Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften
Der Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (kurz KdiH) ist ein Langzeitprojekt zur Erschließung illuminierter mittelalterlicher Handschriften. Seine wichtigstens Ergebnisse sind Handschriftenbeschreibungen, die in Form gedruckter Kataloge und/oder einer Datenbank (‚KdiH digital‘) publiziert werden.
Das Projekt geht auf einen Plan von Hugo Kuhn von 1959 zurück und wurde von Hella Frühmorgen-Voss ab 1963 entwickelt; nach ihrem Tod 1972 übernahm Norbert H. Ott die Leitung.[1][2] Ein wichtiges Ziel war die Erforschung von Bild/Text-Bezügen im Rahmen der germanistischen Mediävistik, insbesondere der Überlieferungsgeschichte, durch eine systematische Erschließung der Buchmalerei und damit der Ikonographie bestimmter Werke. Dafür sollten alle bis ca. 1500 entstandenen deutschsprachigen illuminierten Handschriften, die weltweit nachweisbar sind, durch einheitliche Kataloge erschlossen werden. Erfasst werden dabei auch Handschriften, die nur teilweise deutschsprachig sind, sowie gedruckte, aber von Hand illustrierte Bücher; auch in zeitlicher Hinsicht wurde die Grenze eher großzügig gezogen. Als ‚illustriert‘ sollten Handschriften auch dann gelten, wenn sie ungewöhnlich aufwändige Zierinitialen, nachträgliche Zeichnungen oder eingeklebte Holzschnitte enthielten; selbst Handschriften ohne Buchmalerei, die aber (erkennbar an leeren Seiten und Verweisen im Text) zur Ausmalung vorgesehen waren, werden erfasst.[3] Damit ist das Corpus des Katalogs größer, als in der kunsthistorischen Forschung zu Buchmalerei üblich.
Das Projekt ist an der Bayerische Akademie der Wissenschaften angesiedelt und wird von unterschiedlichen Drittmittelgebern finanziert.[4][5] Die erste Lieferung des ersten Katalogbands wurde 1986 veröffentlicht; Stand 2026 ist der letzte Band im Erscheinen. Ein Teil der Bände wurde nachträglich digitalisiert und wird als pdf-Datei zur Verfügung gestellt; neuere Beschreibungen werden von Anfang an in eine entsprechende Datenbank eingepflegt.
Der auf 12 Bände angelegte gedruckte Katalog ist nach Themen geordnet. Ursprünglich waren 142 Stoffgruppen von ‚Ackermann aus Böhmen‘ bis ‚Zerstörung Jerusalems‘ geplant, von denen einige im Laufe der Zeit zusammengelegt worden sind (z. B. ist die Stoffgruppe ‚Breviarien‘ entfallen, weil sie unter den ‚Gebetbüchern‘ mitbehandelt wird), andere ersatzlos entfallen sind (z. B. ‚Wappenbücher‘), wieder andere neu hinzukamen (z. B. ‚Spiele‘). Stand Juni 2026 sind die Stoffgruppen 1 bis 134 (‚Thomasin von Zerklaere, Der Welsche Gast‘) durch gedruckte Bände des Katalogs erfasst. Die digitale Fassung wird ebenfalls nach diesen Stoffgruppen geordnet und publiziert, Stand Juni 2026 sind die Stoffgruppen 1 bis 106 online im Rahmen der Projekt-Datenbank verfügbar.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrike Bodemann: Zum Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 131 (2009), S. 318–325. doi:10.1515/bgsl.2009.030.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Hans Fromm: Vorwort. In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters. Begonnen von Hella Frühmorgen-Voss. Fortgeführt von Norbert H. Ott zusammen mit Ulrike Bodemann und Gisela Fischer-Heetfeld. Band 1, Lfg. 1: 1. 'Der Ackermann aus Böhmen' – 2. Alchemie. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Kommission beim Verlag C.H. Beck, München 1986, S. [1].
- ↑ James A. Rushing, Jr.: [Rezension zu] Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters by Hella Frühmorgen-Voss, Norbert H. Ott by Hella Frühmorgen-Voss, In: Speculum 64 (1989), S. 945–947. doi:10.2307/2852887.
- ↑ Norbert H. Ott: Hinweise für den Benutzer. In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters. Begonnen von Hella Frühmorgen-Voss. Fortgeführt von Norbert H. Ott zusammen mit Ulrike Bodemann und Gisela Fischer-Heetfeld. Band 1, Lfg. 1: 1. 'Der Ackermann aus Böhmen' – 2. Alchemie. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Kommission beim Verlag C.H. Beck, München 1986, S. 3–12. hier S. 3.
- ↑ Interdisziplinäre Text-Bild-Forschung zum deutschsprachigen Mittelalter. In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH). Bayerische Akademie der Wissenschaften, 2026, abgerufen am 24. Juni 2026.
- ↑ Projektgeschichte. In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH). Bayerische Akademie der Wissenschaften, 2026, abgerufen am 24. Juni 2026.
- ↑ KdiH-Struktur: Aufbau nach Stoffgruppen. In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH). Bayerische Akademie der Wissenschaften, 2026, abgerufen am 24. Juni 2026.