Hugo Jannasch
Hugo Jannasch (* 16. Januar 1813 in Köthen; † 30. März 1901 in Bernburg (Saale)) war ein deutscher Unternehmer. Er gründete und leitete die Steingut- und Tonwarenfabrik Hugo Jannasch in Bernburg, die Mitte des 19. Jahrhunderts der einzige industrielle Keramikhersteller im Herzogtum Anhalt-Bernburg und mit ihren Produkten auf mehreren Weltausstellungen vertreten war.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Schulbesuch absolvierte er in Meißen eine Ausbildung zum Apotheker und war danach als Gehilfe in Magdeburg. Danach studierte er Naturwissenschaften in Berlin und übernahm mit 26 Jahren in Barby eine Apotheke. Im Jahr 1847 erwarb er im Alter von 34 Jahren eine ältere, zu diesem Zeitpunkt heruntergewirtschaftete Keramikfabrik in Bernburg an der Saale im Bereich der heutigen Töpferwiese.[1] Er konzentrierte sein Unternehmen vor allem auf die Herstellung von Tonröhren für Wasserleitungen und Kanalisationen, die unter anderem in Bernburg, Gera, Wernigerode und am Schloss Stolberg verbaut wurden. Nachdem er eine Presse zur Herstellung von Wasserrohren auf Ton erfunden hatte, verlieh ihm der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha 1863 ein Patent, allein diese Tonrohre in den beiden Herzogtümern Coburg und Gotha innerhalb von fünf Jahren einbauen zu dürfen.[2]
Als ausgebildeter Apotheker nutzte Jannasch sein chemisches Wissen auch für Materialexperimente. Er entwickelte durch die gezielte Zusammensetzung verschiedener einheimischer Tone eine neuartige Steinzeugmasse namens Askanialith (mitunter fälschlich Askanialith). Der Werkstoff zeichnet sich durch einen extrem harten Brand sowie eine außergewöhnliche Abbildungsschärfe bei figürlichen Darstellungen aus.[3] In der Folge stellte seine Fabrik neben Gebrauchsware aus Steingut auch anspruchsvolle Kunstgegenstände aus Askanialith-Steinzeug her. Zum Portfolio gehörten Vasen, Teller, marmorierte Seifenbehälter, Trinkhörner, Gartenfiguren, Balkonsäulen und bis zu zwei Meter große Statuen. Ein bekanntes Einzelstück ist ein im Jahr 1866 gefertigter Steinzeug-Jubiläumskrug zum 10. Stiftungsfest des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Alexisbad.
Unter seiner Leitung erlangte die Fabrik internationale Bekanntheit und stellte einige ihrer Erzeugnisse auf den großen Weltausstellungen 1851 in London, 1867 in Paris und 1873 in Wien aus.[4]
Sein keramisches Unternehmen bestand fast 50 Jahre lang, musste jedoch 1885 Insolvenz anmelden. Später wurden alle baulichen Überreste an der Töpferwiese in Bernburg abgetragen; es existiert heute (2026) einzug noch in Resten die um 1872 erbaute neue Fabrikhalle, die vornehmlich der Röhrenproduktion diente. Heute besitzt das Museum Schloss Bernburg mit 16 Jannasch-Keramiken den größten überlieferten Bestand in öffentlicher Hand.
Jannasch nutzte seine pharmazeutisch-chemische Ausbildung nicht nur für seine Keramikfabrik, sondern betrieb in Bernburg parallel eine chemische Fabrik. 1877 ließ er sich ein Conserve-Salz patentieren, welches er durch Einwirkung von Borsäure auf Chlorkalium und Salpeter erzeugte. Dieses Spezialsalz ließ er sich beim Deutschen Reichs-Patent unter Nr. 3059 offiziell patentieren.[5] Es wurde als hocheffektives, geruchloses Antiseptikum beworben und im Handel deutschlandweit und im Ausland vertrieben. Eingesetzt wurde es zum Frischhalten und Pökeln von Fleisch, Wild, Geflügel und Fisch sowie als Zusatz, um Milch tagelang vor dem Sauerwerden zu schützen. Jannaschs Conserve-Salz war kommerziell recht erfolgreich, wurde auf Haushalts- und Gewerbeausstellungen mehrfach prämiert, darunter 1882 in Brasilien, und aufgrund seines günstigen Preises viel in gutbürgerlichen Haushalten verwendet.[6]
Seit 1856 war er Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins für die Provinz Sachsen und Anhalt in Halle (Saale). Außerdem war er bis zu seinem Tod Mitglied im Verein deutscher Ingenieure, dessen Sächsisch-Anhaltinischen Bezirksverband er 1863 in Bernburg mitbegründete.
Für seine Verdienste erhielt er den Titel eines Kommerzienrates. Er starb im 89. Lebensjahr im Frühjahr 1901.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Katharina Thormann: Spurensuche im Küchenschrank – wer löst weitere Rätsel um vergessene Keramikfabrik von Bernburg? In: Mitteldeutsche Zeitung vom 18. Januar 2026
- ↑ Coburger Zeitung vom 13. März 1863, S. 1.
- ↑ Gipsmodell für Teller bei museum-digital.de
- ↑ Von der Töpferwiese in die weite Welt – Hugo Jannasch (1847-1885)
- ↑ Mehr Fleisch! In: Die Gartenlaube. 1880, S. 48 (Volltext [Wikisource]).
- ↑ Saale-Zeitung vom 18. April 1882, S. 3.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jannasch, Hugo |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 16. Januar 1813 |
| GEBURTSORT | Köthen, Anhalt |
| STERBEDATUM | 30. März 1901 |
| STERBEORT | Bernburg (Saale) |