Zum Inhalt springen

Karl Axenfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Karl Georg Theodor Axenfeld (* 6. März 1869 in Smyrna; † 11. Juni 1924 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Geistlicher, Missionstheologe, Direktor der Berliner Missionsgesellschaft und wirkte zuletzt als Generalsuperintendent der Kurmark.

Karl Theodor Georg Axenfeld wurde am 6. März 1869 in Smyrna, dem heutigen türkischen Izmir, als Sohn des preußischen Konsulatspfarrers Julius Axenfeld (1834–1896) und dessen Ehefrau Luisa Antonia, geb. Link, geboren. Nach der Versetzung von Julius Axenfeld in eine Pfarrstelle in Godesberg wuchs Karl dort auf und besuchte das Gymnasium in Bonn.

Axenfeld studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin in Berlin zunächst Rechtswissenschaften und Geschichte, dann Theologie ebenfalls in Bonn und an der Friedrichs-Universität in Halle (Saale). Nachdem er in Halle und in Magdeburg die theologischen Prüfungen „mit besonders gutem Erfolge“ bestanden hatte, wurde er am 26. September 1894 ordiniert. Begegnungen während des Studiums mit Martin Kähler, Gustav Warneck, Julius Richter und dem Baseler Missionsinspektor Friedrich Würz sowie das Engagement seines Vaters im Vorderen Orient weckten in Axenfeld das Interesse für die Weltmission, seine schwache Gesundheit hinderte ihn jedoch, selbst Missionar in Übersee zu werden.

Berufliche Laufbahn

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axenfeld erhielt seine erste Pfarrstelle in Erdeborn bei Eisleben. Sein Interesse für die Weltmission führte 1902 zur Ernennung als Sekretär der Berliner Missionsgesellschaft für die Provinz Sachsen. Somit der Missionsleitung In Berlin bekannt, berief diese ihn 1904 zum Inspektor des neu errichteten Heimatdezernates.

Tätigkeiten in der Berliner Missionsgesellschaft

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seinem Hauptamt unterrichtete er am Missionsseminar das Fach Neues Testament, warb medizinisches Personals für die Arbeit in Deutsch-Ostafrika an, beteiligte sich 1906 an der Gründung des „Berliner Vereins für ärztliche Mission“, und gründete 1905 den „Nyassabund evangelischer Jungfrauenvereine für weibliche Krankenpflege der Berliner Mission in Ostafrika“[1]. 1908 übernahm er die Leitung der Ostafrika-Arbeit in der Nachfolge des in den Ruhestand getretenen Alexander Merensky. 1910 nahm Axenfeld an der ersten Weltmissionskonferenz in Edinburgh teil[2], im Oktober des Jahres auch am deutschen Kolonialkongress im Berliner Reichstag.[3] Trotz angeschlagener Gesundheit trat er 1912 eine ausgedehnte Inspektionsreise nach Deutsch-Ostafrika an. 1913 wählte die Missionsleitung Axenfeld einstimmig zum Nachfolger des emeritierten Missionsdirektors Martin Gensichen. Unter Axenfelds Direktorat gelang der Abbau einer Schuldenlast von 900.000 Mark, gleichwohl kam die Arbeit der Berliner Mission in Übersee und in der Heimat durch den Ersten Weltkrieg fast völlig zum Erliegen. Es gelang ihm jedoch, in geschickten Verhandlungen – vor allem mit der englischen Siegermacht – den Fortbestand der Missionsarbeit in Afrika zu ermöglichen. Mit Hilfe der Vereinigten Lutherischen Kirche in Amerika verhandelte er erfolgreich auch den Fortbestand der Mission in China. Als Sachverständiger für Kolonial-, Missions- und kirchliche Angelegenheiten wurde er 1918 in die deutsche Friedensdelegation berufen, die den Friedensvertrag Deutschlands mit den Siegermächten vorbereitete. Hier setzte sich Axenfeld auch erfolgreich für die Rechte der evangelischen Gemeinden im nun polnischen Posen und Oberschlesien ein. Ende 1920 trug ihm der Evangelische Oberkirchenrat die Leitung einer Generalsuperintendentur an. Axenfeld nahm die Wahl für das Gebiet der Kurmark zögerlich an, blieb aber der Berliner Missionsgesellschaft als Mitglied des leitenden Komitees weiter verbunden.

