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Joseph Regl

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Carolina Port: Reliefporträt Joseph Regls an dessen Grabmal, 1911, Friedhof Sihlfeld, Zürich

Joseph Regl (* 1. November 1846 in Wildenau bei Aspach; † 29. März 1911 in Zürich) war ein österreichischer Lehrer, Bildhauer, Holzschnitzer und Restaurator, der ab 1879 in Zürich wirkte.

Joseph Regl wurde 1846 als Sohn eines Müllers im oberösterreichischen Wildenau geboren und wuchs dort in einer alten Mühle auf. Entgegen dem väterlichen Verbot, Künstler zu werden, ging er als Fünfzehnjähriger nach Wien, wo er zunächst bei einem Holzschnitzer und Restaurator in die Lehre ging und später die Kunstgewerbeschule sowie die Akademie der bildenden Künste besuchte. Für seine Verdienste um die Förderung des k. k. Museums für Kunst und Industrie wurde ihm eine Medaille verliehen.[1]

1878 wurde er an die neu gegründete Kunstgewerbeschule des Gewerbemuseums in Zürich berufen. Die Fachschule bezweckte «die künstlerische Heranbildung von tüchtigen Arbeitskräften beiderlei Geschlechtes für die Bedürfnisse der verschiedenen Zweige der Kunstindustrien, mit besonderer Berücksichtigung der Töpferei, der Bildhauerei, Bildschnitzerei und der verwandten Gewerbe».[2] Zu Regls Schülern zählte der Bildhauer Franz Wanger.[3]

Neben seiner Lehrtätigkeit führte er auch ein Atelier. Er etablierte sich insbesondere als Koryphäe in der Restaurierung alter Schnitzereien und verrichtete zahlreiche derartige Aufträge für die 1880 gegründete Schweizerische Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten auf diesem Gebiet gehört die Wiederherstellung des spätgotischen Flügelaltars in der Kirche von Brienz/Brinzauls. Ferner war Regl am Bau des Landesmuseums beteiligt und restaurierte dort zahlreiche Exponate.[1]

Kanzelkorb der Kirche Horgen, 1890

1886/1887 modellierte er die Ornamente mit exotischen Pflanzen am Oswald-Heer-Denkmal im Alten Botanischen Garten Zürich.[4] 1890 schnitzte er für die Reformierte Kirche Horgen den Taufsteindeckel mit barocken Voluten und Engelsköpfchen sowie die Kanzel mit Porträts der Reformatoren Huldrych Zwingli, Johannes Calvin und Johannes Oekolampad.[5] Zudem war er an der Vollendung des Schwanenbrunnens in Horgen beteiligt. Während der Entwurf des im Dezember 1891 in Betrieb genommenen Brunnens von Gustav Gull stammte, erhielt Regl im Februar 1892 den Auftrag für das Horgener Wappentier auf der Brunnensäule. Der Schwan mit ausgebreiteten Flügeln wurde im Mai 1892 platziert. Lange Zeit wurde irrtümlich angenommen, Regl habe auch den gesamten Brunnen entworfen.[6]

1891 erhielt er eine Ehrenmeldung für seinen Entwurf für das Bubenberg-Denkmal in Bern.[7]

Keilsteinfratze, 1891–1895, Schulhaus Hirschengraben, Zürich

Zwischen 1891 und 1895 führte er mit August Bösch Sandsteinskulpturen am und im Mädchenschulhaus Hirschengraben in Zürich aus.[8] Von Regl stammen nachweislich eine Fratze auf dem Keilstein des Hauptportals, weitere Fratzen im Foyer und im Treppenhaus sowie die Figuren einer Rotkreuzschwester und eines Kriegers beim Seiteneingang. Seine Fratzen fungieren als Gegenbilder zu den Porträtbüsten der Pädagogen Leonhard Usteri und Heinrich Pestalozzi am Eingang und symbolisieren Ignoranz, Neid und Sektierertum, die durch Bildung überwunden werden sollen. Bei der Keilsteinfratze orientierte er sich an Arnold Böcklins Fratzenzyklus an der Kunsthalle Basel, gestaltete sie aber weitaus realistischer. Sie war derart grotesk, dass sie auf behördlichen Befehl noch vor Eröffnung des Schulhauses mit Zement überdeckt wurde. Ein paar Jahre später wurde sie wieder freigelegt.[9]

1896/1897 schuf Regl einen Wandbrunnen mit drei Kopfreliefs beim Schulhaus Lavater in Zürich-Enge, der 2024 durch eine Kopie ersetzt wurde.[10] Für die Schnitzereien an Kanzel und Orgel[11] der Kirche Enge fertigte er die Modelle, die durch Schmidt & Schmidweber aus Riesbach, Werner Götschi aus Enge und J. Beck aus Zürich ausgeführt wurden.[12] Um 1900 schuf er die geschnitzten Reliefs am Kanzelkorb in der St.-Jakobs-Kirche.[13] Zur selben Zeit fertigte er einen plastischen Fassadenschmuck am Stadthaus Zürich.[14]

In den 1890er Jahren wurde Regl ans Polytechnikum Zürich berufen; der Eidgenössische Schulrat zog seinen Antrag aber auf Wunsch der Anstaltskommission der Kunstgewerbeschule wieder zurück. Als die Gewerbeschule in den 1900er Jahren tiefgreifend reorganisiert wurde und Regl zuletzt nur noch provisorisch wiedergewählt wurde, kündigte er 1906 in Voraussicht seiner kurz bevorstehenden Entlassung seine Stelle als Professor. Zeitgleich mussten auch der Professor Albert Freytag und der Lehrer für Aquarellmalen Gottlieb Kägi die Schule verlassen. Der Zürcher Stadtrat beantragte daraufhin ein Ruhegehalt von 2500 Franken für Regl. Der Gemeinderat bewilligte lediglich 1500 Franken mit der Begründung, dass Regl noch erwerbsfähig sei und ausserdem zusätzlich zu seinem Gehalt stets beträchtliche Nebeneinnahmen gehabt habe.[15]

