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Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee

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(Weitergeleitet von IPACC)
Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee
(IPACC)
Basisdaten
Gründungsdatum 1997
Gründungsort Genf
Adressen
Website www.ipacc.org.za
Hindou Oumarou Ibrahim
Projekt Partizipatorische 3D-Kartierung

Das Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee, kurz IPACC, ist ein Netzwerk von 135 Organisationen indigener Völker in 21 afrikanischen Ländern. Damit ist es das größte Netzwerk indigener Völker weltweit. IPACC wurde 1997 rechtlich gegründet, als die Gründungsmitglieder in Genf, Schweiz, während der Sitzung der UN-Arbeitsgruppe für indigene Völker einen Verfassungsentwurf verabschiedeten.[1] Der Sitz des Sekretariats befindet sich in Kapstadt, Südafrika.

Es handelt sich um eine Mitgliederorganisation. Jede anerkannte Organisation afrikanischer indigener Völker kann die Mitgliedschaft beantragen. Andere Organisationen, die in den Bereichen Entwicklung, Menschenrechte oder indigene Rechte tätig sind, können eine assoziierte (nicht stimmberechtigte) Mitgliedschaft beantragen. Die Mitglieder wählen einen Vorstand, der sechs geografische und kulturelle Regionen Afrikas repräsentiert, darunter eine regionale Vertreterin indigener Frauen. IPACC ist beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, der Globalen Umweltfazilität, der UNESCO und der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker akkreditiert.[1]

IPACC wurde gegründet, um die drängendsten Probleme indigener Völker in Afrika anzugehen. Dazu gehören:

All diese Formen der Diskriminierung haben gravierende Auswirkungen auf die Jäger- und Sammlervölker sowie die nomadischen Hirtenvölker Afrikas, insbesondere auf das Leben indigener Frauen und Kinder.[1]

In der Region der Großen Seen kam es wiederholt zu genozidaler Gewalt gegen indigene Völker.

Im Kontext der gravierenden Probleme unterstützt IPACC seine Mitgliedsorganisationen dabei:

  • Internationale Menschenrechtsmechanismen und Sonderverfahren zu studieren, zu verstehen und anzuwenden, um die Menschenrechte indigener Völker zu sichern;
  • sich mit indigenen Gemeinschaften, Regierungen, regionalen Gremien und den Vereinten Nationen für den Schutz der grundlegenden Menschenrechte indigener Völker einzusetzen; und
  • die Gleichstellung der Geschlechter in indigenen Organisationen und Gemeinschaften zu fördern.

Im Zuge dieser Arbeit hat sich IPACC weiterentwickelt und fördert und unterstützt nun:

Exekutivkomitee

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Alle drei Jahre wählen die Mitglieder ein Exekutivkomitee (Executive Committee). Dieses Exekutivkomitee besteht aus 18 Personen, welche die sechs geografisch-kulturellen Regionen Afrikas repräsentieren, plus eine spezielle Vertreterin der indigenen Frauen. Die sechs Regionen sind Nordafrika, Westafrika (Sahara/Sahel), Zentralafrika (Regenwald/Kongobecken), Ostafrika, Südafrika. Es gibt zudem eine speziell ausgewiesene Gender/Frauen Regionalvertretung innerhalb jeder Region. Seit 2015 gibt es einen Rat der Ältesten mit drei Personen.[3] Stellvertretend für alle werden hier drei Persönlichkeiten vorgestellt:

Leonard Fabrice Odambo, Regionalvertreter für das Kongobecken

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Leonard Fabrice Odambo gehört dem indigenen Volk der Bakoya-Pygmäen aus Gabun an. Er ist Gründer und Präsident von MINAPYGA, der ersten indigenen Organisation Gabuns. Odambo ist ausgebildeter Journalist und einer der wenigen Pygmäen seiner Gemeinschaft mit Hochschulbildung.

Auf lokaler Ebene engagiert sich Odambo besonders für die indigenen Völker im Waka-Nationalpark. In Zusammenarbeit mit IPACC, der Wildlife Conservation Society und der Parkverwaltung von Waka unterstützt seine Organisation MINAPYGA die Dorfbewohner bei der Selbstorganisation, damit sie sich an der Verwaltung und Entscheidungsfindung im Park beteiligen und Probleme wie Arbeitslosigkeit und die Präsenz ausländischer Holzunternehmen angehen können. Odambo setzt sich leidenschaftlich für den Einsatz modernster partizipativer 3D-Kartierung ein, um traditionelle Landstriche und Ressourcen zu dokumentieren und so effektiv an Debatten über die Landbewirtschaftung teilzunehmen.

Odambo bereiste außerdem die Provinzen Gabuns, um sich mit indigenen Anführern und Aktivisten zu treffen und das Bewusstsein für ihre Rechte zu schärfen und darüber zu informieren, insbesondere über die Rechte indigener Völker, wie sie von den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker (ACHPR) anerkannt werden.[2]

Hindou Oumarou Ibrahim, Beauftragte für Gender und Klimawandel im Kongobecken

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Hindou Oumarou Ibrahim gehört der indigenen Mbororo-Nebenbevölkerung im Tschad an und ist Expertin für Klimaanpassung und Minderung der Folgen der globalen Erwärmung bei indigenen Völkern, traditionelles Wissen sowie die Rolle von Frauen im Kontext des Klimawandels in Afrika.

