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Louis Peter

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Louis Peter

Friedrich Ludwig „Louis“ Peter (* 28. Februar 1841 in Alleringhausen, Fürstentum Waldeck; † 26. Februar 1921 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Unternehmer und Gründer der Mitteldeutschen Gummiwarenfabrik Louis Peter A.G. in Frankfurt am Main. Er gilt als einer der frühen Pioniere der deutschen Gummiwarenindustrie und gehörte zu den frühen industriellen Herstellern von Fahrradluftreifen (Pneumatiks) sowie zu den frühen Anbietern von Pneumatiks für Motorräder und Automobile.

Fabriken auf Originalrechnung von Peter’s Union
Peters-Union-Plakat (1918)
Louis-Peter-Büste in der evangelischen Kirche von Alleringhausen
Grab auf dem Hauptfriedhof Frankfurt

Peter war ein Sohn des Bauern Carl Heinrich Peter in Alleringhausen und dessen Ehefrau Marie Louise geb. Fieseler aus Flechtdorf. Er hatte sechs Geschwister.[1] Er wuchs in einer ländlich-bäuerlichen Familie auf, die von den wirtschaftlichen Veränderungen im Fürstentum Waldeck im 19. Jahrhundert betroffen war. Friedrich Ludwig arbeitete zuerst als Ochsenknecht in Lengefeld bei Korbach. Seinen Militärdienst leistete er im Fürstlich-Waldeckischen Füsilierbataillon. Im Jahre 1863 zog er nach Frankfurt und fand eine Anstellung in einem Gummiwarengeschäft. Zu dieser Zeit nannte er sich in Louis um. Als 1866 der Preußisch-Österreichische Krieg ausbrach, wurde Louis Peter auf Seiten der Preußen eingesetzt.[2] Nach dem Krieg erhielt er seine frühere Anstellung nicht wieder und arbeitete in den folgenden Jahren in Frankfurt am Main zunächst als Ausläufer (Laufbote) im Gummiwarenhandel. Später war er als Arbeiter in einer Frankfurter Gummiwarenfabrik tätig, wo er praktische Kenntnisse in der Verarbeitung von Kautschuk erwarb.[3] Am 28. Januar 1870 heiratete er Margarethe Klaus (* 1. Januar 1850 in Lonsheim; † 18. Dezember 1907); der Ehe entstammten drei Töchter; zwei weitere Kinder starben früh.

In der Gründerzeit eröffnete er am 20. März 1872 zunächst eine Handlung unter der Firma „Louis Peter“ in Frankfurt am Main. Das Geschäft befand sich von 1873 bis 1875 in der Buchgasse 16 in der Frankfurter Altstadt und wurde 1875 in die Kaiserstraße 15 verlegt. 1877 zog er in einen Neubau in der Kaiserstraße 7 um, der von der Firma Philipp Holzmann errichtet wurde. Mit diesen Erweiterungen begann er auch mit der eigenen Herstellung von Gummiwaren, womit sich ein fließender Übergang vom Händler zum Fabrikanten vollzog.[4] 1882 gründete er in Frankfurt-Sachsenhausen in der Gartenstraße eine eigene Fabrik. 1893 zog er mit seiner Produktion in ein neu errichtetes Fabrikgebäude in der Mainzer Landstraße 196 in Frankfurt am Main. 1905 wandelte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Im selben Jahr wurde Louis zum Kommerzienrat ernannt. Louis Peter errichtete 1905 die Villa Peterhof an der Medebacher Landstraße in Korbach;[5] er spendete 1905 die im neugotischen Stil erbaute Kirche in seinem Heimatdorf Alleringhausen, die im Beisein des waldeckischen Fürsten eingeweiht wurde. Ab 1907 baute er eine Zweigstelle seines Unternehmens hinter dem Korbacher Hauptbahnhof auf. 1910 wurde das Verwaltungsgebäude fertiggestellt. Ab 1910 spezialisierte er das Werk Korbach auf Fahrradreifen und fertigte in Frankfurt Auto- und Motorradreifen. Nach einer Krise in der Kautschukindustrie musste er 1912 aus dem Aufsichtsrat seines Unternehmens ausscheiden. Seinem Neffen Heinrich Peter gelang es jedoch, die Aktien mit Hilfe der von ihm 1911 gegründeten „Liga-Gummiwerke Heinrich Peter & Co GmbH“ in Frankfurt-Hausen zurückzukaufen, so dass Louis Peter im Januar 1921 wieder in den Aufsichtsrat gewählt wurde, kurz bevor er verstarb.[2] Dabei waren neben Heinrich Peter auch dessen Brüder Louis und Friedrich sowie die Schwäger Carl Weinbruch und Eduard Klotz an den Liga-Gummiwerken beteiligt. Führende Mitglieder der Liga-Gummiwerke traten 1921 zudem in Vorstand und Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Gummiwarenfabrik ein, wodurch beide Unternehmen eng miteinander verbunden waren.[2] 1923 wurde die „Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik Louis Peter AG“ in „Peters Union AG“ umbenannt. Louis Peter ist auf dem Frankfurter Hauptfriedhof in der Gruft 20 begraben.

