Mannhardtstraße
| Mannhardtstraße | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Ort | Hanerau-Hademarschen | |
| Ortsteil | Hanerau | |
| Angelegt | Anfang 19. Jh. als Kastanienallee | |
| Neugestaltet | 1945 und Asphaltierung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts | |
| Hist. Namen | Dorfstraße | |
| Name erhalten | 1954 | |
| Nutzergruppen | Auto- und Radfahrer, Fußgänger | |
| Technische Daten | ||
| Länge | 1 km | |
Die Mannhardtstraße liegt in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Hanerau-Hademarschen, Kreis Rendsburg-Eckernförde, und ist der durch den Ortsteil Hanerau führende Abschnitt der Landesstraße 316 (ehemalige Bundesstraße 204). Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Ortsgründung von Hanerau durch den damaligen Gutsbesitzer Johann Wilhelm Mannhardt als Kastanienallee angelegt und war vermutlich als Gutsallee des Gutes Hanerau gedacht. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges wurden die Kastanien abgeholzt und das Holz zum Teil für Panzersperren genutzt. Im Jahr 1954 erfolgte zu Ehren Mannhardts die Umbenennung der bis dahin als Dorfstraße bezeichneten Straße in Mannhardtstraße.[1]
Vor Mannhardts Ortsgründung lebte in dem Gebiet neben den Gutsbewohnern nur eine Familie in der Wassermühle und eine im Zoll- und Wirtshaus. Etliche der von ihm zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Straße erbauten Fabrikanlagen und Einrichtungen für die Arbeiter, deren Familien und die wachsende Dorfbevölkerung sowie weitere historische Gebäude aus späteren Zeiten sind erhalten und gehören teilweise zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde.[2] Die Mannhardtstraße geht über in die Theodor-Storm-Straße, den zum Ortsteil Hademarschen gehörenden Abschnitt der Landesstraße 316.
Besondere Gebäude und Landschaftselemente
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Lage | Beschreibung und geschichtlicher Hintergrund | Bild |
|---|---|---|
| Mannhardtstraße 3 | Die Landfrauenschule wurde am 2. Mai 1904 nach achtmonatiger Bauzeit unter der Trägerschaft der Landwirtschaftskammer als erste landwirtschaftliche Haushaltungsschule der Provinz Schleswig-Holstein für die Töchter des Bauernstandes eingeweiht. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude als Lazarett. Überregionale Bekanntheit erlangte die Internatsschule durch den Einsatz der Schülerinnen als „Blaumeisen“ bei der Grünen Woche in Berlin von 1964 bis 2010. Die Schule wurde 2025 wegen sinkender Schülerzahl geschlossen. Das Gebäude wird heute von der Gemeinde für verschiedene Zwecke genutzt.[3][4] | Aufnahme von 2017; der Turm wurde 2019 wegen Baufälligkeit abgerissen |
| Mannhardstraße 19 | Das Kaiserliche Postamt[5] wurde 1877 erbaut. Es war um 1908 mit der amtlichen Bezeichnung Hanerau-Hademarschen Eigentum der Gemeinde und der Gutsherrschaft.[6] Es wurde bis 1990 als Dienststelle genutzt. | |
| Mannhardtstraße 27 | Das Haus war Schauplatz des 1884/85 verfassten Werkes John Riew. Theodor Storm hatte das Haus bauen sehen, und die Beobachtung des Verhaltens der Bewohner veranlasste ihn zum Schreiben der Novelle, in der er auf das Hanerauer Knabenerziehungsinstitut als „Institutsschule“ Bezug nimmt.[5] | |
| Mannhardtstraße 28 | war um 1884 das Haus von Theodor Storms Hausarzt Wilhelm Ivens[5] | |
| Mannhardtstraße 43 | war um 1880 das Haus von Storms erstem Hausarzt Otto Ludwig Wachs und um 1886 seines letzten Hausarztes von Brinken[5] | |
| Weg zwischen den Hausnummern 47 und 49 | Ein kurzer, schmaler Weg führt von der Mannhardtstraße zum von 1812 bis 1816 von J. W. Mannhardt im Stile eines englischen Landschaftsgartens angelegten Waldpark Wilhelmshain, einem Kulturdenkmal der Gemeinde. Im Waldpark liegt der nach Ordnung der Herrnhuter Brüdergemeine angelegte Waldfriedhof. | (2015) |
| Mannhardtstraße 56 | In dem Gebäude befand sich zu Theodor Storms Hademarscher Zeit eine sogenannte Warteschule für noch nicht schulpflichtige Kinder von Arbeitsleuten, die außer Haus arbeiteten. Theodor Storm unterstützte die Einrichtung durch regelmäßige Konzertabende, bei denen er vorlas und seine Frau Dodo und die Töchter mit Gesangsbeiträgen auftraten sowie Klavier spielten.[5] | (2014) |
