Kummel
Ein Kummel (aus schwedisch ett kummel „das Kummel“) ist eine als Landmarke konstruierte Navigationshilfe für die Schifffahrt. Kummel finden sich heute besonders häufig in den Schären entlang der Küsten von Finnland und Schweden, wo sie in den amtlichen Seekarten verzeichnet sind und oft die Form eines weiß gekalkten Steinmännchens haben.[1][2]
Form und Funktion
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Kummel sind unbefeuerte aus der Ferne sichtbare Tagessichtmarken wie Baaken. In der Regel sind sie aber kleiner und stehen anders als Baaken immer an Land (bzw. auf einer kleinen Schäre oder aus dem Wasser ragenden Untiefe). Sie werden durch Eis nicht zerstört oder verschoben.
Kummel werden in die amtlichen Seekarten aufgenommen, weil sie die Navigation unterstützen, besonders bei schlechter Sicht. Sie befinden sich immer an markanten Stellen.[3] Und da sie normalerweise an tief gehenden Ufern platziert sind, können Schiffe sich ihnen relativ sicher nähern.[3] Kümmel können die Landspitze einer Insel oder eines Fahrwasserarms markieren oder Stellen, an denen sich zwei Fahrwasser kreuzen oder Nebenfahrwasser abgehen, auch zusätzlich zur regulären Betonnung.[4][5]
Oft sind Kummel lose als Steinmännchen aus herumliegenden Steinen konstruiert, aber größere Kummel können auch gemauert sein. Die traditionellen Kummel in Form von Steinmännchen kann durch andere Konstruktionen ersetzt werden. Das können gegossene Betonkegel, Gullyringe aus Beton, Schilder (manchmal mit Buchstaben markiert), Holz- oder Stahlkostruktionen oder sogar Farbmarken auf Felsen sein. Strukturen stillgelegter Seezeichen, wie etwa weiß gestrichene Betonfundamente ehemaliger Leuchttürme, können ebenfalls als Kümmel fungieren und auf Seekarten markiert werden.[6]
Die Organisation zur internationalen Kooperation der Seezeichenverwaltungen (International Association of Lighthouse Authorities) führt Kummel nicht als offizielle Seezeichen. Aber Form und Funktion von Kummel werden in den „Definitionen von Sicherheitseinrichtungen auf Wasserstraßen“ der finnischen Verkehrs- und Kommunikationsbehörde Traficom beschrieben.[7] Entsprechend dieser Handreichung sind „Tafelkummel“ (finnisch levykummeli) und „Lichtkummel“ (valokummeli) zwei verschiedene Unterarten.
Tafelkummel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein „Tafelkummel“ stellt eine Tafel mit lichtreflektierender Oberfläche dar und kann mit einem numerischen oder alphabetischen Symbol versehen sein. Das Reflektormaterial erscheint bei Tageslicht grau.
Lichtkummel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein „Lichtkummel“ ist durch ein Fassadenlicht extern beleuchtet, damit es nachts besser erkennbar wird.
Name
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das schwedische Wort kummel wird – neben dem Seezeichen – für Steinmännchen oder Steingräber in Form von abgeflachten Kegeln verwendet. Es geht auf älteres Nordgermanisch zurück und ist formal und inhaltlich verwand mit dem altschwedischen Wort kumbel, das ein Steinmännchen zur Markierung einer Ansiedlung bezeichnet, sowie dem in schwedischen Runeninschriften belegten altostnordischen Wort kumbl „Röse“. Über die Etymologie des Wortes über das Nordgermanische hinaus herrscht keine Einigkeit, aber die ursprüngliche Bedeutung ist möglicherweise „Zeichen, Markierung“.[8]
Der Name der Insel (sowie der gleichnamigen Gemeinde) Kumlinge auf Åland – dokumentiert seit dem 15. Jahrhundert in Formen wie Cumblinge (1478), Kumlinge (1484), Cwmblinge (1537), Kumblinga (1543) und Kumblingh (1547) – kann mit dem Wort kummel verbunden werden. Aber es ist nicht geklärt, ob das Seezeichen oder die Bedeutung Grabröse zugrunde liegt.[9]
Der schwedische Name des Seezeichens wurde als kummeli ins Finnische entlehnt.[10] Die amtlichen Seekarten in Finnland übersetzen es als cairn ins Englische.[11] Im Dänischen und Norwegischen[12] wird das Wort varde verwendet, das auch Steinmännchen im Allgemeinen bezeichnet. Im Russischen wird guri (гурий) verwendet, das ebenfalls „Steinmännchen“ bedeutet.[13][14][15]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben dem Kreidfeuer (schwedisch vårdkase oder kase, finnisch roihu) ist das Kummel wahrscheinlich das älteste im Norden verwendete Seezeichen.[16] Beide wurden an markanten Stellen errichtet, um weit sichtbar zu sein.
