Manja Chmièl
Marie Anna „Manja“ Chmièl (* 5. Februar 1922 in Opava (Troppau), Tschechoslowakei; † 5. Mai 2006 in Hannover) war eine deutsche Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin.[1] Sie gilt als Wegbereiterin des zeitgenössischen und abstrakten Tanzes sowie als Verbindung zwischen Ausdruckstanz und den neuen Tanzformen der 1960er-Jahre.[2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Maja Chmièl kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tanz.[3] In der unmittelbaren Nachkriegszeit lernte sie in Leipzig bei Mary Wigman.[2] Von 1950 bis 1952 war sie Tänzerin in Kurt Jooss’ Folkwang-Tanztheater in Essen.[3] Von 1952 bis 1962 arbeitete sie am Mary-Wigman-Studio in Berlin als Lehrerin und persönliche Assistentin Wigmans.[3] Im Jahr 1962 eröffnete sie in der Fasanenstraße 23 in Berlin ein eigenes Ausbildungsstudio, das auch Domizil der Gruppe Neuer Tanz Berlin wurde.[4] Das Studio bestand bis 1969, bevor Chmièl nach Hannover zog und dort mit einer Tanzschule neu anfing.[2] 1972 gründete sie in Hannover das Studio Manja Chmièl, in dem sie Laienarbeit und Tanzpädagogenausbildung verknüpfte.[3] Sie unterrichtete in Hannover bis kurz vor ihrem Tod am 5. Mai 2006.[2]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chmièl grenzte sich 1962 programmatisch vom Ausdruckstanz ab und suchte nach Bewegungsformen, die nicht narrativ oder psychologisch deutend angelegt waren.[4] Sie stellte Tanz als autonome Kunstform neben Neuer Musik, abstrakter Malerei, Literatur und experimentellen Theaterformen.[5] Für ihre Soli und späteren Gruppentänze nutzte sie junge elektronische Musik und arbeitete mit Linien, Zeichen, Raum und Kräften.[2] Ihre Gruppe Neuer Tanz Berlin gehörte mit der Studiogruppe Motion zu den ersten freien unabhängigen Tanzkompagnien West-Berlins.[6] Im Jahr 1968 erhielt Chmièl den Deutschen Kritikerpreis für Tanz.[7] 1989 beschrieb sie Tanz als eigene Körpersprache und Kunst als Avantgarde, die sich auf die Gegenwart beziehen müsse.[8] Drei ihrer Soli, Von außen bewegt, Rhythmus und Gesang und Unter den Sternen, wurden 2026 von Anna Till erneut auf die Bühne gebracht.[9] Der Drehtanz Unter den Sternen wurde von Thomas Schallmann gemeinsam mit Chmièl in Labanotation übertragen und in der Biografie Manja Chmièl – Rebellin des Neuen Tanzes dokumentiert.[9] Diese von Irene Sieben verfasste Biografie erschien 2026 im Drachen Verlag und ist die erste Buchdarstellung zu Leben und Werk Chmièls.[10]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Chmièl, Manja. In: Deutsche Biographie. Abgerufen am 25. April 2026.
- 1 2 3 4 5 Die Choreographin Manja Chmièl: Neue Formen gesucht. In: taz.de. 24. April 2026, abgerufen am 25. April 2026.
- 1 2 3 4 Manja Chmièl. In: Tanzstiftung Manja Chmièl. Abgerufen am 25. April 2026.
- 1 2 Die Vergessene. In: tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance. Februar 2022, abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Kinetische Intelligenz. In: Das TheaterMagazin. Februar 2022, abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Tanzfabrik Berlin: die frühen Jahre. In: MIME Centrum Berlin. Abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Manja Chmièl. In: Deutsches Tanzarchiv Köln. Abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Tanz-Kunst ist Avantgarde. In: taz.de. 6. November 1989, abgerufen am 25. April 2026.
- 1 2 Manja Chmièl – Rebellin des Neuen Tanzes. In: Commedia Futura. 1. März 2026, abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Irene Sieben: Manja Chmièl – Rebellin des Neuen Tanzes. In: perlentaucher.de. 24. April 2026, abgerufen am 25. April 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chmièl, Manja |
| ALTERNATIVNAMEN | Chmièl, Marie Anna |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin |
| GEBURTSDATUM | 5. Februar 1922 |
| GEBURTSORT | Opava, Tschechoslowakei |
| STERBEDATUM | 5. Mai 2006 |
| STERBEORT | Hannover |