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Martin Görner

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Martin Görner 2021 mit Junguhu

Martin Alfred Görner (* 29. Oktober 1943 in Jena[1]; † 13. Dezember 2025[2]) war ein deutscher Forstwissenschaftler, der zu Themen des Natur- und Artenschutzes forschte und publizierte.

Martin Görner wurde in Jena geboren und wuchs dort auf. Sein Vater fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg. Er besuchte die Grund- und Mittelschule in Jena-Winzerla von 1950 bis 1959 und erlernte anschließend bis 1962 den Beruf eines Metalldrückers im Volkseigenen Betrieb Carl Zeiss in Jena und arbeitete einige Zeit in diesem Beruf.[1] Später war er beim Rat der Stadt Jena beruflich tätig. Am 1. Oktober 1968 nahm er am Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz Halle, Zweigstelle Jena (ILN Jena), eine Tätigkeit als wissenschaftlich-technischer Assistent auf, die er bis zum bis zum 27. Mai 1991 ausübte.[3] Zwischenzeitlich schloss er 1976 ein Fernstudium an der Fachschule für Forstwirtschaft in Schwarzburg als Forstingenieur erfolgreich ab.[1] 1991 gründete Görner das Büro für Landschaftsökologie, Natur- und Artenschutz in Jena und leitete es seitdem.[3]

2017 wurde Görner in der Thüringer Staatskanzlei für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.[4][5][6]

Am 15. Dezember 2025 vermeldete der Landesjagdverband Thüringen den Tod Görners.[7]

Wirken im Natur- und Artenschutz

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Ab 1961 setzte sich Görner für den Schutz der Uhus ein, deren Bestand in Thüringen in den 1950er Jahren auf sieben Brutpaare zurückgegangen war. In Abstimmung mit der Vogelwarte Hiddensee beringte er ab 1969 über die nächsten 45 Jahre mehr als 1000 Junguhus im Gebiet der heutigen Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dadurch konnte der Uhubestand in Mitteldeutschland langfristig erforscht und beobachtet werden und die Population unter anderem durch von Görner angeregten, gezielten Schutz von Horstplätzen auf heute nahezu 100 Brutpaare allein in Thüringen anwachsen.[1]

1962 wurde Görner zum Naturschutzbeauftragten von Jena berufen und blieb dies bis 1971. Von 1970 bis 1976 war er Naturschutzbeauftragter des Bezirkes Gera.[3] Zudem war er Wissenschaftlicher Vogelberinger der Vogelwarte Hiddensee.

Anfang der 1980er Jahre gelang ihm über das ILN Jena die Gründung einer überbezirklichen Arbeitsgruppe Artenschutz für die drei DDR-Bezirke Erfurt, Gera und Suhl. Im April 1990 wurde daraus die Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. (AAT), deren Leitung Görner bis zu seinem Tod innehatte.[1]

Görner war maßgeblich an der Erarbeitung des Bandes 4 (Thüringer Bezirke) des mehrbändigen Handbuchs der Naturschutzgebiete der DDR beteiligt. Er gilt als Initiator für das Artenschutzzentrum Thüringen in Ranis (Eröffnung 1997).

Mit dem AAT setzte sich Görner unter anderem gegen die Errichtung von Windkraftanlagen in Wäldern ein.[8] Wiederholt mahnte Görner an, den Artenschutz nicht nur auf einzelne Arten wie Wölfe und Wildkatzen auszurichten.[9] 2018 forderte er angesichts sinkender Bestände, den Uhu wieder auf die Rote Liste vom Aussterben bedrohter Arten Deutschlands zu setzen.[10] 2019 unterstützte er die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag mit der Veröffentlichung Klima und Wald: eine aktuelle Betrachtung zum Lebensraum Wald im Kampf gegen Windkraftanlagen in Wäldern.[11]

Seit Ende der 1970er Jahre publizierte Görner mehrfach zum Thema Uhuschutz, erstmals 1977 mit dem Sonderheft Der Uhu und sein Schutz in Thüringen. Nachfolgend veröffentlichte er mehrere ornithologische Texte in der Reihe Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen.[1] Sein 1987 im Urania-Verlag in der DDR gemeinsam mit Hans Hackethal veröffentlichtes Sachbuch Säugetiere Europas: Beobachten und bestimmen wurde 1988 als Lizenzausgabe auch in der Bundesrepublik herausgegeben.[12]

Bis 2025 veröffentlichte Görner mehr als 150 Beiträge in zoologischen, naturschutzrelevanten, jagdlichen und forstlichen Publikationsorganen.[1] Eine Biografie mit detaillierter Liste seiner Veröffentlichungen (Stand 2015) findet sich in [13].

