Knuddels
| Knuddels | |
| Knuddels der Chat: Chatten. Flirten. Spielen. | |
| Sprachen | deutsch |
|---|---|
| Betreiber | Knuddels GmbH & Co. KG, Karlsruhe |
| Redaktion | Holger Kujath, Mathias Retzlaff, Mirko Strauß (Gesellschafter) |
| Registrierung | notwendig (anonym, ab 16 Jahre)[1] |
| Online | seit 9. Sep. 1999 |
| Knuddels | |
|---|---|
| Basisdaten
| |
| Entwickler | Knuddels GmbH & Co. KG |
| Aktuelle Vorabversion | 10.2 |
| Betriebssystem | unabhängig |
| Programmiersprache | Java, JavaScript, TypeScript, React |
| Kategorie | Chat |
| Lizenz | proprietär |
| deutschsprachig | ja |
| www.knuddels.de | |
Knuddels ist eine Online-Community im deutschsprachigen Raum, die 1999 gegründet wurde. Nutzer können Konten erstellen und sich innerhalb verschiedener, meist themenbezogener Chaträume mit anderen Nutzern austauschen. Der Onlinedienst stand wegen seines Missbrauchspotenzials, insbesondere aufgrund Cyber-Groomings und sexueller Belästigung, mehrmals in der Kritik. Im Jahr 2018 wurde ein umfangreicher Hack bekannt, bei dem 1,8 Millionen personenbezogene Daten illegal kopiert wurden.
Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entstehung und frühe Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Knuddels ging am 9. September 1999 online.[2] Das Angebot entstand als Studentenprojekt von Holger Kujath und Mathias Retzlaff sowie Mirko Strauß. In den folgenden Jahren entwickelte sich Knuddels zur größten sozialen Onlineplattform in Deutschland[3] mit zeitweise bis zu 6,5 Millionen registrierten Benutzern. Davon waren rund vier Millionen innerhalb eines Monats aktiv, etwa ein Drittel der Nutzer gehörte der Altersgruppe zwischen 14 und 17 Jahren an.[4]
Heute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stand 2025 verzeichnet die Plattform rund 90.000 aktive Benutzer pro Tag. Das Mindestalter für Neuanmeldungen beträgt 18 Jahre.[5] Bereits 2002 wurde Knuddels mit dem Publikumspreis des Deutschen Internet Awards NEO ausgezeichnet.[6] Zudem erschien der Dienst zwischen 2005 und 2007 in der Google-Statistik der am häufigsten aufgerufenen deutschsprachigen Webseiten.[7][8][9]
Nach eigenen Angaben beschäftigte die Knuddels GmbH & Co. KG im Jahr 2025 über 50 Mitarbeiter. Die Finanzierung des Dienstes erfolgt durch kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften, Werbeeinblendungen sowie den Verkauf virtueller Güter. Knuddels positioniert sich als Nischenanbieter für Dating, Freundschaft und Spiele für Nutzer ab 18 Jahren.[10]
Jugendschutz und Struktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach öffentlicher Kritik an unzureichenden Jugendschutzmaßnahmen leitete Knuddels ab 2005 verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ein und gründete ein ehrenamtlich tätiges Jugendschutzteam. Im Jahr 2007 beteiligte sich Knuddels gemeinsam mit Lycos Europe, RTL interactive und weiteren Anbietern an der Gründung der Initiative Selbstkontrolle Chat unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter.[11]
Seit 2023 arbeitet Knuddels mit dem Bundeskriminalamt zusammen, um durch präventive und repressive Maßnahmen zu verdeutlichen, dass der digitale Raum kein rechtsfreier Raum ist.[12] Die forensische Relevanz der Plattform führte 2025 zur Entwicklung eines speziellen Analysemodells für cloudbasierte Messenger durch Forscher der Hochschule Mittweida.[13] Eine Black-Box-Privacy-Analyse von 105 Messengern durch die TU Braunschweig aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass bei Knuddels keine Hinweise auf eine serverseitige Analyse privater Chat-Inhalte vorlagen.[14]
Ein zentrales Strukturmerkmal der Plattform stellt das ehrenamtliche Engagement dar. Nutzer übernehmen administrative und moderierende Aufgaben innerhalb eines gestaffelten Systems der Selbstverwaltung.[15][16] Die Nominierung und Wahl solcher ehrenamtlichen Funktionen erfolgt durch langjährig aktive Mitglieder der Plattform.
