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Internierungslager Atlit

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Modell

Das Internierungslager Atlit diente von 1939 bis 1948 der britischen Verwaltung des Völkerbundmandats Palästina als Quarantäne- und Internierungslager für legale und illegale Einwanderer.

Baracken, 2014
Wachturm, 2017

Die britische Regierung hatte mit dem White Paper 1939 die jüdische Einwanderung nach Palästina mit einem Quotensystem beschränkt, das die Zahl der Einwanderungszertifikate, die eine Einwanderung erlaubten beschränkte. Mit dem Kriegsbeginn wurden die ausgestellten Zertifikate für Migranten aus dem Deutschen Reich für ungültig erklärt, weil diese Personen feindliche Ausländer (enemy aliens) waren und damit ein Sicherheitsrisiko darstellten.[1] Im August 1939 begann die britische Verwaltung für das Völkerbundsmandat Palästina bei Atlit ein Lager für zunächst bis zu 2000 legale und illegale Migranten zu errichten. Es wurde ab 1940 hauptsächlich als Quarantäne- und Internierungslager für legale und illegale Einwanderer genutzt. Auch Untergrundkämpfer der Hagana wurden dort festgehalten. Wegen ansteckender Krankheiten (Typhus, Gelbsucht, Malaria, Cholera, Tollwut) und der Angst vor feindlichen Spionen fanden Desinfektionen und Befragungen statt, bevor die Einwanderungsformalitäten durchgeführt wurden. Illegale Einwanderer wurden prinzipiell länger festgehalten und bei ihrer Entlassung wie die legalen Einwanderer auf die limitierte Einwanderungsquote angerechnet.[2.1] Verdächtige Männer wurden ins Gefängnis Akkon oder nach Sarafand überstellt, verdächtige Frauen ins Frauengefängnis von Bethlehem.[2.2]

In der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober 1945 befreite ein Kommando der Palmach mehr als 200 Internierte. Dreißig der Befreiten verloren den Anschluss und machten sich auf eigene Faust auf den Weg nach Haifa. Die restlichen wurden nach Beit Oren und Jagur geführt. Keiner der Flüchtigen wurde wieder gefasst. Yitzchak Rabin, der spätere israelische Ministerpräsident, war dabei der stellvertretende Kommandeur.[3] In der Nachkriegszeit wurde das Lager überfüllt und die hygienischen Zustände verschlimmerten sich. Am 12. August 1946 gab die Mandatsverwaltung in der Regierungserklärung zur Deportation illegaler Einwanderer nach Zypern 1946 bekannt, dass eine Internierung von Migranten nicht mehr in Palästina, sondern in Zypern erfolgen sollte.[2.3]

Im Palästinakrieg 1948 wurden arabische Kriegsgefangene und palästinensische Zivilisten im umbenannten „Lager 792“ untergebracht. Im Siebentagekrieg 1967 wurden syrische und ägyptische Kriegsgefangene und 1982 Gefangene des Libanonkrieges interniert. Die letzten Gefangenen wurden 1985 entlassen.[2.4]

Das Lager wurde von der Gesellschaft zur Erhaltung israelischen Kulturerbes und dem jüdischen Nationalfonds restauriert. Stacheldrahtzäune, Wachtürme, Desinfektions- und Wohnbaracken, der Nachbau eines Flüchtlingsschiffs und ein Transportflugzeug sind ausgestellt und erinnern an Alija Bet.[4] Das Ziel ist, über die illegale Migration nach Palästina in der Zeit von 1934 bis 1948 zu informieren. Dabei werden zwei Narrative miteinander verknüpft. Palästina als in der Balfour-Erklärung versprochene Heimstätte und der Kampf gegen die britische Kolonialmacht, die einen Krieg gegen die Einwanderung führte. Es wird an das langanhaltende Leiden und die Demütigung in der jüdischen Diaspora erinnert und die zionistische Verbindung von Volk und Land dargestellt. Dass die Einwanderer teilweise in den folgenden Kriegen litten oder auch in die Vereinigten Staaten oder andere Länder weiterwanderten wird nicht thematisiert.[2.5]

  • Verena Buser: In detention: Memories of Jewish refugees interned in Atlit near Haifa. In: Gilly Carr, Rachel Pistol (Hrsg.): British Internment and the Internment of Britons. Bloomsbury, ISBN 978-1-350-26625-4, S. 189206.
Commons: Atlit former detainee camp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Dalia Ofer: Escaping the Holocaust: Illegal Immigration to the Land of Israel, 1939–1944. Hrsg.: Studies in Jewish History. Oxford University Press, New York 1990, ISBN 0-19-506340-6, S. 128 f.
  2. Verena Buser: In detention: Memories of Jewish refugees interned in Atlit near Haifa.
    1. S. 191 f.
    2. S. 193.
    3. S. 198.
    4. S. 199.
    5. S. 199 f.
  3. Aviva und Shmuel Bar-Am: Relive the Great Escape, from Atlit detention camp. The Times of Israel, 7. Oktober 2012, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
  4. Atlit Detention Camp. In: Shimur.org. Council for Conservation of Heritage Sites, abgerufen am 19. April 2026 (englisch).

Koordinaten: 32° 42′ 45,2″ N, 34° 56′ 56,9″ O