Lepersonnit-(Gd) kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt warzenförmige Krusten und einzelne Kügelchen, die aus nadelförmigen Kristallen zusammengesetzt sind. Das durchsichtige bis durchscheinende Mineral ist von leuchtend gelber Farbe und zeigt auf den Kristalloberflächen einen glasähnlichen Glanz. Als eigenfarbiges (idiochromatisches) Mineral ist die Strichfarbe von Lepersonnit-(Gd) ebenfalls gelb, allerdings etwas blasser und heller.
Deliens und Piret sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1981 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1981-036[1]), die den Lepersonnit als eigenständige Mineralart anerkannte. 1987 wurden spezifizierte Regeln zum Verfahren unter Beteiligung der IMA-Kommission für neue Mineralien und Mineralnamen und Leitlinien für die Mineraliennomenklatur publiziert. In diesem Zusammenhang erhielten zahlreiche Minerale einen an die chemische Zusammensetzung angepassten Mineralnamen mit einem Suffix des jeweils dominanten Seltenerdelements. Entsprechend wurde Lepersonnit wurde in Lepersonnit-(Gd) und Bijvoetit in Bijvoetit-(Y) umbenannt.[9] Beide nach Umbenennung neu anerkannten Minerale werden seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1987 s.p.“ (special procedure) geführt.[2]
Da der Lepersonnit-(Gd) erst 1981 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/B.38-010. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Lepersonnit-(Gd) als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.38 bildet.[5]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lepersonnit-(Gd) in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Uranylcarbonate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Uranyl- (UO2) zu Carbonatkomplexen (CO3) oder der Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit SO4 oder SiO4“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.EG.10: bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Lepersonnit-(Gd) die System- und Mineralnummer 17.01.12.01. Dies entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Carbonate“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 17.01.12 innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Carbonate mit verschiedenen Formeln“ zu finden ist.
Durch seinen Urangehalt von bis zu 64% ist das Mineral zudem radioaktiv. Unter Berücksichtigung der natürlichen Zerfallsreihen bzw. vorhandener Zerfallsprodukte wird die spezifische Aktivität mit 114,61 kBq/g angegeben[6] (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g). Lepersonnit-(Gd) ist das einzige bekannte Mineral, in dem Gadolinium das Seltenerdmetall mit dem höchsten Anteil ist. Daneben enthält es größere Anteile Dysprosium und Yttrium sowie etwas Terbium.
Aufgrund der Toxizität und der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Lepersonnit-(Gd) nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen, aufbewahrt werden. Ebenso sollten eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.
Michel Deliens, Paul Piret:Bijvoetite et lepersonnite, carbonates hydratés d'uranyle et de terres rares de Shinkolobwe, Zaïre. In: The Canadian Mineralogist. Band20, 1982, S.231–238 (französisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 3.Dezember 2024] mit englischer Kurzbeschreibung).
Pete J. Dunn, Michael Fleischer, George Y. Chao, Louis J. Cabri, Joseph A. Mandarino:New mineral names. In: American Mineralogist. Band68, 1983, S.1248–1252 (englisch, rruff.info[PDF; 918kB; abgerufen am 3.Dezember 2024]).
Ernest H. Nickel, Joseph A. Mandarino:Procedures involving the IMA Commission on New Minerals and Mineral Names and guidelines on mineral nomenclature. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.1031–1042 (englisch, rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 3.Dezember 2024]).
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Lepersonnite-(Gd). In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 80kB; abgerufen am 3.Dezember 2024]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Lepersonnite-(Gd).In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.Dezember 2024(englisch).
↑Michel Deliens, Paul Piret:Bijvoetite et lepersonnite, carbonates hydratés d'uranyle et de terres rares de Shinkolobwe, Zaïre. In: The Canadian Mineralogist. Band20, 1982, S.231–238 (französisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 3.Dezember 2024] mit englischer Kurzbeschreibung).
↑Ernest H. Nickel, Joseph A. Mandarino:Procedures involving the IMA Commission on New Minerals and Mineral Names and guidelines on mineral nomenclature. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.1031–1042, Anhang Tabelle 2: Revised nomenclature for rare-earth-element minerals (deutsch: Überarbeitete Nomenklatur für Seltene-Elemente-Minerale) (englisch, rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 4.Dezember 2024]).