Jens Alslev
Jens Alslev (* 21. Februar 1919 in Kiel; † 2. Januar 2011 in Herne) war ein deutscher Mediziner und Hochschullehrer.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Familie und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jens Alslev wuchs als Sohn des Lehrers[1] Jens Alslev und dessen Ehefrau Elise (geb. Peters) Alslev[2] auf.
1944 heiratete er. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor.[3]
Seine schulische Ausbildung absolvierte Alslev zwischen 1929 und 1937 an der Oberrealschule in Kiel, wo er das Abitur ablegte.
Unmittelbar nach dem Schulabschluss wurde Alslev 1937 zum Wehrdienst in Iserlohn eingezogen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde sein Dienst zum Kriegsdienst, den er ebenfalls in Iserlohn leistete.
Medizinstudium und frühe wissenschaftliche Arbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz der Kriegswirren gelang es Alslev, zwischen 1940 und 1944 ein Medizinstudium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu absolvieren und mit dem Staatsexamen abzuschließen. Noch im Jahr seines Staatsexamens 1944 promovierte Alslev mit einer Dissertation zum Thema Über die Formen der Kallusbildung bei der Küntschernagelung. Diese Arbeit beschäftigte sich mit einem orthopädisch-chirurgischen Thema von erheblicher praktischer Relevanz. Die Küntschernagelung, benannt nach dem deutschen Chirurgen Gerhard Küntscher, war eine revolutionäre Methode zur Behandlung von Knochenbrüchen, insbesondere von Oberschenkelbrüchen, die während des Zweiten Weltkriegs entwickelt und verfeinert wurde. Alslevs Dissertation untersuchte die verschiedenen Formen der Kallusbildung, also der knöchernen Heilung nach dieser speziellen Operationsmethode. Die Wahl dieses Themas spiegelte die medizinischen Prioritäten der Kriegszeit wider, in der die Behandlung von Verletzungen und die schnelle Wiederherstellung der Beweglichkeit von besonderer Bedeutung waren.
Nachkriegszeit und akademische Karriere in Kiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Kriegsende arbeitete Alslev von 1944 bis 1946 als Hilfsarzt in Kiel. Diese Position war typisch für frisch approbierte Ärzte in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Damals forderte die Versorgung zahlreicher Kriegsversehrter, Flüchtlinge und der durch Mangelernährung geschwächten Zivilbevölkerung das Gesundheitssystem bis an seine Grenzen.
Ab 1946 begann Alslevs akademische Karriere als wissenschaftlicher Assistent für Innere Medizin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin in Kiel. Diese Position behielt er bis 1952 und nutzte sie für die wissenschaftliche Arbeit. Die Innere Medizin, eines der umfangreichsten medizinischen Fachgebiete, umfasste die Prävention, Diagnostik und nicht-chirurgische Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe. In der Nachkriegszeit erlebte dieses Fachgebiet bedeutende Entwicklungen, insbesondere in der Stoffwechselforschung und Endokrinologie.
Seine Habilitationsschrift, die er 1952 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel einreichte, trug den Titel Klinisch-experimentelle Untersuchungen über den intermediären Stoffwechsel der Dextrose und Galaktose bei Gesunden, Diabetikern, Leber- und Carcinomkranken. Diese Arbeit markierte einen Wendepunkt in Alslevs wissenschaftlicher Ausrichtung und dokumentierte seinen Übergang von der chirurgisch orientierten Dissertation zu einem Kernthema der Inneren Medizin. Die Habilitation befasste sich mit grundlegenden Fragen des Kohlenhydratstoffwechsels und untersuchte, wie verschiedene Zuckerarten bei gesunden Menschen im Vergleich zu Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen verstoffwechselt werden.
Der intermediäre Stoffwechsel, also die biochemischen Umwandlungsprozesse im Körper, war in den 1950er Jahren ein hochaktuelles Forschungsgebiet. Die Untersuchung von Dextrose (Traubenzucker) und Galactose (ein Bestandteil des Milchzuckers) bei verschiedenen Patientengruppen hatte sowohl theoretische als auch praktische Bedeutung. Bei Diabetikern war die gestörte Glukoseverwertung das zentrale Problem. Bei Leberkranken spielte die Leber als wichtigstes Stoffwechselorgan eine Schlüsselrolle in der Zuckerverarbeitung. Die Einbeziehung von Krebspatienten in die Untersuchung reflektierte das wachsende Interesse an den veränderten Stoffwechselvorgängen bei malignen Erkrankungen, ein Forschungsfeld, das später unter dem Begriff "Tumorstoffwechsel" Bedeutung erlangen sollte.
