Lothar Kahn
Lothar Kahn (* 1. Juni 1922 in Rehlingen; † 22. Januar 1990 in West Palm Beach, Florida[1]) war ein US-amerikanischer Hochschulprofessor, Autor und Literaturwissenschaftler.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Familie von Lothar Kahn (Eltern Gustav und Selma Kahn und Schwester Liesel) emigrierte 1935 nach der Volksabstimmung des Saargebiets nach Bettemburg in Luxemburg.[1] Über Frankreich konnte die Familie in die USA ausreisen und erreichte am 14. Januar 1937 New York City.[2] Lothar Kahn besuchte von 1937 bis 1940 die High School und danach bis 1943 das City College in New York City. Von 1943 bis 1945 studierte er an der Columbia University New York mit dem Abschluss eines Master of Arts.[1]
1945 heiratete er Lore Stern (1925–1995).[3] Das Paar hatte zwei Kinder.[4]
Werk und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lothar Kahn trat 1946 als Dozent für Französisch in die Fakultät des Teachers College of Connecticut ein[4] und wurde 1947 Assistant Professor.[5] Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit wurde er Fakultätsberater der UNESCO-Arbeitsgruppe des Teachers College of Connecticut.[6] Er erwarb 1954 an der Columbia University in New York City den Doktorgrad[7] und wurde danach am Teachers College of Connecticut zum Associate Professor befördert.[8] Das Teachers College wurde 1959 zum Central Connecticut State College und 1983 zur Central Connecticut State University.
1963 veröffentlichte Lothar Kahn sein Sprachlehrwerk Intermediate Conversational German. Das Buch gehörte zu den Bestsellern seines Fachgebiets und wurde bereits im Jahr seiner Veröffentlichung an mehr als 150 Hochschulen, in den USA, im Deutschunterricht eingesetzt.[9] Bis 1976 erschienen das Buch und die dazu passenden Tonbänder in weiteren Auflagen. Die beiden letzten Auflagen entstanden in Zusammenarbeit mit Donald D. Hook, mit dem Lothar Kahn auch in den folgenden Jahren Bücher und Artikel verfasste.[10] Lothar Kahn war der amerikanische Korrespondent der Pariser Zeitschrift L’Arche.[11]
Lothar Kahn war Experte für moderne europäische jüdische Literatur und Geschichte und befasste sich mit deutsch-jüdischen Persönlichkeiten aus der Zeit der jüdischen Emanzipation. Er schrieb mehrere Bücher und zahlreiche Artikel und Buchbesprechungen für Zeitschriften, die in den USA in Südafrika, Israel, England, Deutschland und der Schweiz veröffentlicht wurden. Die Auswirkungen auf das literarische Schaffen und das spirituelle Überleben der in die USA geflüchteten deutschen Exilliteraten waren ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Arbeiten.[12] Lothar Kahn beschäftigte sich mit der schwierigen Beziehung zwischen Judentum und den Deutschen und suchte eine Erklärung für das schreckliche Geschehen während der Zeit des Nationalsozialismus auch in der deutschen Exilliteratur z. B. in seinen Arbeiten zu Lion Feuchtwanger.[13]

"Die Nachkriegsdeutschen verdanken Autoren wie Lothar Kahn viel, nämlich daß sie sich nach den Schrecknissen, die von diesem Land ausgegangen waren, in der Welt wieder sehen lassen durften." Hubert Ivo[14]
Lothar Kahn starb wenige Wochen bevor ihm die Johann-Wolfgang Goethe-Universität die Ehrendoktorwürde persönlich verleihen konnte. Posthum wurde sie ihm am 7. Mai 1990 in einer Feierstunde an der Central Connecticut State University verliehen.[15]
Die Erweiterte Realschule im Ortsteil Rehlingen der Gemeinde Rehlingen-Siersburg wurde am 29. März 2009 in Lothar-Kahn-Schule umbenannt.[16]
Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bücher
- Folklore of Other Lands Folk Tales, Proverbs, Songs, Rhymes and Games of Italy, France, the Hispanic World, and Germany. Koautoren Arthur Mark Selvi und Robert C. Soule, S.F.Vanni, New York 1956.
- Intermediate Conversational German. American Book Company, New York 1963.
- Mirrors of the Jewish Mind - A Gallery of Portraits of European Jewish Writers of our Time. Thomas Yoseloff, New York 1968.
- Stimmen aus deutschen Landen. Koautor Donald D. Hook, Van Nostrand Reinhold, New York 1972.
- Insight and action The life and work of Lion Feuchtwanger. Fairleigh Dickinson University Press, New York 1975.
- God, What People Have Said About Him. Jonathan David publications, New York 1980.
- Book of Insults & Irreverent Quotations. Koautor Donald D. Hook, Jonathan David publications, New York 1980.