Sie engagiert sich in ihrer Gemeinschaft und in ihrem Land und ist Koordinatorin der Vereinigung indigener Frauen und Völker der Peul im Tschad (AFPAT), Mitglied des Technisch-Wissenschaftlichen Komitees des UNESCO-Projekts BIOPALT im Tschad. In den letzten Jahren hat sie jährlich Workshops im Tschad zu den Themen Wissenschaft und traditionelles Wissen organisiert und in Zusammenarbeit mit der UNESCO, IPACC, dem Technischen Zentrum für landwirtschaftliche und ländliche Zusammenarbeit, Conservation International und der tschadischen Regierung an einem partizipativen 3D-Projekt zur Kartierung traditionellen Wissens mitgewirkt.

Auf internationaler Ebene ist Hindou Co-Vorsitzende des Internationalen Forums indigener Völker zum Klimawandel (IIPFCC), Co-Vorsitzende der Panafrikanischen Allianz für Klimagerechtigkeit (PACJA), Mitglied des Policy Boards der Partnerschaft der Vereinten Nationen für indigene Völker (UNIPP), Mitglied der Hauptgruppe indigener Völker für die Ziele für nachhaltige Entwicklung (IPMG-SDGs), Koordinatorin des Pavillons indigener Völker auf der COP und Gründungsmitglied der Marrakesch-Partnerschaft für globale Klimaschutzmaßnahmen. Hindou wurde außerdem 2017 von National Geographic zu einer der 14 Emerging Explorers gekürt.[2]

Diphetogo Anita Lekgowa, Genderbeauftragte für das südliche Afrika

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Diphetogo Anita Lekgowa ist eine San-Frau aus Botswana, geboren und aufgewachsen im Dorf Khwai im Okavango-Delta. Sie ist Mitbegründerin der Tane Ko Teemahane Women’s Foundation in ihrem Dorf, deren Ziel es ist, die Lebensgrundlagen indigener Frauen und Jugendlicher durch Kultur und traditionelles Wissen zu stärken. Sie ist außerdem stellvertretende Vorsitzende des Nhabe-Museums, das die Kultur des Nordwestdistrikts von Botswana vermittelt und bewahrt. Zuletzt initiierte sie die Errichtung eines historischen Freilichtmuseums für den Tourismus, das zur wirtschaftlichen Stärkung ihrer Gemeinde beiträgt. Anitas Mission ist es, den traditionellen Lebensstil ihres Volkes zu verbessern und gleichzeitig zu schützen. Sie hat indigene Völker auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene vertreten, beispielsweise in den Foren der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC), im Ständigen Forum der Vereinten Nationen für indigene Angelegenheiten (UNPFII) in New York und im Expertenmechanismus für die Rechte indigener Völker (EMRIP) in Genf.[2]

Mitgliedsorganisationen

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In der folgenden Tabelle ist eine kleine Auswahl von Mitgliedsorganisationen

Organisation Staat Beschreibung
MINAPYGA (Minorités Autochtones Pygmées du Gabon) Gabun Pygmäen-Organisation in Gabun; gegründet von Leonard Fabrice Odambo
Association of Peul Women and Autochthonous Peoples of Chad (AFPAT) Tschad Eine Organisation von Peul-Indigenen Frauen und Gemeinschaften, im Netzwerk von IPACC aktiv im Bereich Klima & indigene Rechte
Association for the Defense and Promotion of Indigenous Peoples (ADPPA) Republik Kongo Netzwerkorganisation für indigene Bewegungen in der Republik Kongo
Unissons-nous pour la Promotion des Batwa Burundi Organisation der Batwa-Indigenen
Kuru D’Kar Trust Botswana San-Organisation im Okavango-Delta
TUNFA Niger Tuareg-Indigene Frauenorganisation
Yiaku Laikipiak Trust Kenia Für die indigene Yiaku-Laikipiak Gemeinschaft
Il’laramatak Community Concerns (ICC) Kenia Eine indigene Organisation für Maasai und Samburu in ariden/semi-ariden Regionen Kenias mit Schwerpunkt Frauen, Mädchen, Menschenrechte
Ogiek Peoples Development Program (OPDP) Kenia Organisation der Ogiek-Indigenen in Kenia

Bedeutung und Erfolge

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Das Vernetzung erlaubt, dass indigene Gemeinschaften in Afrika gemeinsam auftreten, Erfahrungen austauschen und ihre Interessen bündeln. Damit wurde eine Form von Sichtbarkeit geschaffen, die zuvor kaum vorhanden war, insbesondere weil viele Staaten Afrikas indigene Gruppen lange nicht offiziell anerkannt hatten. Bei der Ausarbeitung bzw. Umsetzung der United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples (UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker) war IPACC aktiv beteiligt.[4]

IPACC gründete einen eigenen Indigenous Women’s Council (Council für indigene Frauen) im September 2019, zur Umsetzung eines fünfjährigen strategischen Plans zur Förderung der Rechte indigener Frauen in Afrika. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass indigene Frauen oft doppelt marginalisiert sind, sowohl als Teil einer indigenen Minderheit als auch aufgrund von Geschlechterungleichheiten.[5]

https://www.ipacc.org.za/ Offizielle Website

Einzelnachweise

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  1. a b c d The Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee. The Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  2. a b c d the team. Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  3. Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee-IPACC. Grassroots Justice Network, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  4. Statement delivered by Mary Simolo Simat (IPACC). Unrepresented Nations and Peoples Organization (UNPO), abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  5. PAST AND FUTURE EVENTS. Indigenous Peoples of Africa Co-ordinating Committee, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).