Schnellzug mit Lok der Reihe 280 beim Wasserfassen
Die topographischen Besonderheiten Österreichs als Gebirgsland und die steigenden Zuggewichte sorgten bald dafür, dass die Reihe170 für den Schnellzugdienst auf den Bergstrecken zu schwach war. Karl Gölsdorf schuf daraufhin speziell für Schnellzüge auf der Arlbergbahn die fünffach gekuppelte Lokomotivreihe280 mit Vierzylinder-Verbundtriebwerk. Da die schwachen Brücken nicht mehr Gewicht zuließen, war die Achsmasse auf 13,8t zu beschränken. Gölsdorfs Entwurf ist daher ein Paradestück des Lokomotivleichtbaus.
Ähnlich wie bei der Reihe110 wurde der zweite Kesselschuss konisch erweitert, um mehr Dampfraum zu erhalten. Der eingebaute Clench-Dampftrockner bewährte sich nicht und wurde nach 1918 wieder entfernt. Die Maschinen erhielten, wie fast alle am Arlberg eingesetzten Lokomotiven, eine Ölzusatzfeuerung, um die Rauchentwicklung in den Tunnels zu vermindern.
Auf der Arlberg-Ostrampe mit 26-‰-Steigung beförderten die 280er einen 280t-Zug (entsprechend sieben voll besetzten Vierachsern) mit 32km/h. Bei Probefahrten wurden in der Ebene 92km/h erreicht. Bei 50km/h leisteten die 280er 1650PS.
Durch den Siegeszug der Heißdampflokomotiven bedingt, wurden keine weiteren 280er von der kkStB bestellt.
Nach dem Ersten Weltkrieg kamen alle drei Maschinen zur BBÖ, die zwei Exemplare auf Heißdampf umbaute, sie aber mangels Erfolg 1929/30 ausmusterte.
Die dritte Maschine überlebte nur ein Jahr länger.
Die Südbahn beschaffte 1908 (zwei Stück) und 1911 (drei Stück) der Reihe280 für den Bergdienst am Brenner. Die Lokomotivfabrik Floridsdorf trat dabei als Lieferant auf. Nach 1918 wurden diese fünf Maschinen den FS zugeteilt, die sie als Reihe478 einordneten. 1945 gingen mit der Abtretung Istriens davon zwei an die JDŽ als07-16 und 17.
Verzeichnis der Lokomotiven, Tender, Wasserwagen und Triebwagen der k. k. österreichischen Staatsbahnen und der vom Staate betriebenen Privatbahnen nach dem Stande vom 30. Juni 1917. 14.Auflage, Verlag der k. k. österreichischen Staatsbahnen, Wien 1918.