Bedeutung für die Reifenentwicklung

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Die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik Louis Peter begann bereits in den späten 1880er und frühen 1890er Jahren mit der Herstellung von Fahrzeugreifen, zunächst in Form von Massiv-, Polster- und Kissenreifen. 1891 wurde ein Patent für einen „hohlen Gummireifen“ angemeldet. In den 1890er Jahren wandte sich das Unternehmen verstärkt der Herstellung von Luftreifen (Pneumatiks) zu und richtete seine Produktion zunehmend auf diesen Bereich aus.

Zeitgenössischen Berichten zufolge zählte die Firma zu den frühen Herstellern von Pneumatikreifen in Deutschland und wurde teils als eine der ältesten Pneumatikfabriken eingeordnet. Um die Jahrhundertwende entstanden zudem weitere technische Entwicklungen, darunter eine zweiteilige Patentfelge. Neben Fahrradreifen wurden noch vor der Jahrhundertwende auch Luftreifen für Motorräder hergestellt; der Beginn der Automobilreifenproduktion lässt sich nicht eindeutig datieren, ist jedoch ebenfalls in die Zeit um 1900 einzuordnen.[6]

Nachwirkungen und weitere Unternehmensentwicklung

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Ein schwerer Brand legte das Werk in Hausen am 17. Juni 1923 in Asche.

1929 fusionierten die Peters Union AG mit den Werken Frankfurt am Main und Korbach, der Liga-Gummiwerke Heinrich Peter AG, den Hannoverschen Gummiwerken Excelsior AG sowie der Polack-Titan AG zur Continental Gummiwerke AG.[2]

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise musste Continental 1930 das Werk in Frankfurt schließen. Das Werk in Korbach wurde von Continental mehrfach erweitert und zählt zu den bedeutenden Arbeitgebern der Region Waldeck-Frankenberg.

Sein Neffe Heinrich gründete bereits 1930 die Firma Peters Pneu Renova, die sich auf runderneuerte Reifen spezialisierte.[2]

Das Louis-Peter-Werk in Obertshausen bei Rodgau wurde von dem gleichnamigen Neffen Louis Peters zusammen mit Carl Weinbruch gegründet. Das Werk brannte 1933 aus. Der Standort wechselte später nach Heusenstamm und Mühlheim am Main; die Firma wurde 1978 geschlossen.[2]

Friedrich „Fritz“ Peter, ebenfalls in Alleringhausen geboren, hatte bereits 1905 die in Klein-Auheim gegründeten Hessischen Gummiwerke Fritz Peter AG aufgebaut und leitete sie bis 1930.[2] Er übernahm in Klein-Auheim ein ehemaliges Fabrikgebäude und erhielt die Genehmigung zur Herstellung von Kautschukwaren.[7] Das Unternehmen produzierte zunächst vor allem Fahrradreifen und -schläuche und entwickelte sich zu einem Industriebetrieb der Gummiindustrie.[7]

