Hugo Hecht
Hugo Hecht (* 23. Juli 1883 in Prag, Österreich-Ungarn; † 1. Februar 1970 in Cleveland[1]) war ein tschechoslowakisch-US-amerikanischer Dermatologe und Venerologe.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hugo Hecht wurde als Sohn von Emilia Wecker und Friedrich Hugo Arwed Hecht (* 5. Februar 1861 in Merbeck, Kreis Erkelenz; † 1924), Kaufmann und Dichter in Berlin,[2] geboren.[3] Hecht, ein Mitschüler Franz Kafkas[4] am humanistischen Staatsgymnasium in der Prager Altstadt, widmete sich nach der Matura einem Studium der Medizin an der Karl-Ferdinands-Universität, das er 1906 mit dem Erwerb des akademischen Grades eines Dr. med. abschloss. Nach einer Ausbildung zum Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten habilitierte Hugo Hecht sich dort 1919, bevor ihm die außerordentliche Professur für Dermatologie und Syphilidologie übertragen wurde, die er bis 1939 ausfüllte. Daneben bekleidete Hugo Hecht von 1919 bis 1932 das Amt des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in der Tschechoslowakei. Überdies fungierte er von 1919 bis 1931 als erster deutscher kommunistischer Abgeordneter im Prager Stadtrat.
In seinem Werk Soziale Bedeutung, Bekämpfung, Statistik der Geschlechtskrankheiten (1927) vertrat Hecht die eugenische Auffassung, an Syphilis erkrankte Soldaten sollten nicht in Krankenhäusern behandelt, sondern schnellstmöglich wieder an der Front eingesetzt werden.[5]
Hecht emigrierte 1939 in die USA, wo er 1940 die Arztlizenz erhielt und 1942 eingebürgert wurde. Beruflich war er bis zu seiner Pensionierung im Alter von über 80 Jahren als Dermatologe am Mount Sinai Hospital in Cleveland tätig. Zudem war Hecht Mitglied der Cleveland Academy of Medicine, der Ohio State Medical Association, der Cleveland Dermatological Society, der American Academy of Dermatology, der Cleveland Astronomical Society sowie anderer professioneller Organisationen.
Hugo Hecht publizierte 195 Beiträge, erschienen in sieben Sprachen, zu den Bereichen Dermatologie, Serologie und Krebsforschung. Einen Namen machte Hecht sich als Entwickler der Hecht-Reaktion, ein demonstratives Verfahren zum Nachweis von Syphilis, sowie des Hecht-Gradwohl Tests, eine Probe zum Nachweis von Jod im Urin.
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Monografien und Flugschriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Verbreitung der Geschlechtskrankheiten an den Mittelschulen. J. A. Barth, Leipzig 1908.
- Geschlechtskrankheiten und Alkohol. Deutscher Arbeiter-Abstinentenbund, Berlin 1914 (Digitalisat).
- tschechisch: Pohlavní choroby a alkohol. Sdružení abstinentů socialistů v ČSR, Prag 1937.
- Hütet Euch vor Geschlechtskrankheiten! Ein Mahnruf an die reifere Jugend. J. A. Barth, Leipzig 1921.
- Biologické základy pohlavního života. Komunistické nakladatelství, Prag 1926.
- mit Hans Haustein: Soziale Bedeutung, Bekämpfung, Statistik der Geschlechtskrankheiten (= Josef Jadassohn [Hrsg.]: Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten. Band 22). Springer, Berlin 1927.
- Stíny lásky (= Knihovna sexuálních problémů. Band 3). Pavel Prokop (majitelka Jarmila Prokopová), Prag 1937 (übersetzt von Věra Petříková).
Zeitschriftenbeiträge (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in der tschechoslowakischen Republik. 6. Jg. (1930), Heft 4, (Oktober), S. 173–178 Digitalisat
- Schwangerschaftsunterbrechung der Proletarierin. Versuch einer Statistik. 8. Jg. (1932) Heft 11–12 (November–Dezember), S. 201–206 Digitalisat
In: Dermatologische Wochenschrift
- Zehn Jahre Abortivbehandlung der Syphilis. In: Dermatologische Wochenschrift. Band 72, 1921, S. 97–103.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Klaus-Peter Hinze: Neue Aspekte zum Kafka-Bild: Bericht über ein noch unveröffentlichtes Manuskript. In: Modern Austrian Literature. Band 5, Nr. 3/4, 1972, S. 83–92, JSTOR:24646656.
- Eduard Wondrák: Zu den Erinnerungen Hugo Hechts an Ernst Weiß. In: Weiß-Blätter. Nr. 4, Juli 1975, S. 10–12.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Hugo Hecht im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Hugo Hecht: What America needs most is a good compulsory health insurance. In: Journal of The National Medical Association. Band 51, Nr. 6, November 1959, S. 463–467, PMID 14400470, PMC 2641698 (freier Volltext).
- Ole Daniel Enersen: Hugo Hecht ( vom 25. April 2025 im Internet Archive) bei whonamedit.com
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Rudolf M. Wlaschek: Biographia Judaica Bohemiae, Band 1, Seite 77, Auslieferung, Forschungsstelle Ostmitteleuropa, 1995
- ↑ Karsten Kruschel: Hecht, Hugo. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 15: Hauptmann – Heinemann. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-023161-8, Sp. 297.
- ↑ Hecht, Hugo. In: Archiv Bibliographia Judaica e. V., Dieter Burdorf (Hrsg.): Archiv Bibliographia Judaica – Deutschsprachiges Judentum Online. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2024 (degruyterbrill.com [abgerufen am 23. September 2026]).
- ↑ Hugo Hecht: Zwölf Jahre in der Schule mit Franz Kafka. In: Hans-Gerd Koch (Hrsg.): »Als Kafka mir entgegen kam…«. Erinnerungen an Franz Kafka. Erweiterte Neuausgabe. Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 3-8031-2528-6, S. 32–43 (Erstveröffentlichung: Prager Nachrichten. Band 17, Nr. 8, 1966).
- ↑ Nikolas Dörr, Lukas Grawe: Ein Sonderfall zivil-militärischer Kooperation im Ersten Weltkrieg. Die Zusammenarbeit von Sozialversicherungsämtern und deutschen Militärbehörden bei der Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten. In: Historische Zeitschrift. Band 314, Nr. 1, 2022, S. 32–67, hier: S. 49, Fn. 73, doi:10.1515/hzhz-2022-0002.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hecht, Hugo |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Dermatologe und Venerologe böhmischer Herkunft |
| GEBURTSDATUM | 23. Juli 1883 |
| GEBURTSORT | Prag |
| STERBEDATUM | 1. Februar 1970 |
| STERBEORT | Cleveland |