Mit der erfolgreichen Habilitation erhielt Alslev 1952 die Lehrbefugnis und wurde Privatdozent für Innere Medizin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin in Kiel. Diese Position behielt er bis 1957. Als Privatdozent war er berechtigt, eigenständig Lehrveranstaltungen abzuhalten und Studierende zu betreuen, ohne jedoch eine feste Professorenstelle innezuhaben.
Von 1955 bis 1960 übernahm Alslev zusätzlich die Funktion des Oberarztes der Medizinischen Klinik in Kiel. Diese Position verband klinische Verantwortung mit wissenschaftlicher Tätigkeit. Als Oberarzt war er für die Betreuung von Patienten, die Ausbildung jüngerer Ärzte und die Weiterentwicklung der Klinik mitverantwortlich. Die Doppelrolle als Kliniker und Forscher entsprach dem Ideal der akademischen Medizin, in der praktische Patientenversorgung und wissenschaftliche Forschung eng miteinander verknüpft sein sollten.
Im Jahr 1957 wurde Alslev zum außerplanmäßigen Professor für Innere Medizin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin in Kiel ernannt. Der Titel des außerplanmäßigen Professors war eine Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen und seiner Bedeutung für die Lehre, war jedoch nicht mit einer planmäßigen Professorenstelle und den damit verbundenen finanziellen und institutionellen Ressourcen verbunden. Diese Position behielt er bis 1971, also auch noch lange nach seinem Wechsel in die klinische Praxis.
Chefarzt in Herne
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1960 vollzog Alslev einen bedeutenden Karriereschritt, als er die Position des Chefarztes der Inneren Abteilung des Evangelischen Krankenhauses Herne übernahm. Dieser Wechsel von der universitären Medizin in Kiel zur klinischen Praxis in Herne, einer Stadt im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, bedeutete eine Neuorientierung von der primär wissenschaftlich-akademischen Tätigkeit zur klinischen Patientenversorgung.
Als Chefarzt der Inneren Abteilung trug Alslev die Gesamtverantwortung für die internistische Versorgung der Patienten. Das Ruhrgebiet mit seiner Schwerindustrie und dem Bergbau stellte besondere Anforderungen an die medizinische Versorgung. Berufskrankheiten wie Staublungenerkrankungen, Unfallverletzungen und die typischen Volkskrankheiten einer industriell geprägten Region erforderten ein breites medizinisches Spektrum. Alslevs Expertise im Bereich des Stoffwechsels und der Inneren Medizin kam hier zum Tragen, und er konnte seine in Kiel erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die praktische Patientenversorgung einbringen.
Die Tatsache, dass Alslev bis 1971 weiterhin den Titel des außerplanmäßigen Professors in Kiel führte, zeigt, dass er auch nach seinem Wechsel in die Praxis die Verbindung zur akademischen Medizin aufrechterhielt. Dies war nicht ungewöhnlich für Chefärzte größerer Krankenhäuser, die oft Lehraufträge an Universitäten innehatten und an der Ausbildung von Medizinstudenten beteiligt waren.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Über die Formen der Kallusbildung bei der Küntschernagelung. 1944.
- Klinisch-experimentelle Untersuchungen über den intermediären Stoffwechsel der Dextrose und Galaktose bei Gesunden, Diabetikern, Leber- und Carcinomkranken. 1952.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Albrecht - Amzoll. In: Adreßbuch der Stadt Kiel und Vororte für das Jahr 1904. S. 288. 1904, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Elise Alslev. 21. Februar 1919, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Traueranzeige. 5. Januar 2011, abgerufen am 13. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Alslev, Jens |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mediziner und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 21. Februar 1919 |
| GEBURTSORT | Kiel |
| STERBEDATUM | 2. Januar 2011 |
| STERBEORT | Herne |