Zum Inhalt springen

Ingo Grabowsky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ingo Grabowsky (* 2. Juni 1971 in Dortmund) ist ein deutscher Slavist, Museumsdirektor und Kulturmanager. Er leitet die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim. Unter dem Künstlernamen „Dr. Schlager“ ist er zudem als Sänger, Moderator und Musikhistoriker tätig.

Grabowsky studierte Slavistik, Neuere Geschichte und Neugermanistik an der Ruhr-Universität Bochum, wo er 1998 den Magister Artium erwarb. Gefördert durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes studierte er 1995/96 an der Pädagogischen Universität Jaroslawl, zuvor an der Universität Zagreb.[1] Von 1999 bis 2002 absolvierte er ein Promotionsstudium im Graduiertenkolleg „Kulturelles Bewusstsein und sozialer Wandel in der russischen und sowjetischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts“ am Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur der Ruhr-Universität Bochum. 2003 wurde er mit der Dissertation „Agitprop in der Sowjetunion. Die Abteilung für Agitation und Propaganda 1920–1928“ promoviert.

Nach Tätigkeiten als wissenschaftlicher Volontär und Mitarbeiter an der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (2003–2008) leitete Grabowsky von 2010 bis 2013 das DFG-Forschungsprojekt „Ėstrada! Schlager und Gesellschaft in der Sowjetunion (1953–1980)“ am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum.[2] Seit 2014 steht er als Direktor und Geschäftsführer an der Spitze der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. Neben seiner Museumstätigkeit ist er Lehrbeauftragter, freier Kurator, Autor und Referent.[3] Von 2017 bis 2019 war er Vorsitzender des Osteuropakollegs Nordrhein-Westfalen.

Wirken als Museumsdirektor

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 leitet Grabowsky das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur im Kloster Dalheim. Das Museum zeigt interdisziplinäre, an Gegenwartsfragen orientierte und erzählerisch konzipierte Ausstellungen, die Forschung, Vermittlung und Partizipation verbinden.[4] Drei Sonderausstellungen des Museums standen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.[5] Bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Verschwörungstheorien – früher und heute" im Jahr 2019 war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend.[6]

Zu den von Grabowsky verantworteten Projekten gehören unter anderem die Ausstellungen:

  • Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle (2026–2027)
  • Und vergib uns unsere Schuld? Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus (2024–2025)
  • Faszination Kiew. Ikonen, Mönche, Heilige (2023)
  • Latein. Tot oder lebendig!? (2022–2023)
  • Verschwörungstheorien – früher und heute (2019–2020)
  • Luther. 1917 bis heute (2016–2017)
  • Die sieben Todsünden (2015)
  • Im Fußballhimmel und auf Erden (2014).

Grabowsky verantwortete die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung der Stiftung, darunter den ersten Museumsentwicklungsplan zur Modernisierung des Hauses.[7] Grabowsky setzt im Bereich der Vermittlung auch auf digitale und populäre Formate, insbesondere in den Ausstellungen.[8]

Grabowsky forscht zur sowjetischen Kultur- und Musikgeschichte, zu Propaganda, Medienkommunikation und Populärkultur Osteuropas. Seine Veröffentlichungen behandeln Ideologie, Alltagskultur und Musik des 20. Jahrhunderts.[9]

Bühnen- und Medienaktivitäten („Dr. Schlager“)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Pseudonym „Dr. Schlager“ ist Grabowsky als Musiker, Moderator und Popkulturforscher aktiv. In Publikationen wie „Die 100 Schlager des Jahrhunderts“ befasste er sich mit der Geschichte und Entwicklung deutschsprachiger Unterhaltungsmusik. 2020 veröffentlichte er mit der Band Halbgötter in Weiß sein Debüt „Wann dürfen wir mal wieder reisen“ – eine ironische Neuinterpretation des Rudi-Carell-Klassikers „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“.[10] Später entstanden mit der Marilyn Boadu Band das Album „fünfzig“ sowie die Chansons „Perle aus dem Pott“ (2025) und „Mein Geheimnis“ (2022). Sein Lied „Odessa“ (2022) behandelte den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.[11]

Grabowsky beschreibt den Schlager als Spiegel gesellschaftlicher Sehnsüchte und Identitäten.[9] Regelmäßig tritt er mit der Marilyn Boadu Band auf und kombiniert musikalische Interpretationen mit kulturhistorischem Kommentar, etwa im Programm „Mit dem Gummiboot nach Amarillo – Eine Hitparade des Fernwehs“. Gemeinsam mit der Marilyn Boadu Band veröffentlichte er das Debütalbum „fünfzig“.[12]

In Anlehnung an Ivor A. Richards’ Formulierung „books are machines to think with“ prägte Grabowsky das Diktum, Schlager seien „Maschinen, mit denen man für drei Minuten in eine bessere Welt reisen“ könne.[13] Er tritt als Referent auf und war zu Themen der Populärkultur und Musikgeschichte in Rundfunk- sowie Fernsehsendungen zu Gast.[9]

