Hoffuß
Der Hoffuß ist eine altbayerische Einteilung von bäuerlichen Anwesen nach Größe und Ertragsfähigkeit zum Zweck der Steuererhebung.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Einteilung nach dem Hoffuß ist seit 1445 nachweisbar, wo sie in Amtsbüchern des Herzogtums Bayern-Landshut wohl erstmalig verwendet wurde. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Klassifizierung, „bis sich im späten 17. Jahrhundert ein Parameter vom 1⁄1-Hof bis zum 1⁄32-Hof durchsetzte.“[1]
1808 wurde die Königliche Unmittelbare Steuervermessungskommission gegründet, mit der Aufgabe zur Vereinheitlichung der Grundsteuer das gesamte Königreich sukzessive zu vermessen (Bayerische Uraufnahme). Der Hoffuß wurde daraufhin im Jahr 1812 abgeschafft.[2]
Einteilung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Einteilung konnte regional und zeitlich variieren. So reichte sie im 18. Jahrhundert beispielsweise vom Ganzhof (1⁄1-Hof) über Hube (1⁄2- bzw. 1⁄3-Hof), Lehen/Gütl (1⁄4- bzw. 1⁄6-Hof) und Bausölde (1⁄8-Hof) bis zur Leersölde/Leerhäusel (1⁄16- bis 1⁄64-Hof). Vom Hoffuß rührte auch häufig der Name seines Bewohners her, z. B. Bauer oder Maier (Ganzhof), Huber, Söldner, Gütler, Häusler.
Eine Hoffußeinheit bestand im Flachland aus ungefähr 36 Juchert Ackerland mittlerer Güte, Wiesen und Wald; im Prinzip konnte der Hoffuß aber auch von der Fläche unabhängig sein. Auf welchen und wie strengen Kriterien das Hoffußsystem basierte, ist in der Forschung umstritten.[1] Im Gäuboden war die Einteilung beispielsweise folgendermaßen:[3]
| Hoffuß | Wirtschaftsfläche ca. in Tagwerk | Bezeichnung des Besitzers |
|---|---|---|
| 1⁄1 | 100 und mehr | Bauer oder Maier |
| 1⁄2 | 50–90 | Halbbauer oder Huber |
| 1⁄4 | 20–45 | Söldner |
| 1⁄8 | 12–18 | Gütler |
| 1⁄16 | 4–10 | Häusler |
| 1⁄42 | 2–3 | Leerhäusler |
| 1⁄64 | < 1 |
Im Landgericht Weilheim verfügte ein 1⁄1-Hof über 120 bis 180 Tagwerk.[4]
Im Erzstift Salzburg wurde teils nur nach Anwesen größer oder kleiner/gleich einer Sölde/Viertlacker unterschieden.
Durch Hofteilungen und -zusammenlegungen konnten auch andere Bruchzahlen entstehen. Im Ort war der Hoffuß allgemein bekannt und ist auch als Gesellschaftsstruktur anzusehen.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rainer Beck: Jenseits von Euclid. Einige Bemerkungen über den „Hoffuß“, die Staatsverwaltung und die Landgemeinden in Bayern. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Nr. 53. C.H. Beck, München 1990, S. 697–742 (Digitalisat).
- Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann: Hoffuß. In: Vom Abbrändler zum Zentgraf. Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern. 3. Auflage. Volk Verlag, München 2010, ISBN 978-3-937200-65-1, S. 101.
- Dietmar Stutzer: Der alte bayerische Hoffuß in der historischen Praxis der bäuerlichen Betriebsschätzung und -bewertung. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Nr. 42. C.H. Beck, München 1979, S. 285–304 (Digitalisat).
- F.B.M. Wagner: Hoffuß. In: Churpfalzbayerisch gelehrt-decisives universales Gesetz-Lexikon. II. Theil. Pappenheim 1800, S. 792–797 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- Franz Valentin Zillner: Über Haus und Hof im Salzburgischen. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 33, 1893, S. 145–163, hier S. 162 f. (Digitalisat [abgerufen am 16. Februar 2018]).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Martin Hille: Ländliche Sozialstruktur in Altbayern (Spätmittelalter/Frühe Neuzeit). In: Historisches Lexikon Bayerns. 23. Juni 2026, abgerufen am 12. August 2026.
- 1 2 Josef Kiening: Sozialstruktur: Herren, Bauern, Besitzlose. In: genealogie-kiening.de. Abgerufen am 26. Februar 2018.
- ↑ Bauernleben einst und jetzt. In: strasskirchen.de. 2009, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2018; abgerufen am 26. Februar 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Dieter Albrecht: Das Landgericht Weilheim (= Kommission für bayerische Landesgeschichte [Hrsg.]: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Reihe I, Band 4). München 1952, S. 11 (Digitalisat [abgerufen am 22. November 2024]).