Manganosit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt oktaedrische Kristalle, die in Körnern und spaltbaren Aggregaten bis zu 10cm Größe vorkommen. Er ist bei frischen Bruch von smaragdgrüner Farbe, färbt sich an der Luft aber schnell schwarz. Die Oberflächen der in frischem Zustand durchsichtigen Kristalle zeigen einen glas- bis diamantähnlichen Glanz. Durch Verwitterung an der Luft werden diese aber mit der Zeit matt.
Als natürliche Mineralbildung wurde das Manganoxid erstmals im Schävenholz etwa 2 km nordwestlich der Stadt Elbingerode im Harz in Sachsen-Anhalt entdeckt (vergleiche auch Elbingeröder Komplex). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Christoph Friedrich Jasche, der das Mineral als Grünmanganerz bezeichnete und seine Untersuchungsergebnisse 1817 in seinem Werk Kleine mineralogische Schriften vermischten Inhalts veröffentlichte. Jasche erwähnt allerdings in seiner Beschreibung auch, dass die Verbindung bereits vorher durch John und Berzelius synthetisch dargestellt werden konnte.[7]
Als genaue Typlokalität gilt inzwischen die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz/Elbingerode.[8]
Seinen bis heute gültigen Mineralnamen erhielt das Mineral 1874 durch Christian Wilhelm Blomstrand, der es nach dessen Zusammensetzung benannte.[9] Blomstrand scheint Jasches Beschreibungen zum Grünmanganerz nicht gekannt zu haben, zumindest nimmt er in seiner Publikation keinen Bezug darauf. Blomstrand verwendet für seine Analysen Material aus der Grubengemeinde Långban (Filipstad) in der Provinz Värmlands län. Dieser Fundort zählt daher als Co-Typlokalität für Manganosit.[10]
Da der Manganosit bereits lange vor der Gründung der IMA bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Manganosit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Manganosit lautet „Mng“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Manganosit die System- und Mineralnummer 04.02.01.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 2+ (AO)“ in der „Periklasgruppe (Isometrisch, Fm3m)“, in der auch Periklas, Bunsenit, Monteponit, Calciumoxid, Wüstit und Hongquiit eingeordnet sind.
In der idealen, chemisch reinen, Zusammensetzung von Manganosit (MnO) besteht das Mineral aus Mangan (Mn) und Sauerstoff (O) im Stoffmengenverhältnis von 1:1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 77,45Gew.-%Mn und 22,55Gew.-%O.[12]
Als seltene Mineralbildung konnte Manganosit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 80 Vorkommen[13] dokumentiert sind (Stand 2025). Seine Typlokalität, die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz/Elbingerode, ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland. In Schweden fand sich Manganosit außer an dessen Co-Typlokalität in der Grubengemeinde Långban noch in weiteren Gruben in der Gemeinde Filipstad in Värmland und in der Grube Garpenberg Norra am gleichnamigen Ort in der Provinz Dalarnas län.[14]
In der Schweiz kennt man das Mineral aus dem Eisenbergwerk Gonzen bei Sargans im Kanton St. Gallen sowie vom Pipji-Gletscher bei Pipjitälli im Turtmanntal und von Sparrenflue bei Täsch im Kanton Wallis.
Die meisten Manganosit-Funde sind von der japanischen Insel Honshū bekannt. Dort sind die gefundenen Mengen auch ausreichend für einen wirtschaftlichen Abbau des Manganerzes. Bekannt ist zudem die Lausetto Mine bei San Lorenzo (Gemeinde Valdieri) in der italienischen Provinz Cuneo (Piemont), wo besonders gute Funde von Manganosit gelangen.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan (Khanneshin-Komplex, Helmand), Südaustralien (Olympic Dam), Brasilien (Minas Gerais), Burkina Faso (Oudalan), Chile (Antofagasta), China (Shaanxi, Sichuan), Ghana (Tarkwa), Griechenland (Kavala), Indien (Karnataka), Iran (Yazd), Kirgisistan (Oblus Yssyk-Köl), Mexiko (Zacatlán, Puebla), Namibia (Kombat, Otjozondjupa), Russland (Krasnojarsk), der Slowakei (Košice), Tonga (Nördliches Lau-Becken), im Vereinigten Königreich (England, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerik (New Jersey, New Mexico, Virginia).[14]
Auch in marinen Manganknollen vom Beljajewski-Rücken im Japanischen Meer konnte Manganosit nachgewiesen werden.[14]
C. W. Blomstrand:Manganosit, ett nytt mineral från Vermland. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band2, 1874, S.179–183 (schwedisch, rruff.info[PDF; 203kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
Jean-Raymond Gavarri, Jacek Arabski, Stanisława Jasienska, Jan Janowski, Claude Garel:Structural Evolution of Manganosite: Comparison of Properties of Nonstoichiometric Manganese and Iron Monoxides. In: Journal of Solid State Chemistry. Band58, Nr.1, 1985, S.56–70, doi:10.1016/0022-4596(85)90268-3 (englisch).
Manganosite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 27.Juni 2025(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.185 (englisch).
123456789101112
Manganosite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 55kB; abgerufen am 27.Juni 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Typlokalität Grube Kaiser Franz (englischKaiser Franz Mine) / Schävenholz beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025.
↑C. W. Blomstrand:Manganosit, ett nytt mineral från Vermland. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band2, 1874, S.179–183 (schwedisch, rruff.info[PDF; 203kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
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Co-Typlokalität Långban, Filipstad, Värmland, Schweden beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025.