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Living Ghosts

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Living Ghosts
Livealbum von Michael Wollny

Veröffent-
lichung

28. Februar 2025

Aufnahme

2024

Label(s)

ACT

Format(e)

2 LP, CD, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

4

Länge

1:10:34

Besetzung

Aufnahmeort(e)

Ellipse, Illingen

Chronologie
Michael Wollny & Joachim Kühn: Duo
(2024)
Living Ghosts

Living Ghosts ist ein Musikalbum von Michael Wollny. Die 2024 live im Veranstaltungsort Ellipse in Illingen (Saar) entstandenen Aufnahmen erschienen am 28. Februar 2025 auf dem Label ACT.

Das Album ist eine Live-Aufnahme des Michael-Wollny-Trios mit Tim Lefebvre (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) auf Tournee in Deutschland im Jahr 2024. Die „Stücke auf der Bühne sind wie Erinnerungen an Personen, sie sind eigene Subjekte“, sagt Michael Wollny, der das Album seines Trios Living Ghosts genannt hat: „Kompositionen als lebende Geister, die die Musiker im Konzert besuchen und sich in die Musik einmischen“.[1]

  • Michael Wollny Trio: Living Ghosts (ACT 8010-2)[2]
  1. Set I: Nacht (Alban Berg) / Rufe in der horchenden Nacht (Paul Hindemith) 18:17
  2. Set II: Hauntology (Michael Wollny) / In a Sentimental Mood (Duke Ellington) / Little Person (Jon Brion, Charlie Kaufman) 19:36
  3. Set III: Hand of God (Nick Cave & Warren Ellis) / Lasse! (Guillaume de Machaut) 20:13
  4. Set IV: Willow’s Song (Paul Giovanni) / This West (Jeff Babko) 12:28

Kompositionen wie angegeben.

Nach Ansicht von Vic Albani, der das Album in All About Jazz rezensierte, präsentiert mit diesem Album „Living Ghosts“ eine Art Höhepunkt von mindestens einem Jahrzehnt musikalischer Arbeit mit seinem eingespielten Trio, zu dem noch der Kontrabassist Tim Lefebvre und der Schlagzeuger Eric Schaefer gehören. Wollny sei ein Pianist von seltener Musikalität, der es versteht, überraschende dynamische Intensitäten zu vermischen, indem er in einer ganz eigenen, in gewisser Weise schwer fassbaren Welt und auf ganz persönliche Weise agiere, in der sich Jazz, Klassik, Pop, Avantgarde und Improvisation zu unverkennbaren, ausgesprochen einzigartigen kreativen Rhythmen entfalten. Was jedoch beeindrucke, seien die Kreativität, der Groove, die Dynamik und die „Geschichten“, die das Trio erzähle und die den Zuhörer in eine tanzbare und verdammt faszinierende Welt entführen würden. Jarrett, Corea, Hancock, Mehldau, aber vor allem Paul Bley hätten das sehr gut vorgemacht.[3]

Michael Wollny (2010)

Living Ghosts würde deutlich mache, warum Wollny die jüngsten Konzerte der Gruppe als „Séancen“ bezeichnet, „bei denen uns die Geister des Songbuchs des Trios nach Belieben heimsuchen“, schrieb John Fordham (The Guardian). Es gebe keine Setlist, keine vereinbarten Arrangements und keine Vorausplanung, welche Stücke ineinander übergehen sollen oder wie lange sie dauern. Zwei Miniaturen zum Thema Nacht von Alban Berg und Paul Hindemith würden neu interpretiert in rasanten Solo-Klavierströmen, gestrichenen Bassläufen, einem stampfenden Rock-Drum-Puls und schließlich in vollem Postbop über Lefebvres schnellem Bass-Walk. Die harmonischen Anklänge (wenn auch nur ganz leicht in der Melodie) von Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“ weichen der bezaubernden Pop-Melodie von Jon Brions Ballade „Little Person“. Eine rasante Bearbeitung von Nick Caves „Hand of God“ steigere sich zu einem Wirbel aus sprunghaften Klavierläufen über einem marschierenden Trommelrhythmus, bevor hymnische Harmonien das Stück in Guillaume de Machauts „Lasse!“ verwandeln. Dies sei ein einmaliges Werk voller Überraschungen, aber von der Art, die es wert sei, immer wieder angehört zu werden – auf einem Album, das schon jetzt wie ein Highlight des Jahres 2025 klinge.[4]

Dies sei ein furioses Werk der drei Musiker, die sich blind verstehen, lobte Mauretta Heinzelmann im NDR. Sie würden ihren Ideen folgen, unterstützt durch die Energie des Publikums, überall hin: vom freien Fabulieren bis zum mitreißenden Groove. Hingabe sei der Schlüssel für diese faszinierende Musik und die wiederum weit über sich hinausweise.[1]

Dies sei „das Wiedersehen mit den Geistern ihres Trio-Liederbuches, mit alten Songs, die kurz auftauchen und schon nach wenigen Takten wieder verschwinden, oder bekannten Motiven, die sich plötzlich ausdehnen und neue Geschichten weben“, meint Reinhard Köchl (Jazz thing). Fast nichts wäre vorbestimmt. Sie würden einfach improvisieren und miteinander kommunizieren. Drei Musiker in gewachsener tiefer Vertrautheit. Vier lange Sets, eine Antithese auf Zapping und Fragmentierung, das Spiegelbild einer rasanten Entwicklung, mitreißend, intensiv, von überbordender Dynamik und grenzenloser Vielfalt. Ohne Vergleich. Oder vielleicht doch? Das Keith Jarrett Trio hätte sich auf einem ähnlichen Level befunden, aber Wollny, Lefebre und Schaefer wären jetzt schon weiter.[5]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Mauretta Heinzelmann: Jazzalbum des Monats: "Living Ghosts" von Michael Wollny. In: NDR. 25. Februar 2025, abgerufen am 29. März 2026.
  2. Michael Wollny Trio: Living Ghosts. In: Discogs. Abgerufen am 29. März 2026 (englisch).
  3. Vic Albani: Michael Wollny Trio: Living Ghosts. In: All About Jazz. 14. August 2025, abgerufen am 29. März 2026 (englisch).
  4. John Fordham: ‚Michael Wollny Trio: Living Ghosts review – exceptional free-improv seance, with added Nick Cave. In: The Guardian. 4. März 2025, abgerufen am 29. März 2026 (englisch).
  5. Reinhard Köchl: Michael Wollny Trio:Living Ghosts. In: Jazz thing. 31. März 2025, abgerufen am 29. März 2026.