linux4afrika
linux4afrika war ein Projekt, das in Deutschland veraltete, aber noch funktionsfähige Computer sammelte, diese umbaute und in ein Terminalserver-Netz einbaute, welches dann an Schulen in Afrika, insbesondere Tansania und Mosambik gespendet wurde. Projektträger war der Freiburger Verein FreiOSS. Als Software kam edubuntu zum Einsatz, eine Linux-Distribution, die eigens für Schulen zusammengestellt wurde. Die Projekthelfer arbeiteten ehrenamtlich und waren meist Informationstechnik–Fachleute.[1]
Die Spenden wurden in Lagern gesammelt und für den Einsatz vorbereitet. Standen genügend gespendete Rechner und Spendengelder für Server und Transport bereit, wurde ein Container mit 200 PCs, Monitoren, Tastaturen usw. beladen und mittels Spedition nach Tansania verschifft. Mit dieser Fracht konnten 10 Schulen in Tansania mit Computern ausgestattet werden.[2]
Tansania wurde ausgewählt, weil es dort seit über 40 Jahren keinen Krieg und keine Unruhen mehr gab, die Alphabetisierung bei über 90 Prozent liegt, die Menschen jedoch in tiefer Armut leben. Das durchschnittliche Einkommen liegt umgerechnet bei einem Euro pro Tag.[3][4]
Geschichtliche Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Projekt wurde im Jahr 2006 gegründet.
Mitte Juli 2007 konnte der erste Container mit Spenden-PCs gepackt werden, er traf Ende August in Tansania ein. Im Herbst 2007 zog das Projekt linux4afrika die Aufmerksamkeit der Bundesregierung auf sich und wurde in den Entwicklungshilfe-Ausschuss des Bundestages nach Berlin eingeladen.[5] Ab Dezember 2007 gab es eine Zweigstelle in Leipzig, durch die der Wirkungsraum des Projektes um Mitteldeutschland und Berlin erweitert werden konnte.
Am 20. Februar 2008 wurde linux4afrika von der Jury des Nationalkomitees der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als offizielles Dekade-Projekt 2008/2009 ausgezeichnet.[6] Am 26. Februar 2008 startete das Tansania-Projekt offiziell mit der Einweihung des ersten gespendeten Computerraums.[7] Am 27. Februar 2008 traf linux4afrika Mizengo Pinda, den Premierminister von Tansania.[8]
Am 27. Juni 2009 gaben das Projekt linux4afrika, die Linux-Distribution Skolelinux und das Terminalserver-System X2Go ihre Zusammenarbeit bekannt. Man erhoffte sich, dass Schulen, die Skolelinux einsetzen, aufgrund eines ähnlichen Systems eine Partnerschaft mit einer linux4afrika-Schule eingehen.[9]
Im Jahr 2024 wurde nochmal ein großes Update ausgerollt[10] und das Projekt abgeschlossen.[11]
Im Jahr 2025 wurde der Verein freioss.net aufgelöst und damit auch das Projekt linux4afrika beendet.[12]
Technischer Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für das Terminalserver-Netz auf LTSP–Basis wurde der Server (ein handelsüblicher PC) neu gekauft. Für jeden Computerraum wurden ca. 20 gespendete PCs (min. 64 MB RAM, AGP–Grafikkarte) als Thin Client umgerüstet, indem die Festplatten entfernt sowie die EEPROMs auf den Netzwerkkarten ausgetauscht wurden. Die alten PCs booten anschließend vollständig vom Server, sämtliche Berechnungen und Disk-I/O finden auf dem Server statt. Auf diese Weise konnte trotz alter Hardware auf den Schüler-PCs eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit gewährleistet werden.[13]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Markus Feilner: Im Land der Gnus. Zu Besuch bei Linux4afrika in Tansania. In: Linux-Magazin. Nr. 12, 2007, ISSN 1432-640X.
- Hans-Peter Merkel: Linux4Afrika – Ein Linux-Terminal–Server-Projekt. In: Bernd Lutterbeck, Matthias Bärwolff und Robert A. Gehring (Hrsg.): Open Source Jahrbuch 2008. Lehmanns Media, Berlin 2008, ISBN 978-3-86541-271-3, S. 325–333.
- Robert Seetzen: Linux für Afrika. In: heise open, 24. März 2010, 17:06 Uhr
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ linux4afrika.de ( vom 9. März 2016 im Internet Archive) die Vision
- ↑ Linuxtag 2007. In: 3sat.de. 1. Juni 2007 ehemals im (nicht mehr online verfügbar). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
- ↑ linux-magazin.de: Linux4afrika Ubuntu PCs für Tansania und Mozambique
- ↑ Mit Pinguin ins heiße Afrika ( vom 29. April 2008 im Internet Archive), Radiobeitrag in SWR3
- ↑ Markus Feilner: Linux4afrika in Bundestagsausschuss eingeladen. In: linux-magazin.de. 21. August 2007, abgerufen am 19. September 2026.
- ↑ Linux4Afrika erhält Auszeichnung als Dekade Projekt der UN-DEKADE 2008/2009
- ↑ Ein großer Tag für linux4afrika: Offizieller Projektstart in Tansania
- ↑ Markus Feilner: Linux4Afrika trifft Regierung von Tansania. In: linux-community.de. 29. Februar 2008, archiviert vom am 9. März 2008.
- ↑ X2go / Linux Terminal Server Projekt (LTSP) ( vom 15. Dezember 2009 im Internet Archive)
- ↑ Mission ´24 – Neue Hardware und Software für Ruaraka. 19. April 2024, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Es ist vollbracht. 27. April 2024, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Ein Ära geht zu Ende. In: linux4afrika.de. 21. Januar 2025, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Freie Softwarelösung für Afrika. In: ubuntuusers.de. 21. Mai 2007, abgerufen am 19. September 2026.