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King’s Observatory

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(Weitergeleitet von Kew Observatory)
Südansicht des King’s Observatory (2024)

Das King’s Observatory (deutsch „Observatorium des Königs“), auch Kew Observatory („Kew‑Observatorium“) nach dem angrenzenden Stadtteil Kew genannt, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude (Grade I) in der britischen Hauptstadt London und ein ehemaliges Observatorium.

Luftaufnahme des heutigen Royal Mid-Surrey Golf Club (Blick­richtung Süd­westen): Das Obser­va­to­rium ist als helle Struk­tur rechts neben dem Teich unter­halb der Trag­fläche zu erkennen (2024)

Es steht im Old Deer Park („Alter Wildpark“) im Londoner Stadtteil Richmond, heute auf dem Gelände des Royal Mid‑Surrey Golf Club (siehe unten). Keine 2 km nordöstlich davon liegen die Königlich Botanischen Gärten von Kew.

Nachdem im Jahr 1760 König Georg III. (1738–1820) den Thron bestiegen hatte, wünschte er sich ein Observatorium. Er interessierte sich generell für die Wissenschaften und wollte insbesondere ein seltenes astronomisches Ereignis beobachten: den für 1769 vorhergesagten Venustransit. Dieses Himmelsphänomen faszinierte Astronomen in aller Welt und dessen präzise Beobachtung würde es ermöglichen, die Entfernung zwischen Erde und Sonne und damit die Größe des Sonnensystems genauer zu bestimmen.

Zeit­genössischer Bericht[1] zum Venus­transit vom 3. Juni 1769

Als Bauplatz wurde ein knapp 3 ha (7 ac) großes Gelände am Südufer der Themse ausgewählt, das Richtung Norden einen freien Blick über den Fluss auf das Syon House bietet. Capability Brown (1716–1783) wurde als Landschaftsarchitekt bestimmt und der renommierte Architekt Sir William Chambers (1723–1796) erhielt den Auftrag, das Gebäude zu errichten. Letzterer war ein Bewunderer des italienischen Architekten Andrea Palladio (1508–1580) und kannte den schwedischen Astronomen Anders Celsius (1701–1744), der 1740 das Observatorium in Uppsala gestaltet hatte.

Der Bau des Königlichen Observatoriums wurde gerade rechtzeitig fertig: König und Königin konnten am Abend des 3. Juni 1769 den Venustransit beobachten.

In den folgenden Jahren unter Georg III., der bis zu seinem Tod 1820 herrschte, diente das Observatorium auch als Schulgebäude für die Ausbildung seiner Kinder. Ferner beherbergte es als Schatzkammer auch eine Vielzahl von Objekten, die großteils bis heute erhalten sind, darunter die Königliche Uhrensammlung, eine Erzsammlung „aus den Bergwerken Seiner Majestät in den deutschen Wäldern“ sowie mathematische Instrumente. Die Teleskopkuppel ist die älteste erhaltene ihrer Art weltweit.[2]

Im Jahr 1843 wurde Francis Ronalds (1788–1873), ein Pionier der elektrischen Telegrafie und einer der ersten Elektroingenieure, zum Leiter des Observatoriums ernannt. Er arbeitete hier unter anderem an der systematischen Erfassung meteorologischer Daten mittels Fotografie und entwickelte eine Kamera, die automatisch zeitliche Abfolgen von Wetterphänomenen, insbesondere zu atmosphärischer Elektrizität, aufnehmen konnte.[3]

Der Wissenschaftsbetrieb hier wurde 1980 eingestellt.[4]

Royal Mid-Surrey Golf Club

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Das Gebäude befindet sich nun in Privatbesitz und ist umgeben vom Golfplatz des Royal Mid-Surrey Golf Club (RMSGC). Dieser wurde 1892 gegründet und war von Anfang an für Männer und Frauen zugänglich. Traditionell fühlt er sich dem britischen Königshaus eng verbunden. König Georg V. (1865–1936) verlieh dem Club 1926 den königlichen Status (Royal) als sein Sohn, der damalige Prince of Wales und spätere König Eduard VIII. (1894–1972), dort Kapitän wurde.[5]

Der Platz verfügt über 36 Spielbahnen, die auf zwei Kurse (englisch courses) aufgeteilt sind, einen etwas älteren äußeren und einen inneren. Beide sind nach ehemaligen Mitgliedern benannt, John Henry Taylor (1871–1963) und Pamela Barton (1917–1943), und verfügen über jeweils 18 Löcher:

  • JH Taylor – Der äußere Kurs führt vom Clubhaus durch eine Parklandschaft mit Blick auf das ehemalige Observatorium von König Georg III. und auf die Königlich Botanischen Gärten von Kew mit ihrer markanten Pagode. Er weist Par 69 auf und eine Länge von 5600 m.[6]
  • Pam Barton – Mit Par 68 und 5050 m ist der innere Kurs etwas kürzer, bietet aber selbstverständlich die gleiche Lage und Aussicht wie der erste.[7]
  • John Cloake: The King’s Observatory – Old Deer Park, Richmond. (englisch, kingsobservatory.co.uk [PDF; 2,4 MB] Volume 1 – Report, Text and Appendices).
  • John Cloake: The King’s Observatory – Old Deer Park, Richmond. November 2009 (englisch, kingsobservatory.co.uk [PDF; 12,0 MB] Volume 2 – Plans and Illustrations).
Commons: King’s Observatory – Sammlung von Bildern
Commons: Royal Mid-Surrey Golf Club – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Georgian Papers Exhibition – King’s Observations. (PDF; 1,1 MB) 2016, S. 21; (englisch).
  2. RJF Brothers: Welcome to The King’s Observatory Website. In: King’s Observatory. Mai 2024, abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).
  3. Archives Biographies – Sir Francis Ronalds 1788–1873. In: The IET. 2025, abgerufen am 28. Oktober 2025 (englisch).
  4. John Cloake: The King’s Observatory – Old Deer Park, Richmond. S. 3 (englisch, kingsobservatory.co.uk [PDF; 2,4 MB] Volume 1 – Report, Text and Appendices).
  5. Welcome to Royal Mid-Surrey Golf Club. Our Heritage. In: RMSGC. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  6. J H Taylor. In: RMSGC. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  7. Pam Barton. In: RMSGC. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).

Koordinaten: 51° 28′ N, 0° 19′ W