Ingeborg Gronke
Ingeborg Gronke (* 19. April 1923 in Schwerin als Ingeborg Else Gertrud Eva Pralow; † 4. April 2016 in Rangsdorf) war eine deutsche Übersetzerin aus dem Englischen in der Zeit der DDR. In den 1970er und 1980er Jahren schuf sie die Neuübersetzung des umfangreichen Romanwerks von Upton Sinclair.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ingeborg Gronke besuchte 1930 bis 1934 die Grundschule in Schwerin und Rostock, 1934 bis 1942 die Oberschule in Rostock, wo sie 1942 das Abitur ablegte. 1942 begann sie ein Studium der Germanistik, Journalistik, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Rostock, Berlin und Freiburg. Nach dem Krieg setzte sie es in Rostock fort mit den Fächern Germanistik, Psychologie und Anglistik. Mit Einführung einer Regelstudienzeit 1949 wurde sie ohne Examen exmatrikuliert. 1949 bis 1951 arbeitete sie an ihrer Dissertation zum Thema „Das uneheliche Kind in der deutschen Literatur“, musste sie aber mit der 2. Hochschulreform der DDR abbrechen, da ohne Staatsexamen eine Dissertation unmöglich wurde.
Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, war sie während ihrer Studienzeit in Rostock freiberuflich Reporterin für verschiedene mecklenburgische Zeitungen (Volkszeitung, Volksstimme, Landeszeitung, Der Demokrat, Norddeutsche Zeitung) und gelegentlich den Hörfunk (Landessender Schwerin).
Seit 1948 war sie verheiratet mit Erich Gronke (1919–2010), dessen Fachgebiet Englische und Amerikanische Literatur war[1][2]. 1948/49 folgte der Umzug nach Berlin, 1955 wurde Sohn Gerald geboren.
Ab 1954 war Ingeborg Gronke literarische Übersetzerin aus dem Englischen und Amerikanischen für den Kinderbuchverlag Berlin, den Verlag Volk und Welt, den Aufbau Verlag und den Verlag Rütten & Loening. 1961 bis 1968 gab sie auch freiberuflich Unterricht in technischem Englisch in der Erwachsenenqualifizierung. 1967–68 folgte ein Dolmetscherstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin.
1981 und 1988 erhielt sie den Übersetzerpreis des Aufbau-Verlages Berlin und Weimar.
Sie gehörte keiner politischen Partei an. 1980 wurde sie in den Schriftstellerverband der DDR aufgenommen.
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Übersetzungen aus dem Englischen und Amerikanischen ins Deutsche:
- Howard Fast: Der grosse Jäger. (Originaltitel: The Tall Hunter. 1942), Kinderbuchverlag Berlin, 1956, 66 S.
- Edward Bulwer-Lytton: Das Geisterhaus in London. (Originaltitel: The Haunted and the Haunters or The House and the Brain, 1859), Kinderbuchverlag Berlin, 1956, Reihe Robinsons billige Bücher, 145 S.
- darin: Robert Louis Stevenson: Das Flaschenteufelchen. (Originaltitel: The Bottle Imp, 1893)
- darin: Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. (Originaltitel: The Canterville Ghost, 1887)
- O. Henry Das Lösegeld des Roten Häuptlings (Originaltitel: The Ransom of Red Chief, 1907). In: Das Lösegeld des Roten Häuptlings und andere amerikanische Erzählungen. Kinderbuchverlag Berlin, 1957, 69 S., Reihe Bunte Bären-Bücher, 2. Auflage: 1958
- darin: Nathaniel Hawthorne: Das furchtbare Schicksal des Mr. Higginbotham. (Originaltitel: Mr. Higginbotham's Catastrophe, 1834)
- Dymphna Cusack: Auf eigenen Füssen: Frauenschicksale aus China. (Originaltitel: Chinese women speak, 1958), Volk & Welt, Berlin, 1961, 399 S.
- Henry Fielding: Der Kaffeehaus-Politiker: drei Komödien und ein Essay. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1965, 471 S.
- George Kennan: ... und der Zar ist weit: Sibirien 1885 (Originaltitel: Siberia and the Exile System, 1891), Rütten & Loening, Berlin, 1975. Weitere Auflagen 1978 und 1981
- John McGrath: Dramen. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1985, 524 S.[3]
- Zufällige Ereignisse auf den Hebriden oder Der Sozialdemokrat und die rauhe See (Originaltitel: Random happenings in the Hebrides or the social democrat and the stormy sea, 1970); S. 5–123
- Joes Trommel (Originaltitel: Joe's Drum, 1979). s. 439–502. Enthält auch nachgedichtete Lyrik, und der Verlag bescheinigte bei der Zuerkennung des Übersetzerpreises 1988 der Übersetzerin, in der Nachdichtung der darin enthaltenen zahlreichen Verse ein ganz neues Talent enthüllt [zu] haben.[4]
- O. Henry: Black Bills Schlupfwinkel (Originaltitel: The Hiding of Black Bill, 1909), S. 468–488 im Kurzgeschichten-Sammelband Die Stimme der Stadt, Reclam-Verlag, Leipzig, 1962, 557 S.; weitere Auflagen bis 8. Aufl. 1988. Als Taschenbuch: S. 101–114 in O. Henry: Betrogene Betrüger, Reclam, Leipzig, 3. Aufl. 1983
- Upton-Sinclair-Romanausgaben im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1974 bis 1985
- Der Dschungel (Originaltitel: The Jungle, 1905), 1974, 500 S., weitere Auflagen 1976 und 1983, Lizenzausgaben: 2013 im Europa Verlag, Zürich, ISBN 978-3-905811-70-4, 2014 im Unionsverlag, ISBN 978-3-293-20664-9
- König Kohle (Originaltitel: King Coal, 1917), 1976, 496 S., 2. Auflage 1984
- Jimmie Higgins (Originaltitel: Jimmie Higgins, 1905), 1978, 399 S.; erschien auch im Verlag Buchclub 65, 1978, sowie 1987 in der Reihe Taschenbuch der Weltliteratur, ISBN 978-3-351-00550-4
- Öl! (Originaltitel: Oil! A Novel, 1927), 1983, 723 S.
- Die erstaunliche Karriere der Mamie Riggs. Nachzulesen in ihren Briefen an die Mutter (Originaltitel: The spokesman's secretary, 1905), 1985, 122 S.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ unter anderem Verfasser und Mitwirkender diverser Englisch-Lehrbücher. Suche in der Deutschen Nationalbibliographie Abruf am 31. März 2026
- ↑ Veröffentlichungen von Erich Gronke in den Berliner und Brandenburger Bibliotheken
- ↑ Erscheinungsjahre gemäß der Vorbemerkungen von John McGrath. Im gleichen Band, übersetzt von Eva Walch: Fische im Meer und Bergschaf, Hirsch und schwarzes, schwarzes Öl und Das kleine rote Mädchen
- ↑ Text gemäß Verlagsschreiben im Archiv der Nachkommen
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gronke, Ingeborg |
| ALTERNATIVNAMEN | Pralow, Ingeborg Else Gertrud Eva (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Übersetzerin |
| GEBURTSDATUM | 19. April 1923 |
| GEBURTSORT | Schwerin |
| STERBEDATUM | 4. April 2016 |
| STERBEORT | Rangsdorf |