Jochen Hass
Jochen Hass (* 17. Juli 1917 in Tilsit; † 7. Juni 2000 in Berlin)[1] war ein deutscher Maler und Denkmalpfleger.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jochen Hass absolvierte das Abitur 1937 in Tilsit.[2] Er studierte zunächst einige Semester Philologie, bevor er während des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst verpflichtet wurde. Nach Kriegsende studierte er Malerei an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, unter anderem bei Otto Herbig. Schwerpunkt seiner Ausbildung bildete der Bereich Wandmalerei bei Hermann Kirchberger. 1950 schloss er als Meisterschüler mit dem Diplom ab.[3] Während des Studiums wirkte er als Assistent am Lehrstuhl für Denkmalpflege bei Hermann Weidhaas.[3] 1940 hatte Hass ein erstes prägendes homosexuelles Erlebnis mit einem Schauspieler, der sich zu Dreharbeiten für den Kriegspropagandafilm U-Boote westwärts! an der Ostsee aufhielt.[4]
Hass arbeitete von 1953 bis 1968 als Konservator am Institut für Denkmalpflege in Ost-Berlin, Potsdam und Frankfurt an der Oder.[3] Von 1968 bis 1983 war er Oberkonservator am Institut für Denkmalpflege,[5] zuständig für die künstlerische Gestaltung und historische Fassung an Kirchenfassaden und Profanbauten. Es entstanden Entwürfe für Glasfenstergestaltungen, unter anderem für den Berliner Dom,[3] die Jakobs- und die Marienkirche[3] in Prenzlau, die Nikolaikirche in Potsdam[3] und die Franziskanerkirche in Frankfurt/Oder.[6]
Neben seiner Tätigkeit als Denkmalpfleger widmete sich Hass der Malerei im Ateilier in seiner Wohnung.[3]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hass schuf als Maler Aquarelle, Ölbilder und Gouacheen. Zu seinen Werken zählten Stillleben und Lanschaftsbilder, auch impressiv und abstrakt,[3] zudem experimentierte er mit expressionistischen Stilelementen.[5]
Nach der Formalismuskritik an den Werken Hermann Kirchbergers in Weimar, die ihn 1951 zwangen, seine Professur aufzugeben, geriet auch Hass in die Kritik. Ihm wurde die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) verwehrt,[7] weil seine Kunst, die von Beginn an sowohl gegenständliche als auch abstrakte Werke umfasste, nicht den Vorstellungen der SED hinsichtlich der stilistischen und thematischen Anforderungen des sozialistischen Realismus entsprach und sich Hass nicht bereit zeigte, sich diesen Anforderungen anzupassen.[7]
Neben Porträts von Männern[7] begann Hass 1951 auch mit seiner Serie von Männerpaaren und verband „antike Mythologie mit der Darstellung der Realität seiner Zeit,“[8] bevor in den folgenden Jahren die Abstraktion in seinem Schaffen das Übergewicht gewann und seit den 1960er Jahren vor allem farbintensive Flächenkompositionen entstanden, die motivisch im Genre Stillleben zu verorten sind.
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelausstellungen
- 1983: Berliner Dom[7]
- 2001: Berliner Dom
- 2010: Ölbilder aus fünf Jahrzehnten, Neuköllner Leuchtturm, Berlin
- 2011: Jochen Hass zum 10. Todestag, Museumshaus „Im Güldenen Arm“, Potsdam
- 2013: Zwischen Tradition und Moderne. Frühe Gemälde von Jochen Hass 1950 bis 1955, Schwules Museum, Berlin[9]
- 2017: Jochen Hass. Maler und Denkmalpfleger, Schloss Caputh[5]
Gruppenausstellungen
- 1987: Galerie am Hansering, Halle (Saale)
- 1997: Goodbye to Berlin?, Akademie der Künste Berlin
- 2026: Queere Kunst in der DDR?, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Mitte Museum und KVOST, Berlin
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Petschaft (Siegelstempel) Ident. Nr.: I D 49180 - Sammler: Jochen Hass. In: Staatliche Museen zu Berlin. Abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Jochen Hass - Biographie. Abgerufen am 23. Mai 2026.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Jochen Hass 1917-2000: Maler, Restaurator, Denkmalpfleger. (PDF) In: Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Jochen Hass. In: Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 69
- 1 2 3 Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG): Jochen Hass (1917–2000). Abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Jochen Hass. In: Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 69–70
- 1 2 3 4 Oliver Kranz rbb: Queere Kunst in der DDR - gab es die? In: tagesschau.de. 26. März 2026, abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Christine Heidemann: Jochen Hass, in Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 38
- ↑ Zwischen Tradition und Moderne – Frühe Gemälde von Jochen Hass 1950 bis 1955. In: Schwules Museum. Abgerufen am 23. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hass, Jochen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Denkmalpfleger |
| GEBURTSDATUM | 17. Juli 1917 |
| GEBURTSORT | Tilsit |
| STERBEDATUM | 7. Juni 2000 |
| STERBEORT | Berlin |