Zum Inhalt springen

Landauer Altar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Landauer Altar (Albrecht Dürer)
Landauer Altar
Albrecht Dürer, 1511
Öl auf Pappelholz
135× 123,4cm
Kunsthistorisches Museum Wien

Der Landauer-Altar (auch Dreifaltigkeitsaltar oder Allerheiligenbild) ist eine um 1511 geschaffene Arbeit Albrecht Dürers. Der Altar entstand für die kurz zuvor errichtete Allerheiligen-Kapelle des Zwölfbrüderhauses in Nürnberg. Rahmen und Altartafel werden heute getrennt voneinander in Museen in Nürnberg und Wien aufbewahrt.

Allerheiligenbild ("Landauer Altar")

Stifter und Auftraggeber war der Nürnberger Kaufmann Matthäus Landauer, der das Bild für den Neubau der Landauerkapelle des Zwölfbrüderhauses, eines Altersheims für zwölf unschuldig in Not geratene Handwerker, in Auftrag gab. Zur Ausstattung der Kapelle gehörten neben dem Altar Glasmalereien für die Fenster. Laut Hausordnung mussten die Bewohner als Gegenleistung für freie Kost, Logis und Kleidung täglich für das Seelenheil des Stifters beten, andernfalls drohte Mahlzeitenentzug. Zu den ersten Bewohnern des Zwölfbrüderhauses gehörte auch Landauer selbst.

Eine Zeichnung aus dem Jahr 1508 zeigt, dass der tabernakelartige Rahmen bereits Teil der Konzeption war. Der heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrte Schnitzrahmen war vermutlich in seiner Farbigkeit auf das Bild abgestimmt und wurde von Veit Stoß ausgeführt.[1] Dürer entwarf den Rahmen in Anlehnung an den gerade aktuellen norditalienischen Stil mit vollplastischen Säulen mit ionischen Kapitellen, die einen Rundbogengiebel tragen.

Dürer hat in diesem Werk Porträt, Selbstbildnis, religiöse Figuren, Landschafts- und Pflanzendarstellung eingearbeitet. In Komposition und Farbigkeit ist seine Orientierung an der (nord-)italienischen Malerei erkennbar, die Dürer von seinem Venedig-Aufenthalt bekannt war.

Das Originalbild wurde 1585 an Kaiser Rudolf II. verkauft und befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Der von Dürer entworfene Rahmen blieb aber in Nürnberg und befindet sich im Germanischen Nationalmuseum. In Wien wird eine moderne Kopie des Rahmens gezeigt.[2]

Selbstbildnis Dürers mit Schrifttafel

Thematisch bezieht sich der Landauer Altar auf die Heilige Dreifaltigkeit, der die Kapelle geweiht war. Das Gemälde wird meist als Vision des Gottesstaats nach dem Jüngsten Gericht gesehen, wie sie der Kirchenvater Augustinus in seiner Schrift De civitate Dei beschreibt.

Dürer hatte den Auftrag, für die "Allen Heiligen" geweihte Kapelle ein Altarbild zu malen, das die Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit durch die Gemeinschaft der Heiligen mit allen Christen zeigen sollte. Die Dreieinigkeit befindet sich in der Bildmitte: Gottvater thront auf den Wolken und hält den gekreuzigten Christus. Darüber schwebt der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube.

Die Dreieinigkeit selbst wird von Gruppen der Verehrenden umgeben: Die unterste Reihe zeigt links eine geistliche Hälfte mit Papst, Kardinal, Mönch und Nonne, und rechts eine weltliche mit Kaiser, König, Fürsten, Ritter, Bürger und Bauer. Der Stifter Matthäus Landauer steht im pelzverbrämten Mantel zwischen einem Kardinal und einem Bettelmönch. Der Ritter im goldenen Harnisch ist sein Schwiegersohn Wilhelm Haller.

Sich selbst hat Dürer ganz rechts unten mit einer antikisierenden Tafel (tabula ansata) dargestellt. Auf der Tafel steht die lateinische Inschrift: Albertus Durer Noricus faciebat anno a Virginis partu 1511. (deutsch: Albrecht Dürer aus Nürnberg hat es geschaffen im Jahre 1511 nach der Jungfrauengeburt.).

Der Kunsthistoriker Johann Konrad Eberlein stellt in seiner Dürer-Biografie dazu fest:

„Das Erscheinen des Künstlers in Gestalt eines irdischen Zeugen des Geschehens trägt zur Objektivierung der komplexen visionären Inhalte der Werke bei.“[3]

Der nach Dürers Entwurf von Veit Stoß ausgeführte Rahmen folgt dem Vorbild des Ädikula-Rahmens, wie er nach seinen Anfängen in Florenz zu Beginn des 15. Jahrhunderts um 1500 auch in Norditalien üblich war.

Thema der bildlichen Gestaltung ist das Weltgericht; im Giebelfeld ist Christus als Weltenrichter zu sehen. Ihm zur Seite stehen Maria und Johannes als Fürsprecher der Menschheit. Zu beiden Seiten blasen kleine Posaunenengel in Fanfaren. Im Fries ist links der Zug der Erlösten dargestellt, die von Engeln zur Sonne geleitet werden, rechts dagegen werden die Verdammten von Teufeln zur Hölle getrieben. In der Mitte ist ein Kampf um die Seele eines am Boden liegenden Auferstandenen dargestellt. Am unteren Teil des Rahmens ist eine Inschrift angebracht, die von zwei Familienwappen der Landauer begleitet ist.

Commons: Allerheiligenbild (Dürer) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Conzen, Bilderrahmen. Stil-Verwendung-Material, München 1983
  2. khm.at
  3. Johann Konrad Eberlein: Albrecht Dürer. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-50598-3.