Der Begriff Tiefensensibilität (auch propriozeptive Wahrnehmung) bezeichnet die Wahrnehmung bestimmter Reize aus dem Körperinneren. Abhängig von der Lage der Rezeptoren wird ihr die Oberflächensensibilität gegenübergestellt. Die Tiefensensibilität wird der Interozeption zugeordnet und liefert die für die Propriozeption wesentlichen Informationen:
Lagesinn (oder Positionssinn[1]), der Informationen über die Position des Körpers im Raum und die Stellung der Gelenke und des Kopfes liefert
Kraftsinn, der Informationen über den Spannungszustand von Muskeln und Sehnen liefert
Bewegungssinn (oder Kinästhesie, von altgriechischκινέωkineō, deutsch ‚bewegen, sich bewegen‘ und altgriechischαἴσθησιςaisthēsis, deutsch ‚Wahrnehmung, Erfahrung‘), durch den eine Bewegungsempfindung und das Erkennen der Bewegungsrichtung ermöglicht wird.
Die Propriozeption nimmt Informationen aus Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln auf. Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum, durch spezifische Rezeptoren (Propriozeptoren) registrierte Informationen über Muskelspannung (Golgi-Sehnenorgan), Muskellänge (Muskelspindel) und Gelenkstellung beziehungsweise Bewegung werden zum Teil auf Rückenmarkebene (monosynaptisch) verschaltet (propriozeptive Reflexe).
Die Propriozeption wird dem Gehirn über die Tractus spinocerebellares anterior et posterior sowie die Hinterstrangbahnen zugeleitet.
Franz-Viktor Salomon: Nervensystem, Systema nervosum. In: Franz-Viktor Salomon, Hans Geyer, Uwe Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-1007-7, S. 464–577.