1880 kaufte Léon Delaroche das Blatt. Er gilt im Selbstverständnis der Zeitung als deren eigentlicher Gründer. Delaroche machte die Zeitung volksnaher und führte Lokalausgaben ein. Zudem modernisierte er die Herstellung. Innerhalb eines Jahres wuchs die Auflage von 5000 auf 75.000 Exemplare. 1881 zog das Unternehmen vom Charité-Krankenhaus in ein ehemaliges Theater in der Rue de la République um. Nach dem Tod Léon Delaroches am 11. November 1897 führte zunächst dessen Witwe bis 1903 die Geschäfte weiter; anschließend übernahmen ihre Neffen Henri und Léon Delaroche das Unternehmen. 1910 betrug die Auflage 200.000 Exemplare.[5]
Im Ersten Weltkrieg florierte das Blatt trotz kriegsbedingter Zensur. Unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überstieg die Auflage die Marke von 300.000 Exemplaren.[5]
Léon Delaroche starb 1940. Sein Schwiegersohn Émile Brémond übernahm die Leitung des Progrès und wurde sofort mit der Situation nach der Niederlage Frankreichs konfrontiert, d.h. der Zweiteilung Frankreichs in eine von Deutschland besetzte Zone im Norden und Westen des Landes und eine „freie“, d.h. nicht von deutschen Truppen besetzte Zone im Südwesten, in der das Vichy-Regime herrschte und zu der auch Lyon gehörte. Brémond und die Mehrheit der Beschäftigten der Zeitung standen dem Regime ablehnend gegenüber. Die der Zensur unterworfene Zeitung veröffentlichte nur noch amtliche Bekanntmachungen und erschien auf einem einzigen Blatt. Nachdem am 11. November 1942 die deutsche Wehrmacht in Lyon einmarschiert war, stellte Brémond die Zeitung ein. Am 12. November 1942 erschien die letzte Nummer bis zur Befreiung. In der Folge engagierten sich zahlreiche Beschäftigte des Progrès in der Résistance.[5]
Wegen seiner konsequenten Haltung gegenüber Vichy und Besatzern gehörte der Progrès bei der Befreiung Frankreichs zu den wenigen Zeitungen in Frankreich, die nicht wegen Kollaboration mit dem Feind amtlich aufgelöst wurden. Am 8. September 1944 erschien zum ersten Mal wieder eine Nummer. 1946 war wieder eine Auflage von 150.000 Exemplaren erreicht, und es gab 10 verschiedene Lokalteile.[5] Ende der 1940er Jahre war der Progrès die führende Tageszeitung in seinem Verbreitungsbereich und bediente in erster Linie die bürgerlich-republikanische, oft dem Parti radical nahestehende Leserschaft der gemäßigten Linken, während die kommunistische Klientel La Voix du Peuple las (die jedoch seit 1948 nur noch wöchentlich erschien). Der rechte und katholisch-konservative Teil des Spektrums wurde von La Liberté abgedeckt, die in 15 Départements und mit 21 Regionalausgaben erschien.[6]
Die 1950er und 1960er Jahre waren unter anderem durch einen jahrelangen Konkurrenzkampf zwischen dem Lyoner Progrès und der in Grenoble ansässigen, bei Kriegsende gegründeten Regionalzeitung Le Dauphiné libéré geprägt. Er endete im September 1966 zunächst mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen den beiden Unternehmen, in dessen Rahmen im technischen Bereich und im Werbegeschäft zusammengearbeitet wurde. Nachdem 1979 Jean-Charles Lignel die Leitung von Le Progrès übernommen hatte, wurde die Zusammenarbeit mit dem Dauphiné libéré wieder eingestellt. 1983 wurde Le Dauphiné libéré von der Mediengruppe Socpresse des Unternehmers Robert Hersant aufgekauft, der drei Jahre später auch Le Progrès erwarb.[7]
Die Onlineportal der Zeitung unter der Domain leprogres.fr existiert seit Mai 1996.[5]
2004 übernahm der Milliardär Serge Dassault (1925–2018) die Socpresse und damit die Kontrolle über ein Medienimperium, dem neben dem Progrès auch andere Regionalzeitungen und nationale Titel wie Le Figaro und L’Express angehörten.[7]
↑Abel Chatelain:Les données actuelles de la géographie des journaux lyonnais. In: Revue de géographie jointe au Bulletin de la Société de géographie de Lyon et de la région lyonnaise. Band24, Nr.3, 1949, S.189–200, doi:10.3406/geoca.1949.6749 (französisch, online auf persee.fr).