volksbrausebäder in Großstädten. In: Illustrirte Zeitung. Band 94, Nr. 2428. Verlag der Expedition der Illustrirten Zeitung, Leipzig und Berlin 11. Januar 1890, S. 47.
- ↑ Adam Seide: Vom Stadtbad Merianplatz, dem Spenglermeister Meder, der Bautätigkeit und Industrialisierung in Bornheim und von der Ente Klara. In: Carla Schutt, Heinz Schutt: Das Bornheim Buch. Gesellschaft in Bornheim. Frankfurt am Main 1988, S. 46–53.
- 1 2 3 4 5 6 Jörg Harraschain, Holger Ehling: Nordend. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-942921-07-7, S. 28–30.
- 1 2 M. Nowotny: Ein zeitgemäßes Großstadt-Volksbrausebad in Frankfurt a. Main. In: Gesundheits-Ingenieur. Band 50, Nr. 1. R. Oldenbourg, München und Berlin 1927, S. 6 f.
- ↑ Volker Rödel: Ingenieurbaukunst in Frankfurt am Main 1806–1914. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-7973-0410-2, S. 296 f.
- 1 2 3 Jürgen Walburg: Als das Volk noch auswärts duschte. In: Frankfurter Neue Presse vom 14. November 2011
- 1 2 3 4 Boris Schlepper: Pläne für das Merianbad. In: Frankfurter Rundschau. 18. Januar 2019, abgerufen am 19. Oktober 2026.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Oktogonales Badehaus (Merianbad). In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Website des Café-Betreibers mit Gebäudehistorie
Koordinaten: 50° 7′ 14″ N, 8° 41′ 44″ O