Tätigkeit als Generalsuperintendent

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem neuen Amt – dem eines Bischofs vergleichbar – setzte er sich weiter für die Gemeinden in den an Polen abgetretenen Gebieten ein und arbeitete an der neuen Kirchenverfassung mit, die 1924 in Kraft trat und die alte landesherrliche Kirchenverfassung ersetzte. Neben repräsentativen Aufgaben wie Kircheneinweihungen und dem Auftreten bei Jubiläen setzte er in seinem Amt auch volksmissionarische Akzente im ländlichen Bereich der Kurmark. Axenfelds angeschlagene Gesundheit beschied ihm allerdings nur eine kurze Amtszeit als Generalsuperintendent. Er verstarb „nach langem, schweren Leiden“, so seine Witwe in der Todesanzeige, am 11. Juni 1924 im Lazarus Diakonissenhaus in Berlin. Nach einer Aufbahrung im Missionshaus in der Georgenkirchstraße und der Trauerfeier in der gegenüberliegenden Bartholomäuskirche wurde er am 14. Juni 1924 auf dem Georgenkirchhof am Berliner Tor beigesetzt. Die Preußische Zeitung ehrte ihn mit den Worten: „Mit ihm verliert die preußische Landeskirche eine überragende Führerpersönlichkeit von glänzenden Fähigkeiten und einer unbeugsamen Festigkeit des Willens“.[4]

1894 heiratete Axenfeld in Halle die Tochter des dortigen Universitätsprofessors Friedrich Ludwig Wilhelm Herbst, Hedwig Herbst. In der Ehe wurden sechs Kinder, drei Töchter und drei Söhne geboren.

  • Otto Fischer: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg seit der Reformation. Verzeichnis der Geistlichen in alphabetischer Reihenfolge Band II/1. Berlin : Mittler, 1941 S. 428.
  • Thomas Karzek: Von der Missionsleitung in die Kirchenleitung. Der Missionsdirektor und Generalsuperintendent Karl Axenfeld (1869–1924). In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Missionsgeschichte e.V. Neue Folge/Nummer 91. Berlin 2026
  • Siegfried Knak: Axenfeld, Karl. Eintrag in: In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 2. Auflage. Band 1, Mohr-Siebeck, Tübingen 1927, Sp. 692f
  • Siegfried Knak: Nachruf. In Berliner Missionsberichte. Berliner Missionsgesellschaft (Hrsg.) Nr. 7/Juli 1924. Berlin 1924 Sn 81–86
  • D. J. Schneider: Totenschau. In: Kirchliches Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands. Gütersloh 1926, Bertelsmann S. 700.

Veröffentlichungen (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Graf von Zinzendorf und Samuel Lieberkühn oder die Arbeit der evangelischen Brüdergemeinde an Israel. Cöln 1873, Schriften-Verein für Israel
  • Die jüdische Propaganda als Vorläuferin und Wegbereiterin der urchristlichen Mission In: Missionswissenschaftliche Studien (Festschrift für Gustav Warneck). Berlin 1904: Verlag von Martin Warneck.
  • Der Aethiopismus in Süd-Afrika. Berlin 1907: Wilhelm Süsserott
  • Küste und Inland. Ein Überblick über die Entwicklung und die Aufgaben der Berliner Mission in Deutsch-Ostafrika. 2., vornehmlich für den Gebrauch in Missions-Studien-Kränzchen. Berlin, Buchhandlung der Berliner evangelischen Missions-Gesellschaft, 1912
  • Deutschlands Kampf für die Freiheit der christlichen Mission. Vortrag bei der fünften Tagung der Deutschen Evangelischen Missions-Hilfe am 8. April 1919 in Berlin. Berlin-Steglitz 1919: Verlag der Deutschen Evangelischen Missions-Hilfe

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Hellmut Lehmann Zur Zeit und zur Unzeit. Geschichte der Berliner Mission 1918–1972. Berliner Missionswerk (Hrsg.). Berlin 1989 S. 278
  2. Hellmut Lehmann: 150 Jahre Berliner Mission. Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission. Erlangen 1974 S. 113
  3. Thomas Tews: Das „Wir“ und das „Die“. Wie koloniale Denkmuster die Migrationsdebatte prägen. In: grundrechtekomitee.de, abgerufen am 4. Mai 2026.
  4. Nachruf in Rubrik „Kirche und Schule“ Preußische Zeitung Ausgabe 271 vom 12. Juni 1924. Berlin 1924