Zum Inhalt springen

Mechthild Seithe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Mechthild Seithe (* 1948 in Hildesheim) ist eine deutsche Psychologin, Sozialarbeiterin, Fachbuch- und Belletristikautorin und ehemalige Professorin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Jena; sie lebt in Oranienburg bei Berlin.[1] Bekannt wurde sie als Kritikerin der Ökonomisierung und Neoliberalisierung der sozialen Arbeit, insbesondere durch Schwarzbuch Soziale Arbeit sowie durch Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute: schwarz auf weiß (2025).[2][3][4]

Seithe wurde 1948 in Hildesheim geboren.[1] Nach einem Psychologiestudium promovierte sie 1972 und war zunächst in einer Erziehungsberatungsstelle in Krefeld tätig.[1] Seithe beendete ihr Studium mit dem Diplom in Psychologie und dem Diplom in Sozialarbeit.[5] Zugleich studierte sie als Externe Sozialarbeit in Frankfurt am Main.[1] Von 1979 bis 1993 leitete sie die ambulante Erziehungshilfe im Jugendamt Wiesbaden.[1] Nach 18 Jahren Praxis in der Kinder- und Jugendhilfe wurde sie 1993 als Professorin an die Fachhochschule Jena berufen, wo sie mit den Schwerpunkten Beratung, Hilfen zur Erziehung, Zweite Moderne tätig war.[5][1] Sie lehrte an der Fachhochschule Jena bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2011.[1][6][7] Seithe lebt in Oranienburg bei Berlin.[1]

Mit ihrem Schwarzbuch Soziale Arbeit etablierte sich Seithe als eine der profiliertesten Kritikerinnen einer betriebswirtschaftlich ausgerichteten Sozialarbeit.[2][8] Die zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage des Schwarzbuchs wurde im Oktober 2011 veröffentlicht und dokumentiert anhand zahlreicher Praxisbeispiele die Folgen neoliberaler Steuerungslogiken.[3][8] 2025 legte sie mit Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute: schwarz auf weiß eine umfassende Bestandsaufnahme vor, welche die Divergenzen zwischen humanistisch-professioneller Sozialarbeit und einem neoliberalen Dienstleistungsverständnis systematisch erläutert.[4] Seithe beobachtet, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Sozialarbeit seit den 1990er-Jahren weiter verschlechtert haben und langfristig angelegte Projekte kaum noch möglich seien.[1][2] Sie ist Mitbegründerin des 2011 gegründeten Unabhängigen Forums kritische Soziale Arbeit.[9][10][5] Sie steht den Bedingungen, unter denen die soziale Arbeit als Profession heute ausgeübt wird, und der gegenwärtigen Entwicklung der Profession kritisch gegenüber.[11][12] Seithe veröffentlicht Debattenbeiträge auf ihrem Blog Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit.[10][1]

Veröffentlichungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Autorin:

  • Praxisfeld: Hilfe zur Erziehung. Fachlichkeit zwischen Lebensweltorientierung und Kindeswohl, Leske + Budrich, 2001, ISBN 3-8100-2659-X
  • Engaging: Möglichkeiten Klientenzentrierter Beratung in der Sozialen Arbeit, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2008, ISBN 978-3-531-15424-4
  • Schwarzbuch Soziale Arbeit. Quo vadis Soziale Arbeit?, 2. Auflage, Springer VS, 2011, ISBN 978-3-531-18070-0
  • Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute: schwarz auf weiß, Springer VS, 2025
  • mit Matthias Heintz: Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung : Plädoyer für ein umstrittenes Konzept der Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten der Nützlichkeitsideologie, Verlag Barbara Budrich, 2014, ISBN 978-3-8474-0623-5, doi:10.3224/84740623

als Herausgeberin:

  • mit Beate Köhn u. a.: Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit / Unabhängiges Forum Kritische Soziale Arbeit, RabenStück-Verlag, 2012
  • mit Corinna Wiesner-Rau (Hrsg.): „Das kann ich nicht mehr verantworten!“ Stimmen zur Lage der Sozialen Arbeit, 2. Auflage, Die Brücke Neumünster, 2014

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Mechthild Seithe über Sozialarbeit: „Es ist noch schlimmer geworden“. In: taz.de. 7. Februar 2026, abgerufen am 7. Februar 2026.
  2. 1 2 3 Kurz vor dem Kollaps. In: taz.de. 13. Dezember 2014, abgerufen am 7. Februar 2026.
  3. 1 2 Schwarzbuch Soziale Arbeit. In: link.springer.com. 9. Oktober 2011, abgerufen am 7. Februar 2026.
  4. 1 2 Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute: schwarz auf weiß. In: link.springer.com. 23. Juli 2025, abgerufen am 7. Februar 2026.
  5. 1 2 3 M. Seithe. In: wordpress.com. Abgerufen am 7. November 2020.
  6. Sozialpädagogikprofessorin der FH Jena verabschiedet sich mit Tagung in Berlin. In: oscar-am-freitag.de. 15. Juni 2011, abgerufen am 7. Februar 2026.
  7. ehemalig dem Fachbereich Sozialwesen angehörende Lehrende. In: sw.eah-jena.de. Abgerufen am 7. Februar 2026.
  8. 1 2 Mechthild Seithe: Schwarzbuch soziale Arbeit. In: socialnet.de. 13. August 2010, abgerufen am 7. Februar 2026.
  9. Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit. In: rabenstueck.de. Abgerufen am 7. November 2020.
  10. 1 2 Ökonomisierung der Sozialen Arbeit. In: ash-berlin.eu. 30. Mai 2023, abgerufen am 7. Februar 2026.
  11. Buchrezension zu: Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit, Beate Köhn u. a. (Hrsg.): Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit. In: wordpress.com. Abgerufen am 7. November 2020.
  12. Zur Begründung einer Repolitisierung Sozialer Arbeit. 2011, abgerufen am 7. November 2020.