JJ4
JJ4 (bis 2025 auch Gaia, seit 2025 auch Luna genannt;[1] * etwa 2006 im Trentino, Italien) ist eine europäische Braunbärin, die als „Problembärin“ internationale Bekanntheit erlangte. Sie ist die Tochter der Bärin Jurka und Schwester von Bruno (benannt als JJ1). Der Name „JJ4“ setzt sich aus den Initialen ihrer Eltern Jurka und José sowie einer fortlaufenden Nummerierung zusammen.[2]
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gaia ist Teil der Braunbärenpopulation, die im Rahmen des Projekts „Life Ursus“ aus Slowenien ins italienische Trentino für die Wiederansiedlung gebracht wurde. Ihre Mutter Jurka kam 1999 ins Trentino. Viele ihrer Geschwister wie Bruno (JJ1), JJ2 und JJ3 sind ebenfalls durch auffälliges Verhalten bekannt geworden und wurden in verschiedenen Ländern erschossen oder eingefangen. Im Sommer 2025 ist Gaia der letzte noch lebende Nachkomme von Jurka.[3]
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2020 griff Gaia am Monte Peller einen Spaziergänger und seinen Sohn an, die schwer verletzt wurden. Sie sollte daraufhin zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit getötet werden. Eine gerichtliche Entscheidung verhinderte ihre Tötung jedoch.[4]
Im April 2023 kam es zum bekanntesten Vorfall: In Caldes in der Provinz Trient griff Gaia den Jogger Andrea Papi an, der tödlich verletzt wurde. Beim Einfangen der Bärin wurden zwei ihrer drei Jungtiere zusammen mit ihr in eine Falle gelockt, jedoch wieder freigelassen. Die Vorfälle führten zu einer breiten gesellschaftlichen und juristischen Debatte in Italien. Der Provinzpräsident ordnete die Tötung Gaias an, jedoch verhinderten verschiedene Gerichtsbeschlüsse die Vollstreckung.[5]
Gefangenschaft und Umsiedlung nach Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach langen juristischen und logistischen Diskussionen wurde für Gaia extra ein Hochsicherheitsgehege im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach gebaut. Der Park nannte die Übersiedlung eine Rettungsaktion, um Gaia vor dem Leben in einem Zoo oder anderer suboptimaler Haltung und dem damit einhergehendem Leid zu bewahren. Gefangenschaft für ein Tier aus der freien Wildbahn bedeutet großes Leid für das Tier, was durch entsprechende Infrastruktur der Anlagen und Erfahrung im Tiermanagement zumindest verringert werden kann.[6]
Die Umsiedlung erfolgte im Juli 2025 nach einer aufwendigen und geheim gehaltenen nächtlichen Überführung aus Italien. Der Bau des neuen Geheges verzögerte sich mehrfach, unter anderem wegen witterungsbedingter Schwierigkeiten. Geplant und finanziert wurde alles von der Stiftung für Bären, viele Kosten wurden über Spenden gedeckt.
Am 30. Juli gab es erste Aufnahmen von Gaia im neuen Gehege. Sie nahm die neue Umgebung gut an.
Das Gehege ist etwa einen Hektar groß und entspricht höchsten Sicherheitsstandards: Meterhohe Elektrozäune schirmen das Areal ab, hinzu kommen ein sogenannter Untergrabschutz aus Stahl und ein kamerabasiertes Überwachungssystem. Damit soll verhindert werden, dass Gaia sich unter dem Zaun hindurch einen Weg nach draußen bahnt. Das Gelände liegt abgeschieden innerhalb des Parks, ist für Besucher vorerst nicht zugänglich und bietet der Bärin ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.
Im Park lebt seit 2010 auch Gaias Mutter Jurka, die dort ein neues Zuhause gefunden hat, nachdem sie wie viele andere Bären aus schlechten Haltungsbedingungen oder nach Konflikten mit Menschen gerettet wurde. Zum aktuellen Zeitpunkt (Sommer 2025) leben insgesamt neun Bären verschiedener Herkunft im Park, darunter neben Jurka auch Gaias Halbschwester Isa. Zwar können die Tiere einander riechen, doch werden Begegnungen zwischen Gaia und Jurka bewusst ausgeschlossen, da Bären in Gefangenschaft Artgenossen als potenzielle Futterkonkurrenten wahrnehmen.[7]
Gaias Gehege war explizit als sichere Einzelunterbringung für einen Wildbären konzipiert, auch weil man aus den Erfahrungen mit wildgefangenen Bären wie Jurka weiß, wie stark der Freiheitsdrang bleiben kann.[8]
Am 12. August 2025 gab der Park bekannt, dass JJ4 von nun an Luna heißt, da die negative Behaftung des Namens abgelegt werden soll.[1]
Bedeutung und Diskussion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]JJ4 gilt als sogenannter Problembär. Der Begriff beschreibt Bären mit auffälligem Verhalten und wurde ursprünglich für ihren Bruder JJ1 geprägt. Im Gegensatz zu einigen Verwandten hat JJ4 sich allerdings nie systematisch menschlichen Siedlungen genähert oder gezielt Schäden verursacht. Bei den bekannten Vorfällen verteidigte sie ihre Jungtiere. In der Diskussion über ihren Fall treten zum Teil widerstreitende Interessen von Artenschutz, individuellem Tierschutz und öffentlicher Sicherheit zutage.[9]
Die aufwendige Unterbringung von JJ4 wurde kontrovers diskutiert: Während Tierschutzverbände sie als wichtigen Schritt für den tiergerechten Umgang betrachten, kritisieren andere den hohen finanziellen Aufwand und zweifeln am Sinn des Projekts.[10]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 „Gaia“ im Schwarzwald: Bärenpark gibt „Problembärin“ JJ4 einen neuen Namen. In: Schwarzwälder Bote. 12. August 2025, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Mara Betjemann: Bären in Deutschland – Wie Menschenmanagement laufen muss. In: Good News Magazin. 8. September 2025, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Frank Hornig: Italien: »Problembärin« Gaia, Bärin JJ4, nach tödlichem Angriff im Schwarzwald untergebracht. In: Der Spiegel. 20. Juli 2025, abgerufen am 30. Juli 2025.
- ↑ Nach tödlichem Angriff: Italien sucht Bärin JJ4. In: tagesschau.de. 12. April 2023, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Marc Beise: Warum die Bärin Gaia in den Schwarzwald zieht. 20. Juli 2025, abgerufen am 30. Juli 2025.
- ↑ LUNA. Abgerufen am 19. November 2025.
- ↑ Bärin Gaia in Bad Rippoldsau-Schapbach angekommen. In: tagesschau.de. 20. Juli 2025, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ „Problembärin“ Gaia soll Gehege im Schwarzwald bekommen. 11. Juli 2024, abgerufen am 30. Juli 2025.
- ↑ Johanna Pfund: Wilde Tiere haben einen Preis für die Gesellschaft. 20. Juli 2025, abgerufen am 30. Juli 2025.
- ↑ Warum ein Tierpark für eine Million Euro ein Hochsicherheitstrakt für eine Bärin baut. In: SWR Aktuell. 10. Oktober 2024, abgerufen am 30. Juli 2025.