Während des Ersten Weltkriegs kam es infolge der eingeschränkten Rohstoffversorgung zu einem Produktionsstillstand.[7] Nach der Wiederaufnahme des Betriebs in den 1920er Jahren geriet das Unternehmen im Zuge von Inflation und wirtschaftlichen Krisen erneut unter Druck. 1930 wurde der Betrieb unter Beteiligung des Frankfurter Kaufmanns Erwin Koppel als „Hessische Gummiwarenfabrik Fritz Peter AG“ fortgeführt.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion wieder aufgenommen und um technische Gummiwaren, Förderbänder sowie weitere Industrieprodukte erweitert.[7]

Ab etwa 1970 führten Absatzrückgänge zu einer Neuausrichtung. Im Zuge einer Beteiligung der britischen BTR-Gruppe ging das Unternehmen in der „Peter-BTR Gummiwerke AG“ auf. Anschließend wurde die Gesellschaft in eine GmbH umgewandelt und das Produktsortiment schrittweise reduziert.[7]

Der Betrieb wurde 1994 eingestellt.[7]

Louis Peter ist Ehrenbürger der Stadt Korbach. Nach ihm sind Straßen und Schulen in Korbach benannt.

  • Wilhelm Völcker-Janssen: Louis Peter und die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik. Teil 1: 1841–1907/08. Beiträge aus Archiv und Museum der Kreis- und Hansestadt Korbach und Archiv der Alten Landesschule (BAM), Band 10, 382 Seiten, Korbach 2026.
  • Peter Knorr, Karl Thomas: Alleringhausen. Waldeckisches Ortssippenbuch Nr. 52. Korbach 1994.
  • Helm, Wienkötter: Geschichte der Luftbereifung und der Peters Union AG. Frankfurt a. M. 1930.
  • Stadtarchiv Korbach (Hrsg.): Kommerzienrat Louis Peter – sein Leben und Werk. Korbach 1991.
  • Hans Christoph Seherr-Thoß: Peter, Louis. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 234 (deutsche-biographie.de).
Commons: Louis Peter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Jens Holger Jensen, L.I.S.A. Wissenschaftsportal Gerda Henkel Stiftung: Frankfurt-Sachsenhausen näher betrachtet: Das Sachsenhäuser Westend – Die Gartenstraße, speziell Gartenstraße 125 Louis

Einzelnachweise

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  1. >Peter Knorr, Karl Thomas: Alleringhausen. Waldeckisches Ortssippenbuch Nr. 52. Korbach 1994, S. 204 Digitalisat in der FamilySearch Digital Library: https://www.familysearch.org/library/books/viewer/916428/ (abgerufen am 20. April 2026).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Peter Knorr, Karl Thomas: Alleringhausen. Waldeckisches Ortssippenbuch Nr. 52. Korbach 1994, S. 71–75. Digitalisat in der FamilySearch Digital Library: https://www.familysearch.org/library/books/viewer/916428/ (abgerufen am 20. April 2026).
  3. Wilhelm Völcker-Janssen: Louis Peter und die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik. Teil 1: 1841–1907/08. Korbach 2026, S. 55–65.
  4. Wilhelm Völcker-Janssen: Louis Peter und die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik. Teil 1: 1841–1907/08. Korbach 2026, S. 78–90.
  5. http://www.gedenkportal-korbach.de/villa.html
  6. Wilhelm Völcker-Janssen: Louis Peter und die Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik. Teil 1: 1841–1907/08. Korbach 2026, S. 122–178.
  7. 1 2 3 4 5 6 7 Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim: Audioguide zur Gummiindustrie, Museum Klein-Auheim (abgerufen 2022).