Im Unterschied zu vielen sozialen Netzwerken nutzt Knuddels keine Zwei-Faktor-Authentisierung. Dies gilt weiterhin als Problemfeld im Spannungsbereich zwischen Anonymität und Sicherheit. Zwar können sich Nutzer mittels Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Profilfoto verifizieren lassen, diese Verifizierung ist jedoch für andere Mitglieder nicht sichtbar, etwa durch ein Kennzeichen wie einen „blauen Haken“. Laut Knuddels „[…] berechnet sich [die Echtheit] aus mehreren Faktoren, die täglich neu berechnet werden.“ Nähere Angaben zur Funktionsweise dieses Verfahrens veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Spendenaktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über die Plattform wurden wiederholt Spendenaktionen organisiert, darunter 2010 zugunsten des Kinderhilfswerks UNICEF[17] sowie 2012 zugunsten der Amadeo Antonio Stiftung.[18]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cybergrooming und Jugendschutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Knuddels sah sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, Minderjährige nicht hinreichend vor sexueller Belästigung und deren Anbahnung (Cybergrooming) zu schützen. Im Zusammenhang mit der Nutzung der Plattform kam es in verschiedenen Fällen zu Missbrauchsfällen und weiteren Straftaten, die strafrechtlich verfolgt wurden.[19][20][21]
Im Jahr 2021 thematisierte das RTL-Spezial Angriff auf unsere Kinder mutmaßliche Fälle von Cybergrooming auf der Plattform.[22] Der Beitrag wurde nach einer von Knuddels angestrengten Klage wegen beanstandeter Mängel in der Berichterstattung gerichtlich untersagt und in der Folge vom Sender entfernt.[23]
Als Reaktion auf die Vorwürfe führte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt KI-gestützte Systeme zur Früherkennung potenzieller Straftaten ein.[24] Nach Angaben des Unternehmens habe sich die Zahl der festgestellten Straftaten zum Nachteil Minderjähriger im Zeitraum von Juni 2023 bis September 2025 infolge dieser Maßnahmen um 93 Prozent verringert.[1]
Unabhängig davon weisen Elternratgeber auf ein mögliches Suchtpotenzial der Plattform hin, das insbesondere Kinder und Jugendliche betreffen könne. Kritisiert werden dabei Belohnungsmechanismen wie das Sammeln virtueller Güter oder das Erreichen eines höheren Community-Status.[25]
Datendiebstahl 2018
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im September 2018 wurden infolge eines Cyberangriffs rund 1,8 Millionen Nutzerdatensätze entwendet, darunter Klarnamen, E-Mail-Adressen sowie unverschlüsselt gespeicherte Passwörter.[26] Aufgrund der Speicherung von Passwörtern im Klartext, was einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung darstellt, verhängte der Landesbeauftragte für den Datenschutz Baden-Württemberg ein Bußgeld in Höhe von 20.000 Euro. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde handelte es sich dabei um die erste in Deutschland verhängte Geldbuße nach der DSGVO.[27] Das Unternehmen erklärte, bei der Aufklärung des Vorfalls mit den Behörden zusammenzuarbeiten und technische sowie organisatorische Verbesserungen umgesetzt zu haben.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Marie-Claire Koch: Ende von Cybergrooming: Knuddels nutzt KI-Filter für mehr Sicherheit. In: heise.de. 12. September 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Interview).
