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Julius Morel

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Julius (Gyula) Morel (* 17. Dezember 1927 als Gyula Morel in Budapest, Königreich Ungarn; † 30. September 2003 in Rum (Tirol)) war ein österreichisch-ungarischer Soziologe und Jesuit. Er war Professor für Soziologie an der Universität Innsbruck.

Julius Morel besuchte das Katholische Universitätsgymnasium Budapest. 1944 wurde er als Soldat eingezogen. Im April 1945 flüchtete er nach Österreich, wurde kurze Zeit später verhaftet und wieder nach Budapest zurückgeschickt. Ende 1945 schloss er seine Schulausbildung ab und trat Mitte 1946 in den Jesuitenorden ein. 1948 begann er in Szeged ein Philosophie-Studium und versuchte Ende des gleichen Jahres in die Niederlande zu fliehen. Er wurde jedoch an der Grenze verhaftet und zu sechs Monaten Haft verurteilt. 1949 gelang ihm schließlich über Innsbruck die Flucht nach Italien, wo er in Chieri nahe Turin sein Philosophiestudium weiterführte, das er 1952 am Jesuitenkolleg Louvain-Eegenhoven in Belgien abschloss. Von 1954 bis 1958 studierte er Theologie in Louvain-Eegenhoven und in Chantilly, Frankreich. 1957 wurde er zum Priester geweiht.

Von 1959 bis 1962 absolvierte Morel an der Universität Wien ein Soziologie-Studium, das er mit einer Dissertation (Gesellschaftlicher Strukturwandel in Ungarn zwischen 1930 und 1960)[1] bei August Maria Knoll abschloss. Hier gründete er 1958 das Ungarische Kirchensoziologische Institut, das seit 2010 als Österreichisches Institut für Ungarische Studien firmiert. 1961 wurde ihm die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Nach dem Studienabschluss in Wien übersiedelte er nach München, wo er bis 1967 als Studentenseelsorger tätig war. 1968 habilitierte er sich für Soziologie und Religionssoziologie an der Universität Innsbruck und wurde hier 1969 zum ordentlichen Professor für Soziologie berufen. 1996 wurde Morel emeritiert.[2][3]

Sein Werk lässt sich nach seinem Schüler Tamás Meleghy durch drei Grundgedanken charakterisieren: erstens ein emanzipatorisches Anliegen, das die soziale Ordnung als menschengemachtes, veränderbares Produkt sichtbar machen will und den Menschen die Möglichkeit der Emanzipation öffnet. Zweitens strebte Morel, in der Tradition Max Webers, nach einer klaren Trennung von wissenschaftlicher Analyse und politischer Wertung. Der Soziologe könne zwar fachlich, nicht aber ideologisch eine Autorität gegenüber seinen Schülern ausüben. Drittens verstand er Soziologie als eigenständige Wissenschaft mit einem spezifischen Gegenstandsbereich, nämlich den normativen Regeln der Gesellschaft, deren systematische Erforschung dem Fach mehr Prägnanz und Professionalität verleihen sollte.[2]

Diese Konzeption legte er vor allem in seinen beiden Hauptwerken Enthüllung der Ordnung (1977) und Ordnung und Freiheit (1986) dar. Bekannt wurde er zudem durch das mit Innsbrucker Kollegen verfasste, mehrfach aufgelegte Lehrbuch Soziologische Theorie, das zentrale Theorieansätze anhand ihrer Hauptvertreter darstellt.

Nach seiner Emeritierung wandte sich Morel verstärkt religions- und kirchensoziologischen Fragen zu.

Werke (Auswahl)

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  • Julius Morel: Enthüllung der Ordnung: Grundbegriffe und Funktionen der Soziologie. Tyrolia-Verl, Innsbruck Wien München 1977, ISBN 978-3-7022-1269-8.
  • Julius Morel: Ordnung und Freiheit. Die soziologische Perspektive. Tyrolia, Innsbruck 1986, ISBN 978-3-7022-1611-5.
  • Julius Morel: Grundkurs der Soziologie. Österreichische Hochschülerinnenschaft an der Universität Innsbruck, Innsbruck 1987.
  • Julius Morel: Glauben hat Zukunft: Persönliche Wege einer neuen Sinnfindung. Tyrolia, Innsbruck 1998, ISBN 978-3-7022-2132-4.
  • Julius Morel, Eva Bauer, Helmut Staubmann, Heinz-Jürgen Niedenzu, Max Preglau, Tamás Meleghy: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. 9. aktualisierte und erweiterte Auflage. de Gruyter, Oldenbourg 2015, ISBN 978-3-486-71865-2.
  • Tamás Meleghy, Heinz-Jürgen Niedenzu, Max Preglau: Normen und soziologische Erklärung. Tyrolia, Innsbruck / Wien 1987, ISBN 978-3-7022-1647-4, S. 221.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Josef Morel: Gesellschaftlicher Strukturwandel in Ungarn zwischen 1930 und 1960. In: Universitätsbibliothek Wien. Universität Wien, 1962, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. 1 2 Tamás Meleghy: In memoriam Julius Morel (17. 12. 1927–30. 9. 2003). In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie. Band 29, Nr. 1, März 2004, ISSN 1011-0070, S. 101–106, doi:10.1007/s11614-004-0006-6 (springer.com [abgerufen am 23. Juli 2026]).
  3. ↑ Morel, Julius SJ (Signatur 62). In: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich. Abgerufen am 23. Juli 2026.