Die Topographie spielte seit jeher eine wichtige Rolle für die Navigation in der Schifffahrt. Neben natürlichen Landmarken dienen auch Bauwerke der Orientierung, etwa Kirchtürme seit alters her und Windkraftanlagen seit deren Aufkommen. Als topographische Seezeichen angelegte Kummel kommen bereits in Quellen aus der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter zur Erwähnung.[17]
Auf der kleinen Insel Pörsting im südlichen Teil von Kuorsalo im Finnischen Meerbusen konnten Archäologen ein Kummel rekonstruieren, das dort vor „mindestens einigen Jahrhunderten“ errichtet worden war.[18]
Erst in jüngerer Zeit wurden zentrale Organisationsstrukturen in Schweden und Russland etabliert (Finnland ist als Staat selbständig erst seit 1917), die für das Errichten und Unterhalten von Seezeichen verantwortlich waren. Zuerst wurde ein System von sorgfältig konstruierten und entlang der wichtigsten Ostseefahrwasser errichteten Kummel geschaffen. Besonders häufig waren 1,5 bis 2 Meter hoch gemauerte Steinmännchen mit steilen Wänden, aber die imposantesten Kummeltürme waren fast 10 Meter hoch.[17]
Noch heute finden sich entlang der Küsten Schwedens und Finnlands sehr viele Kummel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der staatlich geförderte Bau von Kummeln aufgegeben, und die Anzahl der Baaken nahm allmählich zu.[17]
Auch wurden viele historische Kummel wurden zerstört oder durch Konstruktionen in nicht originalen Materialen und Formen ersetzt. Weil die historischen Kummel als Baudenkmäler angesehen werden können, gibt es Initiativen zu deren Kartierung und baulicher Unterhaltung.[17]
Bekannte Kummel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]So wie die Kummel in Nordeuropa dienten die Albertsdorfer Steine auf Fehmarn den aus dem Fehmarnsund einsegelnden Schiffe lange als Navigationshilfe. Das Bauwerk (eigentlich ein vorzeitliches Großsteingrab) war zur Seeseite weiß gekalkt und der Deckstein mit einem weißen Kreuz versehen. Seit 1896 übernimmt der Leuchtturm Strukkamphuk die Funktion der ursprünglichen Landmarke.[19]
Auf der Insel Ulsholms kalv (direkt südöstlich von Ulsholmen) hat es lange ein markantes Seezeichen gegeben. Im Jahr 1829 war dort eine 18 Meter hohe Baake aus Holzstangen errichtet worden, die aber 1892 durch ein bis heute gut erhaltenes Kummel aus Stein ersetzt wurde. Es ist gekalkt mit einem schwarzen Mittelstreifen. Mit neun Meter Höhe ist es eines der höchsten Kummel im schwedischen Bohuslän.[20]
Ein ungewöhnlicher Kummel steht in den ostschwedischen Schären am Hafen von Påskallavik.[2] Es ist eine angemalte Holzfigur mit dem Namen Röde gubben („Rotes Männchen“).
- Röde gubben
- Ulsholmens kalv
- Großsteingrab Alversteen
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johnny Söderlund: Sjömärken — vägvisare och kulturminnen. Statens maritima museer, Stockholm 2007 (schwedisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kummel, fyrwiki – Svenska Fyrsällskapets Lexikon (schwedisch)
- Historische Seezeichen - Kullen auf YouTube, 19. November 2022, abgerufen am 7. August 2025.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Pauliina Penttilä: Kummeli on pimeä merkki. In: Helsingin Sanomat. 11. Oktober 2000 (finnisch, hs.fi [abgerufen am 6. August 2025]).
- 1 2 Sönke Roever: Schweden: Tipps fürs Segeln in den Schären. In: blauwasser.de. 5. November 2024 (blauwasser.de [abgerufen am 31. Juli 2025]).