| Mannhardtstraße 57 | In dem Haus lebte der Fotograf Gotthilf Constabel, der unter anderem das Foto zu Theodor Storms 70. Geburtstag aufnahm.[5] | |
| Mannhardtstraße 66 | Das Haus gehörte zu den Fabrikanlagen, die J. W. Mannhardt errichtete. Zunächst war darin von 1807 bis 1814 eine Strumpfwirkerei untergebracht. Nach deren Stilllegung richtete der Arzt Christian Friedrich Schwarz in der oberen Etage eine Haus- und Handapotheke ein. 1844 wurde das Gebäude zu einer eigenständigen Apotheke umgebaut, die 1895 in die Mannhardtstraße 64 umzog und dort bis 1954 betrieben wurde. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt und ist ein Kulturdenkmal. | (2012) |
| Mannhardtstraße, zwischen den Hausnummern 65 und 67 | Die Zufahrtsallee wird von Eichen gesäumt und führt linksseits zur Gutsinsel sowie rechtsseits zum Waldpark Wilhelmshain. Sie ist als Gründenkmal gelistet. | (2012) |
| Mannhardtstraße 67 | J. W. Mannhardt erbaute das Gebäude 1803 und richtete darin eine Leinenweberei ein, die 1813 nach Aufhebung der Kontinentalsperre weitgehend schließen musste und nur in Teilen bis in die 1840er Jahre bestehen blieb. 1948 gründete sein Sohn Wilhelm Mannhardt darin das Hanerauer Knabenerziehungsinstitut, das ab 1876 von dessen Sohn Johannes und seiner Frau Helen Mary weitergeführt wurde und 1909 schloss. Heute dient das Gebäude als Alten- und Pflegeheim und ist ein Kulturdenkmal.[2][5] | (2012) |
| Mannhardtstraße 74 | ehemalige Färberei des von J. W. Mannhardt angelegten Fabrikkomplexes,[2] heute Wohnhaus | |
| Mannhardtstraße 76 | Neben der Zollstelle und dem Gut gab es die Kornwassermühle schon lange vor der Ortsgründung. Die Mühle, deren gewerblicher Betrieb 1965 eingestellt wurde, wird von einem Mühlenverein funktionsfähig erhalten. Sie wird als Veranstaltungsort genutzt und gehört zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde. | (2015) |
| Mannhardtstraße 78 | ehemaliges Zoll- und Wirtshaus,[2] viele Jahre Gaststätte Zum Zolln, heute Wohnhaus | |
| Mannhardtstraße, Ortsausgang | Der 3,5 Hektar große Mühlenteich gehört zum Gut Hanerau und liegt am Ortsausgang gegenüber von der Wassermühle. Aus einer 13,500 km² großen Fläche wird dem Teich über die Hanerau, deren Quelle bei Warringholz entspringt, Wasser zugeführt. Das Wasserrecht liegt bei den Besitzern der Wassermühle. In Zusammenhang mit der Gutsinsel ist der Mühlenteich als Gründenkmal gelistet. | (2015) |
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Arthur Gloy: Geschichte und Topographie des Kirchspiels Hademarschen. Kommissionsverlag von Lipsius & Tischer, Kiel 1895, S. 68–69.
- Max Suhr: Theodor Storm in Hademarschen und Hanerau. Zum Gedenken an den 100. Todestag des Dichters am 4. Juli 1988. Hrsg.: Gemeinde Hanerau-Hademarschen. Boyens & Co., Heide 1988, S. 87–91.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Hans Wilhelm Schwarz: Wie ich das Kriegsende erlebte – Als Kind in Hademarschen 1945. In: Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte e. V. (Hrsg.): Rendsburger Jahrbuch 2005. 55. Jahrgang. Albers Druckerei, 2005, ISSN 1430-3906, S. 46–47.
- 1 2 3 4 H. G. Peters: Die Geschichte des Dorfes Hanerau beginnt mit einem Kuss in Altona. In: Constabel druck & design (Hrsg.): Kiek mol rin. Nr. 11. Hanerau-Hademarschen Oktober 2024, S. 12–13.
- ↑ Hans-Jürgen Kühl: Empörung: Mit dem Abriss des Turms verliert die Gemeinde ein Wahrzeichen. In: shz.de. 18. November 2019, abgerufen am 24. September 2026 (Online hinter der Bezahlschranke, Hörversion zugänglich).
- ↑ Hans-Jürgen Kühl: Hanerau-Hademarschen: Pläne für Landfrauenschule und Internat. In: shz.de. 3. Juli 2025, abgerufen am 24. September 2026 (Online hinter der Bezahlschranke).
- 1 2 3 4 5 6 7 Max Suhr: Theodor Storm in Hademarschen und Hanerau. Zum Gedenken an den 100. Todestag des Dichters am 4. Juli 1988. Hrsg.: Gemeinde Hanerau-Hademarschen. Boyens & Co., Heide 1988, S. 87–91.
- ↑ Henning Oldekop: Topographie des Herzogtums Holstein einschliesslich Kreis Herzogtum Lauenburg, Fürstentum Lübeck, Enklaven (8) der freien und Hansestadt Lübeck, Enklaven (4) der freien und Hansestadt Hamburg. Band, 1908, S. 54–55.