Mitgliedschaften

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabowsky ist unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. und des Osteuropakollegs Nordrhein-Westfalen.[14]

Veröffentlichungen (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Ketzer, Chemtrails und Corona. Die mysteriöse Welt der Verschwörungstheorien und Geheimbünde, Königswinter 2020, ISBN 978-3-96664-161-6
  • mit Martin Lücke: Schlager! Eine musikalische Zeitreise von A bis Z, Erlangen 2010, ISBN 978-3938903254
  • mit Martin Lücke: Die 100 Schlager des Jahrhunderts, Hamburg 2008, ISBN 978-3-434-50619-5
  • Agitprop in der Sowjetunion. Die Abteilung für Agitation und Propaganda 1920–1928, Bochum 2004

Herausgeberschaften

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle. Herausgegeben von der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur/Ingo Grabowsky, Regensburg 2026, ISBN 978-3-7954-9103-1
  • Und vergib uns unsere Schuld? Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus. Herausgegeben von der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur/Ingo Grabowsky, Regensburg 2024, ISBN 978-3-7954-3902-6
  • Latein. Tot oder lebendig!? Herausgegeben von der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur/Ingo Grabowsky, Lindenberg im Allgäu 2022, ISBN 978-3-95976-375-2
  • Verschwörungstheorien – früher und heute. Herausgegeben von der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur/Ingo Grabowsky, Münster 2019, ISBN 978-3-87023-442-3
  • 100 Jahre deutscher Schlager! Herausgegeben von rock'n'popmuseum / Ingo Grabowsky/Martin Lücke/Thomas Mania, Münster 2014, ISBN 978-3933060440
  • Schwarzer Tod, AIDS und ‚China-Virus‘. Seuchen als Brutstätten von Verschwörungstheorien, in: Geschichte im Westen. Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte 37 (2022), S. 33–48.
  • The Kloster Dalheim Exhibition: Conspiracy Theories – Past and Present, in: Gaby Sonnabend/Guy Thewes: Narratives in History Museums – Reflections and Perspectives. Proceedings of the XIVth Annual Meeting of the International Association of Museums of History, Luxembourg, 8-9 July 2021, Luxembourg 2022, S. 80–87.
  • Schundsänger gegen die organisierte Langeweile, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 67/3 (2019), S. 447–474.
  • Motor der Verwestlichung. Das sowjetische Estrada-Lied 1950–1975, in: Osteuropa 4 (2012), S. 21–36.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Ingo Grabowsky. Autoren Exposé. In: The European - Das Debatten-Magazin. Abgerufen am 1. September 2026.
  2. ↑ Ruhr Universität Bochum, Seminar für Slavistik: Abgeschlossene Projekte. Abgerufen am 1. September 2026.
  3. ↑ LWL - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Neuer Leiter des LWL-Klostermuseums in Dalheim - Mitteilung 28.05.14. LWL.org, 28. Mai 2014, abgerufen am 1. September 2026.
  4. ↑ Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. nrw-tourismus.de, abgerufen am 4. September 2026.
  5. ↑ LWL - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Schirmherrschaft für Dalheimer Sonderausstellung - Mitteilung 05.02.26. LWL.org, 5. Februar 2026, abgerufen am 4. September 2026.
  6. ↑ Rede des Bundespräsidenten: Eröffnung der Ausstellung "Verschwörungstheorien – früher und heute". bundespraesident.de, 17. Mai 2019, abgerufen am 4. September 2026.
  7. ↑ Manfred Stienecke: Drei Millionen Euro für Dalheim. Westfalen-Blatt, 23. Juni 2015, abgerufen am 4. September 2026.
  8. ↑ Redaktion Kloster Dalheim: 3 Fragen an... Dr. Ingo Grabowsky. Blog Schweigen war gestern (Blog der Stiftung Kloster Dalheim), 28. Oktober 2021, abgerufen am 4. September 2026.
  9. 1 2 3 Claudia Linzel: Schlager als Spiegel der Gesellschaft – Musik, Erinnerung und Identität mit Dr. Ingo Grabowsky. In: Die Leichtigkeit der Kunst – Kunstpodcast. 27. Juni 2025, abgerufen am 1. September 2026.
  10. ↑ Martin Baumeister: „Professor Schlager“ singt jetzt selbst. In: BILD. 26. Mai 2020, abgerufen am 1. September 2026.
  11. ↑ Bettina Jäger: Erfolg auf Youtube: Dortmunder singt bewegendes Lied für die Ukraine. In: Ruhr Nachrichten. 20. September 2022, abgerufen am 1. September 2026.
  12. ↑ Bettina Jäger: Dr. Schlager hat den Retro-Charme. Hrsg.: Ruhr Nachrichten. 27. Oktober 2023.
  13. ↑ Katrin Pinetzki: Atemlos durch die Nacht – kulturwest.de. In: kultur.west. Magazin für Kunst und Gesellschaft in NRW. Abgerufen am 1. September 2026.
  14. ↑ Mitglieder Osteuropa Kolleg NRW. Abgerufen am 1. September 2026.