Winzer («Buttenmännchen») auf dem Brunnen am Weinplatz, 1907, Zürich

1907 wurde Regl vom Zürcher Stadtrat damit beauftragt, einen Brunnen für den Weinplatz zu entwerfen. Bei seinen Plänen orientierte er sich am «Eisernen Brunnen», einem Sodbrunnen, im österreichischen Städtchen Bruck an der Mur. Der neobarocke Zürcher «Winzer-» oder «Buttenmännchenbrunnen» wurde von David Theiler geschmiedet und 1908 platziert.[16] Die namengebende Bronzefigur eines Winzers auf der Brunnensäule ist Regls Werk.[17] 1908 kopierte Regl die Säule des Barfüsserbrunnens und die Figur des Froschauerbrunnens und kombinierte sie zu einem neuen Brunnen auf dem Zähringerplatz bei der Predigerkirche. Sein Werk musste 1956 einem Parkplatz weichen und wurde durch den heutigen, von Otto Münch geschaffenen «Froschauerbrunnen» an leicht versetzter Stelle ersetzt.[18][19]

1909 führte er mit Emil Schneebeli den «Bluntschlibrunnen» beim Arboretum aus.[20]

Regls Grab auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld

Regl starb am 29. März 1911 nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren. Er wurde am 1. April auf dem Friedhof Sihlfeld beigesetzt.[1] Sein Grabmal wurde von seiner ehemaligen Schülerin und langjährigen engen Mitarbeiterin Carolina Port geschaffen,[21] die nach ihrem Ableben vier Jahre später an seiner Seite bestattet wurde.[22] Die Grabinschrift lautet:

«Hier ruht
PROFESSOR J. REGL
der treffliche Lehrer und Künstler
1846–1911
Im ersten Frühling ist er von uns gegangen, doch in freundlichem Gedenken lebt er uns fort, der froh gelaunte Meister, dem Schönes zu gestalten, Ehrwürdiges zu retten, zu lernen und Freude zu machen als Zweck des Daseins galt.»

Regl war nie verheiratet und hatte keine Kinder.[3]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Johann Rudolf Rahn: Professor Joseph Regl. In: Neue Zürcher Zeitung. Drittes Morgenblatt. Nr. 103, 13. April 1911, S. 1 (online).
  2. ↑ Kunstgewerbliche Fachschule in Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 139, 24. März 1878, S. 2 (online).
  3. 1 2 Prof. Joseph Regl, Bildhauer. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 14, 8. April 1911, S. 152 (online).
  4. ↑ Die Enthüllung des Heer-Denkmals im botanischen Garten. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Blatt. Nr. 297, 25. Oktober 1887, S. 1–3 (online).
  5. ↑ Hermann Fietz: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Birkhäuser, Basel 1943, S. 274 (Digitalisat).
  6. ↑ Carina Blaser: Dieser Brunnen in Horgen hat einen bekannten Erbauer. In: Tages-Anzeiger. 1. März 2023, abgerufen am 8. August 2026.
  7. ↑ Bubenberg-Denkmal. In: Der Bund. Zweites Blatt. Nr. 218, 8. August 1891, S. 2 (online).
  8. ↑ Regula Crottet, Karl Grunder, Verena Rothenbühler: Die Stadt Zürich Band VI (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 131). GSK, Bern 2016, S. 178 (online).
  9. ↑ Joseph Jung, Matthias Frehner: Das Schulhaus Hirschengraben in Zürich und seine Aula: Baugeschichte, Ikonografie, Kontexte. Gutachten zu problematischen Zeitzeichen im öffentlichen Raum und zum Umgang mit Völkerdarstellungen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Zug, 30. April 2025, S. 7, 38–40, 76, 190 (PDF).
  10. ↑ Wandbrunnen mit drei Kopfreliefs. In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 6. August 2026.
  11. ↑ Prof. Joseph Regl, Bildhauer. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 14, 8. April 1911, S. 152 (online).
  12. ↑ Regula Crottet, Karl Grunder, Verena Rothenbühler: Die Stadt Zürich Band VI (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 131). GSK, Bern 2016, S. 226 (online).
  13. ↑ Regula Crottet, Karl Grunder, Verena Rothenbühler: Die Stadt Zürich Band VI (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 131). GSK, Bern 2016, S. 260 (online).
  14. ↑ Plastischer Fassadenschmuck. In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 6. August 2026.
  15. ↑ Sitzung des Großen Stadtrats. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Morgenblatt. Nr. 286, 15. Oktober 1906, S. 1 (online).
  16. ↑ Der Brunnen auf dem Weinplatz. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 342, 6. Juni 1968, S. 25 (online).
  17. ↑ Vom Weinplatz und der Storchengasse. In: Neue Zürcher Nachrichten. 3. Blatt. Nr. 11, 25. Juli 1957, S. 1 (online).
  18. ↑ Der neue Froschauerbrunnen auf dem Predigerplatz. In: Neue Zürcher Nachrichten. Nr. 265, 13. November 1956, S. 1 (online).
  19. ↑ «Froschauerbrunnen». In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 6. August 2026.
  20. ↑ "Bluntschlibrunnen". In: Kunstbestand der Stadt Zürich. Abgerufen am 6. August 2026.
  21. ↑ Regula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2002, Nr. 10, S. 25.
  22. ↑ † Frau Carola Port. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 27, 3. Juli 1915, S. 245 f. (online).