Kanaille
Kanaille [] (frz.), auch Canaille, ist ein Schimpfwort und bedeutet so viel wie „gemeiner Kerl“ oder „Schurke“. Es wurde im 17. Jahrhundert aus dem Französischen (canaille) ins Deutsche übernommen. Dort stammt es vom italienischen canaglia (Hundemeute) ab, was wiederum auf lateinisch canis (Hund) zurückgeht.
Canaille wurde auch lange Zeit als herabsetzende Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen benutzt („Pack“, „Pöbel“, „das niedere Volk“) und wurde durch die Französische Revolution zu einem Geusenwort, das diejenigen zu einer ehrenden Selbstbezeichnung umdeuteten, die gegen das Ancien Régime kämpften (siehe auch das französische Lied La Canaille).
Im Deutschen ist die kollektive Bedeutung nur noch wenig bekannt. Der Ausdruck „jemanden en canaille behandeln“ wird für ein offen despektierliches, verächtliches Verhalten gebraucht.
Heute noch zitiert wird das im Gespräch mit Hermann Bahr geäußerte Urteil Theodor Mommsens über den Antisemitismus: „Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, dass man da überhaupt mit Vernunft etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst. Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Hass und den eigenen Neid, auf die schändlichsten Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. [...] Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz - ob es nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon ist, das macht keinen Unterschied: Canaille bleibt Canaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canaille.“[1]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joachim Heinrich Campe: Canaille. In: ders.: Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke. Ein Ergänzungsband zu Adelungs Wörterbuche. 2., verbesserte und mit einem dritten Band vermehrte Auflage. Braunschweigsche Schulbuchhandlung, Braunschweig / Franz Xaver Miller, Grätz 1808 (Erstausgabe 1801), Band 1: A–E. S. 164, Digitalisat, OCLC 15737865.
- Adolf Josef Storfer: Kanaille. In: ders.: Wörter und ihre Schicksale. Atlantis, Berlin / Zürich 1935; Nachdruck: Vorwerk 8, Berlin 2000, ISBN 3-930916-37-1, S. 204 f., Digitalisat.
- Henning Scheffers: Höfische Konvention und die Aufklärung. Wandlungen des Honnête-homme-Ideals im 17. und 18. Jahrhundert (= Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik. Band 93). Bouvier, Bonn 1980, ISBN 3-416-01587-X (Dissertation, Technische Universität Berlin, 1978), Kapitel I. 4: L’honnête homme und la canaille oder die Kunst, am Hof zu gefallen (Nicolas Faret). S. 37–56, besonders S. 53–56.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jacques Schuster: Canaille bleibt Canaille, in: Welt am Sonntag Nr. 4, 28. Januar 2024, S. 10.