- ↑ Johannes Drosdowski: 30 Jahre World Wide Web: Megageile Kükenfarm. In: Die Tageszeitung: taz. 30. April 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ heise online: Ende von Cybergrooming: Knuddels nutzt KI-Filter für mehr Sicherheit. 12. September 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Anna Gröhn: Was wurde aus Knuddels: So hat sich der Chat von früher verändert. In: Der Spiegel. 9. November 2016, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ heise online: Ende von Cybergrooming: Knuddels nutzt KI-Filter für mehr Sicherheit. 12. September 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ heise online: Internet-Award geht an Flirtseite. 5. Dezember 2002, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Googeln, knuddeln, Janet schauen – Zeitgeist im Spiegel der Suchmaschine: Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Unterhaltungselektronik, in Salzburger Nachrichten vom 3. Januar 2006, S. 8.
- ↑ Googles Zeitgeist, in: manager-magazin.de vom 19. Dezember 2006.
- ↑ iTunes vor iPhone und iPod; Google Zeitgeist zeigt die meistgesuchten Begriffe des Jahres, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Dezember 2007, S. 19.
- ↑ heise online: Ende von Cybergrooming: Knuddels nutzt KI-Filter für mehr Sicherheit. 12. September 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ heise online: Chat-Anbieter verpflichten sich zu mehr Jugendschutz. 5. November 2007, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ heise online: Knuddels arbeitet mit Bundeskriminalamt und KI gegen Cybergrooming. 7. August 2023, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Johanna Breck, Jenny Felser, Lukas Jaeckel, Michael Spranger: A Forensic Analysis Model for Remote-Persistent Messengers using the Example of the Chat Platform Knuddels. Gesellschaft für Informatik e. V., 2025, S. 387 (gi.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Robin Kirchner, Simon Koch, Noah Kamangar, David Klein, Martin Johns: A Black-Box Privacy Analysis of Messaging Service Providers’ Chat Message Processing. In: Proceedings on Privacy Enhancing Technologies. Band 2024, Nr. 3, Juli 2024, ISSN 2299-0984, S. 674–691, doi:10.56553/popets-2024-0099 (petsymposium.org [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Tim Eichler: Von Zufallschats zu Communities: Wie sich Online-Kommunikation verändert. In: Münster Aktuell. 28. August 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Gemeinsam gegen Extremismus und für Aufklärung! Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ UNICEF: 081128: AIDS-Unterschriftenübergabe. Archiviert vom am 17. Februar 2009; abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Große Spendenaktion 2012 – Für Toleranz & Akzeptanz – Knuddels.de-Forum. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Susi Wimmer: Prozess um Kindesmissbrauch in München: Peter F. suchte sein Opfer auf „Knuddels“. In: sueddeutsche.de. 29. August 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Lisa Klebaum: 81-Jähriger will kleinen Mädchen schreiben – chattet aber mit alten Männern. In: schwaebische.de. 16. Februar 2024, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Toni Blasey: Sohn von BVB-Star vor Gericht – war er Teil mehrerer Raubüberfälle? In: wa.de. 11. August 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Das Experiment: Eine Frau gibt sich im Netz als Kind aus. Dann kommen die Männer. 17. Mai 2021, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Knuddels wehrt sich erfolgreich vor Gericht gegen RTL | Knuddels Help Center. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ André Westphal: Knuddels und das Bundeskriminalamt kooperieren für mehr Sicherheit für Jugendliche. In: stadt-bremerhaven.de. 17. Juni 2023, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Knuddels birgt Risiken von Sextalk bis Cybergrooming. In: Schau Hin. Abgerufen am 23. November 1025.
- ↑ Friedhelm Greis: IT-News für Profis. In: Golem.de. 11. September 2018, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ dpa: Passwörter im Klartext: 20.000 Euro Bußgeld nach DSGVO gegen Knuddels.de. In: heise online. 22. November 2018, abgerufen am 20. Oktober 2025.