Werke (Auswahl)

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  • Jena und sein Saaletal, Kessler, Jena, 1968
  • Die Naturschutzgebiete der Bezirke Erfurt, Suhl und Gera, Urania-Verlag, Leipzig, 1984
  • mit Hans Hackethal: Die Säugetiere Europas, Verlag Neumann, Leipzig, 1987
  • mit Hans Hackethal: Die Säugetiere Europas, Deutscher Taschenbuch-Verlag / Eugen Ulmer Verlag, München, Stuttgart, 1988
  • mit Bernd Gerken: Neue Modelle zu Maßnahmen der Landschaftsentwicklung mit großen Pflanzenfressern – praktische Erfahrungen bei der Umsetzung Natur- und Kulturlandschaft, 4, AAT Thüringen 2000, ISBN 3-934802-05-2
  • Atlas der Säugetiere Thüringens : Biologie, Lebensräume, Verbreitung, Gefährdung, Schutz, AAT, Jena 2009
  • Die Gewässer Thüringens, AAT, Jena 2011
  • Thüringen : Wald und Wild, Gewässer und Fische, Landschaften und Arten, AAT, Jena 2015
  • Bernshäuser Kutte im Biosphärenreservat Rhön: die Entwicklung eines Naturschutzgebietes in 70 Jahren, AAT, Jena 2015
  • Die Ulster im Biosphärenreservat Rhön: ein ehemaliger Grenzfluss, AAT, Jena 2016
  • Der Uhu – Neue Brehm-Bücherei, Militzke Verlag GmbH, Magdeburg 2025, ISBN 978-3-89432-120-8
  • Hermann Behrens: Naturschutzgeschichte Thüringens (Lexikon der Naturschutzbeauftragten, Band 4), Berlin 2015, Seiten 556–565. ISBN 978-3-95799-004-4
  • Hermann Behrens, Jens Hoffmann (Hrsg.): Naturschutzgeschichte(n) – Lebenswege zwischen Ostseeküste und Erzgebirge Friedland, 2013. ISBN 978-3-942477-64-2
  • Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (Hrsg.), Lutz Reichhoff & Uwe Wegener (Bearb.): ILN. Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz Halle. Forschungsgeschichte des ersten deutschen Naturschutzinstituts, Berlin 2016. ISBN 978-3-95799-027-3

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 Portrait der AG Eulen, aufgerufen am 19. Februar 2026
  2. Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen, aufgerufen am 19. Februar 2026
  3. 1 2 3 Portrait der Hochschule Neubrandenburg, aufgerufen am 19. Februar 2026
  4. Bekanntgabe der Ordensträgerinnen und Ordensträger. Namen der mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichneten Ordensträgerinnen und Ordensträger. Bundespräsidialamt, 1. Februar 2017, abgerufen am 18. März 2026.
  5. Herrn Martin Görner zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, Pressemitteilung des Verbandes für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V., aufgerufen am 19. Februar 2026
  6. Bundesverdienstkreuz für Martin Görner, Ostthüringer Zeitung, 2. Februar 2017
  7. Jagdverband in Trauer, pirsch.de, 27. Dezember 2025
  8. Naturverband gegen Windkraft im Wald, insuedthueringen.de, 17. November 2023
  9. Kein Lebewesen ist weniger schützenswert, Thüringer Allgemeine, 20. Merz 2021
  10. Dem Uhu in Thüringen geht es immer schlechter, Thüringer Allgemeine, 25. August 2018
  11. Klima und Wald : eine aktuelle Betrachtung zum Lebensraum Wald, im Katalog der DNB, aufgerufen am 19. Februar 2019
  12. Martin Görner, Hans Hackethal: Säugetiere Europas: Beobachten und bestimmen. Ferdinand Enke/Deutscher Taschenbuch-Verlag, Stuttgart/München 1988, ISBN 3-432-96461-7 (Lizenzausgabe).
  13. Hermann Behrens: Naturschutzgeschichte Thüringens. In: Lexikon der Naturschutzbeauftragten. 1. Auflage. Band 4. Steffen Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-95799-004-4, S. 556565.