- 1 2 Esa Sirkiä: 6. Väylän merkintä. In: Veneväylien suunnitteluohje (= Merenkulkulaitoksen julkaisuja. Band 9). Merenkulkulaitos, Helsinki 2006, ISBN 978-951-49-2120-9, S. 13–19.
- ↑ Lasse K. Kivekäs: Veneenohjaajan käsikirja. Suomen Moottoriveneliitto, Helsinki 1980, 18.
- ↑ Jaakko Ollaranta: Veneilykoulu − Kummelit ja linjamerkit sinisellä merikartalla. In: Vene (lehti). Band 38, Nr. 6, 2004, 24 (finnisch).
- ↑ Kummel. In: fyrwiki – Svenska Fyrsällskapets Lexikon. Abgerufen am 26. Mai 2026 (schwedisch).
- ↑ Liikennevirasto (Hrsg.): Vesiväylien turvalaitemääritelmät. Dnro 3256/090/2014. 18. Juni 2014, S. 5 (finnisch, traficom.fi [PDF]).
- ↑ Birgitta Ernby: 1 kummel. In: Norstedts etymologiska ordbok. Norstedts Akademiska Förlag, 2008, 344 (schwedisch).
- ↑ Kumlinge, Kumlinge. In: Finlandssvenska bebyggelsenamn. (schwedisch, sls.fi [abgerufen am 6. August 2025]).
- ↑ kummeli. In: Suomen etymologinen sanakirja (= Kotimaisten kielten keskuksen verkkojulkaisuja. Band 72). Kotimaisten kielten keskus, Helsinki 2021 (finnisch, kotus.fi [abgerufen am 31. Juli 2025] CC-BY).
- ↑ Merkkien selitys – Teckenförklaring – Explanation of symbols. (finnisch, schwedisch, englisch, traficom.fi [PDF; abgerufen am 26. Mai 2026]).
- ↑ Kjerstad, Norvald: sjømerker i Store norske leksikon på snl.no. Hentet 7. august 2025 fra https://snl.no/sj%C3%B8merker
- ↑ Условные знаки морских карт и внутренных водных путей. Министерство обороны СССР Главное управление навигации и океанографии, Ленинград 1985 (russisch, gov.ua [PDF; abgerufen am 26. Mai 2026]).
- ↑ А. В. Окороков, П. В. Боярский: Навигационные знаки Русского Севера: кресты, маяки, гурии. Институт Наследия, Москва 2022, ISBN 978-5-86443-408-6, doi:10.34685/HI.2022.15.25.001 (russisch, heritage-institute.ru [PDF; abgerufen am 26. Mai 2026]).
- ↑ Е. Л. Березович, И. И. Муллонен: К семантико-этимологической реконструкции заимствованных «культурных слов»: поморское гурий ‘знак-ориентир из камня’. In: Вопросы языкознания. Band 6, 2022, S. 21–43, doi:10.31857/0373-658X.2022.6.21-43 (russisch, ruslang.ru [abgerufen am 26. Mai 2026]).
- ↑ Underrättelser om Fyrar, Känningsbåkar och andra Sjömärken på svenska kusten ifrån Haparanda till norska gränsen, med 15 stycken planscher. Andra förnyade och tillökta upplagan, efter Kongl. Förvaltningens af Sjö-Ärendena beslut, utgifven af Lots-Direktörs-Embetet år 1852. P.A. Norstedt & Söner, Kongl. Boktryckare, Stockholm 1852 (schwedisch).
- 1 2 3 4 Museifarleden. In: turunmaanseutu.fi. Region Åboland r.f., archiviert vom am 17. Dezember 2011; abgerufen am 31. Juli 2025 (schwedisch).
- ↑ Тимо Миеттинен: Изменение картины железного века на северном побережье восточной части финского залива. In: Славяне и финно-угры. Археология, история, культура. Санкт Петербург 1997, S. 62–70, 65 (russisch, archeo.ru [PDF; abgerufen am 7. August 2025]).
- ↑ Albertsdorfer Steine. In: deutsche-leuchtfeuer.de. Abgerufen am 31. Juli 2025.
- ↑ Ted Knapp, Miko Söderlund: Längs kusten i Bohuslän: skrönor och fakta för båtfarare och andra skärgårdsälskare. Warne, Sävedalen 2005, ISBN 91-86425-84-6 (schwedisch).