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Lilly Keller

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Lilly Keller, auch Lilly Keller-Grieb (* 19. Februar 1929 in Muri bei Bern; † 2. Januar 2018 in Thusis), war eine Schweizer Künstlerin.[1][2] Sie schuf während fast siebzig Jahren Hunderte von Werken, darunter auch Tapisserien und raumgreifende Installationen, die sie regelmässig in Museen und Galerien ausstellte. Keller gehörte ab Mitte der 1950er-Jahre zur legendären Berner Kunstszene.[3]

Lilly Keller wuchs als jüngstes von vier Geschwistern in gutbürgerlichen Verhältnissen in Muri auf. Ihr Vater, Johann Rudolf Keller (1888–1949), war promovierter Physiker und arbeitete beim Telegrafenamt der Post. Ihre Mutter Paulina (1893–1979) stammte aus der angesehenen Bündner Familie Casparis. Lillys Grossvater, Jakob Casparis (1852–1927), betrieb in Thusis ein Transport- und Kolonialwarenunternehmen.[4]

Lilly Keller besuchte von 1939 bis 1945 die Evangelische Mädchen-Sekundarschule, später die Fortbildungsklasse Höhere Töchterschule in Bern[4] und dann ein Lehrerinnenseminar.[5] Heimlich bewarb sie sich 1949 an der Kunstgewerbeschule Zürich für ein Grafik-Studium und wurde von Johannes Itten aufgenommen.[5] Drei Jahre später brach sie die Ausbildung ab und arbeitete fortan als freie Künstlerin. 1954 kehrte Keller nach Bern zurück, wo sie Kontakte zu Daniel Spoerri, Meret Oppenheim, Friedrich Kuhn, Peter von Wattenwyl und Leonardo Bezzola knüpfte. Im gleichen Jahr hielt sie sich mit Friedrich Kuhn und René Ed Brauchli in Sessa auf. Keller lernte 1955 Sam Francis kennen, der damals in Bern lebte und sie beeinflusste und förderte. Es folgten längere Aufenthalte in New York und London.

1962 heiratete sie den Künstler Toni Grieb und zog mit ihm in eine alte Mühle in Montet, das heute zu Cudrefin im Kanton Waadt gehört, wo sie einen botanischen Bambusgarten anlegten. Ende der 1970er-Jahre reiste Keller viel: 1976/77 zog es sie nach Persien, Afghanistan, Pakistan und Indien, 1977/78 nach Ägypten.

Im Herbst 2016 zog die 87-jährige Künstlerin nach Thusis um, wo sie als Kind regelmässig die Schulferien bei ihren Grosseltern mütterlicherseits verbracht hatte. Keller hatte das von ihrer Mutter geerbte Wirtschaftsgebäude mit Ställen und grosser Tenne ab 1981 in ein Wohnatelier umbauen und später erweitern lassen, das dann ihr neues Zuhause wurde.

Lilly Keller arbeitete ab 1953 vor allem mit textilen Materialien und Techniken. Die ersten Tapisserien sind stilistisch dem Informel zugewandt und aus Stoffen genäht. Nach anfänglich eher figurativen Arbeiten wandte sie sich bald geometrischen Formen zu. 1984 entdeckt sie den Werkstoff Glas für sich und realisierte mehrere Glasskulpturen. Später kamen Polyurethan und Polyester als Materialien für raumfüllende Reliefs hinzu. Mit Andres Bosshard integrierte sie auch Klang als Element ihrer Rauminstallationen. Ab 1991 rückten zunehmend ortsspezifische Interventionen in das Zentrum ihrer Arbeit und Natur und Landschaft gewannen grosse Bedeutung.[5]

Kellers Werke wurden von Schulen und anderen öffentlichen Geäbuden sowie von Privaten gekauft. Auch kämpfte sie für die Gleichstellung der Frau in der Kunst und im Kunstbetrieb.[3]

2014 widmete das Schweizer Fernsehen ihr und ihrem Bambusgarten den Film Il faut cultiver son jardin in der Reihe Sternstunden Kunst.[6]

Ausstellungen (Auswahl)

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  • 1961: Louise Aeschlimann-Stiftung, Preis für Lithografie.[6]
  • Andreas Bellasi, Ursula Riederer: Lilly Keller. Das Leben. Das Werk. Benteli, Bern 2010
  • Fredi Lerch: Lilly Keller. Künstlerin – Ein literarisches Porträt. Vexer, St. Gallen 2015
  • Lilly Keller. Arbeiten aus Jahrzehnten. Edition Z, Chur 2016

Einzelnachweise

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  1. Lilly Keller (1929–2018), abgerufen am 30. April 2024.
  2. Lilly Keller ist tot, suedostschweiz.ch, 4. Januar 2018, abgerufen am 5. Januar 2018
  3. 1 2 Ursula Riederer: Lilly Keller (1929-2018). In: Kunst und Kultur Graubünden: Bündner Jahrbuch. Band 61, 2019, S. 168169 (e-periodica.ch [abgerufen am 18. Mai 2026]).
  4. 1 2 Andreas Bellasi, Ursula Riederer: Ein Leben für die Kunst - und die künstlerische Freiheit: zum Schaffen von Lilly Keller. In: Bündner Jahrbuch: Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens. Band 56, 2014, ISSN 0524-9287, S. 29, doi:10.5169/seals-587160 (e-periodica.ch [abgerufen am 18. Mai 2026]).
  5. 1 2 3 Lilly Keller. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 80, De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-023185-4, S. 25.
  6. 1 2 Annelise Zwez: Keller, Lilly. In: Sikart (Stand: 1998), abgerufen am 5. Januar 2018.