Klabusterbeere
Klabusterbeeren sind die umgangssprachliche, ursprünglich aus der Landwirtschaft stammende Bezeichnung für an den Haaren um den Afterbereich klebende, aus Kotresten bestehende Kügelchen.
Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Verb „klabustern“ kommt sowohl im Plattdeutschen vor, wo es für „geräuschvoll laufen“ oder „Krach machen“ steht, als auch im Schlesischen, wo es „kleben“ oder „kleistern“ bedeutet.[1] Im Pfälzischen existiert darüber hinaus das Substantiv „Klabaster“, mit dem eine breiige Masse oder ein klebriger Schmutz bezeichnet werden. Das Wörterbuch der deutschen Umgangssprache des Pons-Verlags sieht eine Wortherkunft von „klamüsern“ in der Bedeutung von „mühsam absuchen“ sowie „kleben“ und legt das Aufkommen des Wortes auf den Anfang des 19. Jahrhunderts fest.[2]
Für den Begriff „Klabusterbeeren“ gibt es keine allgemein anerkannte Definition; verschiedene Quellen liefern leicht unterschiedliche Varianten. Konsens ist, dass der Begriff ursprünglich aus der Landwirtschaft stammt. Der Duden definiert sie als „in den Haaren am After klebendes, getrocknetes Klümpchen Kot“ bei Tieren, insbesondere Schafen.[3] Das Rheinische Wörterbuch benennt Klabusterbeeren für Teile des Rheinlands als Synonym für „Klabuster“ (in der allgemeinen landwirtschaftlichen Bedeutung von „Klabusterbeeren“) sowie für den Raum Elberfeld als scherzhafte Bezeichnung für Hämorrhoiden.[4] Der Begriff ist älter als die vom Pons-Verlag dargelegte Erstverwendung des herleitenden Begriffs „klabustern“: Die Altpreußische Monatsschrift lieferte 1887 als Definition „getrocknete Dreckklümpchen (...) in Beerengestalt, meist in der Wolle der Schafe“.[5] Die österreichische Drogisten-Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 7. Januar 1897 von einem Schlangenöl-Skandal, bei dem ein Apotheker ein wirkungsloses „Klabusterbeeren-Infusum“ anbot. Die Zeitung behauptete, dass der Begriff zuvor nirgends verwendet worden sei.[6]
Abseits einer möglichen Herkunft des Begriffs aus regionalen sprachlichen Räumen ist der Gegenstand hinter dem Begriff natürlich international und existiert auch in anderen Sprachen; im Englischen heißen Klabusterbeeren beispielsweise dingleberries, im Spanischen los tarzanitos und im Schwedischen kånkelbär.
Klabusterbeeren bei Menschen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im übertragenen Sinne wird der Begriff auch für menschliche Kotkügelchen verwendet. Das öffentlich-rechtliche Online-Netzwerk Funk bezeichnet menschliche Klabusterbeeren als ein Konglomerat aus Fusseln und „manchmal auch“ Exkrementen, das sich in Körperbehaarung rund um den Anus verfangen kann.[7] Das Sprachportal Redensarten-Index.de gibt für die Fusseln als Komponenten Toilettenpapierreste, Haare und Kleidungsfasern an und definiert das Reiben der Haut und mangelnde Hygiene als Ursachen.[8] Aufgrund der im Durchschnitt stärkeren Körperbehaarung sind sie häufiger bei Männern anzutreffen.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Punkband aus Halle (Saale) nannte sich in Anlehnung an die Kotkügelchen Klabusterbären.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ BremenEins.de: Klabusterbeeren (Kotklumpen). (Autor: Markus Weise). Abgerufen am 30. Dezember 2023.
- ↑ Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Pons-Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-12-570600-9, S. 417.
- ↑ Duden.de: Klabusterbeere. Abgerufen am 30. Dezember 2023.
- ↑ Woerterbuchnetz.de: Klabuster bis Klacks. Abgerufen am 30. Dezember 2023.
- ↑ Alexander Treichel: Volksthümliches aus der Pflanzenwelt. In: Rudolf Reicke, Ernst Wichert (Hrsg.): Altpreußische Monatsschrift. Band 24, 1887, S. 594.
- ↑ Klabusterbeeren-Infusum aus der Apotheke. In: Drogisten-Zeitung. Band 23, Nr. 1, 7. Januar 1897, S. 5.
- ↑ Funk.net: Was sind Klabusterbeeren? Abgerufen am 30. Dezember 2023.
- ↑ Redensarten-Index.de: Klabusterbeeren. Abgerufen am 30. Dezember 2023.