- Death in the Balance: The Debate over Capital Punishment. Koautor Donald D. Hook, Lexington Books, Massachusetts 1989.
- Between Two Worlds: A Cultural History of German-Jewish Writers. Koautor Donald D. Hook, Iowa State University Press, Ames 1993.
Essays
- Teachers’ Guided Tours Abroad - A Frank Assessment, The Clearing House A Journal of Educational Strategies, Issues and Ideas, 1954.
- Michael Beer (1800–1833), Year Book Leo Baeck Institute London, 1967.
- Ludwig Robert Rahel’s Brother, Year Book Leo Baeck Institute London, Januar 1973.
- Moritz Gottlieb Saphir, Year Book Leo Baeck Institute London, Januar 1975.
- Ludwig Börne - First Jewish Champion of Democracy, Judaism New York, Oktober 1976.
- Daniel Lessmann, Year Book Leo Baeck Institute London, Januar 1978.
- The Talent of I. B. Singer - 1978 Nobel Laureate for Literature, World Literature Today Oklahoma, April 1979.
- The American Jew in the Eighties, Judaism New York, April 1981.
Zwischen 1956 und 1990 veröffentlichte Lothar Kahn Buchbesprechungen unter andern in folgenden Fachzeitschriften:[17]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Exile from Rehlingen/Saar Der Weg ins Exil – Erinnerungen eines Rehlingers. Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 2001. D. D. Hook (Vorwort), Werner Klemm (Herausgeber), Fritz Rüdell (Übersetzer), ISBN 978-3-930843-62-6
- Hubert Ivo: Nach 1945 Deutsch unterrichten. Ein Bericht lebens-, fach- und politikgeschichtlicher Verschränkungen, Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der Wissenschaften, 2002, ISBN 978-3-631393-85-7, S. 472–477
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Lothar Kahn in der Elihu Burritt Bibliothek der Central Connecticut State University
- Literatur von und über Lothar Kahn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lothar-Kahn Schule Gemeinschaftsschule Rehlingen-Siersburg
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Personen Detailseite | Digitales Gedenkbuch. Abgerufen am 14. Oktober 2026.
- ↑ Arrival Details. In: Statue of Liberty & Ellis Island Foundation. 30. März 2026, abgerufen am 14. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Klauck: Jüdisches Leben in der Stadt und im Landkreis Saarlouis. 2016, ISBN 978-3-933926-65-4, S. 290.
- 1 2 Lothar Kahn, Professor, 67. In: The New York Times. 27. Januar 1990, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 14. Oktober 2026]).
- ↑ The Dial. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 1947, S. 13 (handle.net).
- ↑ The Recorder. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 28. Oktober 1948, S. 1 (handle.net).
- ↑ Personen Detailseite | Digitales Gedenkbuch. Abgerufen am 14. Oktober 2026.
- ↑ Teachers College of Connecticut (Hrsg.): The Recorder. New Britain Connecticut 22. Oktober 1954, S. 1 (handle.net).
- ↑ The Recorder. Teachers College of Connecticut, New Britain Connecticut 24. September 1963, S. 31 (handle.net).
- ↑ Lothar Kahn, Donald D. Hook: Conversational German One. Litton Educational Publishing, Inc., 1976 (archive.org [abgerufen am 14. Oktober 2026]).
- ↑ Teachers College of Connecticut (Hrsg.): The Recorder. New Britain Connecticut 24. September 1963, S. 31 (handle.net).
- ↑ Connecticut State College (Hrsg.): Central Recorder. Connecticut 11. September 1973, S. 2 (handle.net).
- ↑ Werner Klemm (Hrsg.): Exile from Rehlingen/Saar Der Weg ins Exil – Erinnerungen eines Rehlingers. Mit einem Vorwort von Donald D. Hook. Saarländische Druckerei und Verlag, Saarbrücken 2001, ISBN 978-3-631-39385-7.
- ↑ Hubert Ivo: Nach 1945 Deutsch unterrichten. In: Beiträge zur Geschichte des Deutschunterrichts. Band 51. Lang, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-631-39385-7, S. 472–477.
- ↑ Ehrenpromotion posthum für Dr. Lothar Kahn. In: Johann Wolfgang Goethe-Universität (Hrsg.): Uni Report. Jahrgang 23, Nr. 4. Frankfurt am Main Juni 1990.
- ↑ Saarland Biografien. Abgerufen am 20. Oktober 2026.
- ↑ The Elihu Burritt Library at Central Connecticut State University. Abgerufen am 18. Oktober 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kahn, Lothar |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Hochschulprofessor, Autor und Literaturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 1. Juni 1922 |
| GEBURTSORT | Rehlingen/Saar |
| STERBEDATUM | 22. Januar 1990 |
| STERBEORT | West Palm Beach |